DAX
S&P 500
NASDAQ
Dow Jones
MSCI World
Gold
Silber
Brent
BTC
Apple
Microsoft
NVIDIA
Amazon
Alphabet
Meta
Berkshire
Broadcom
Tesla
TSMC
← Zurück zur Übersicht
International
Netanyahu kündigt Direktgespräche mit Beirut an, während die Angriffe auf 303 Tote eskalieren

Netanyahu kündigt Direktgespräche mit Beirut an, während die Angriffe auf 303 Tote eskalieren

Israel verkündet, erstmals direkte Verhandlungen mit der libanesischen Regierung aufnehmen zu wollen. Gleichzeitig sind bei den israelischen Angriffen seit dem 8. April bereits 303 Menschen gestorben. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die EU fordern in einer gemeinsamen Erklärung, der Waffenstillstand mit Iran müsse den Libanon einschließen.

9. April 2026, 19:25 Uhr 995 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Update 13. April, 14:22 Uhr: Netanyahu besuchte am 13. April israelische Truppen in Südlibanon und kündigte die Operation „Silver Plough“ an: Alle Häuser in Grenzdörfern entlang der israelisch-libanesischen Demarkationslinie sollen systematisch abgerissen werden. Verteidigungsminister Israel Katz vergleicht das Vorgehen explizit mit den Flächenzerstörungen in Rafah und Beit Hanoun im Gazastreifen. Die Gesamtzahl der Toten durch israelische Angriffe seit Kriegsbeginn im März stieg auf 2.055. Libanons Premierminister Nawaf Salam erklärte, er arbeite weiter an einem vollständigen israelischen Truppenabzug. Die Friedensgespräche in Washington sind für Dienstag, den 15. April, offiziell bestätigt. UNIFIL meldete neue Vorfälle: Israelische Panzer rammten UN-Fahrzeuge, Überwachungskameras am Hauptquartier wurden beschädigt. Ein israelischer Drohnenangriff tötete einen Sanitäter des Libanesischen Roten Kreuzes in Beit Yahoun.

Update 11. April, 12:22 Uhr: Hintergrund des Sinneswandels: US-Präsident Donald Trump telefonierte am 9. April direkt mit Netanjahu und bat ihn, die Militäroperationen im Libanon zu reduzieren. Netanjahu hatte bis zu diesem Gespräch intern die Position vertreten, den Libanon aus dem Waffenstillstandsrahmen zwischen USA und Iran herauszuhalten. Trumps direkter Druck bewog ihn zu der Kehrtwende: Statt Ausschluss nun direkte Gespräche. Die Verhandlungen für den 14. April im US-Außenministerium sind offiziell bestätigt.

Update 11. April, 06:23 Uhr: Der Libanon hat direkten Verhandlungen mit Israel für Dienstag, den 14. April, zugestimmt. Erste Runde findet im US-Außenministerium in Washington statt: Israels Botschafter Yechiel Leiter und Libanons Botschafterin Nada Hamadeh Moawad treffen unter Leitung des US-Botschafters Michel Issa aufeinander, Außenminister Marco Rubios Büro koordiniert das Format. Israels Regierung stellt klar, es handele sich nicht um Waffenstillstandsgespräche, sondern um Verhandlungen über die Bedingungen, unter denen Israel die Angriffe einstellen würde. Beirut knüpft die Teilnahme an die Forderung, Israel müsse die Luftangriffe vor Verhandlungsbeginn pausieren. Die israelischen Angriffe haben sich unterdessen weiter intensiviert: Über 350 Menschen wurden seit Mittwoch getötet, südliche Beiruter Vororte wurden nach libanesischen Behördenangaben so schwer bombardiert wie seit Kriegsbeginn nicht.

Israels Premierminister Benjamin Netanyahu hat am Mittwochabend angekündigt, erstmals direkte Gespräche mit der libanesischen Regierung über die Entwaffnung der Hisbollah führen zu wollen. Die Ankündigung kam, während die israelische Luftwaffe ihre Angriffe auf libanesischem Gebiet fortsetzte: Seit dem 8. April sind nach libanesischen Behördenangaben mindestens 303 Menschen getötet worden, allein in Zentral-Beirut starben mehr als 180 Zivilisten. Das ist die höchste Opferzahl an einem einzigen Tag seit Beginn des Libanonkrieges.

Doppelstrategie: Bomben und Verhandlungsangebot

Netanyahus Ankündigung folgt einer Logik, die Israel seit Beginn des Konflikts verfolgt: militärischen Druck aufbauen, bis der Gegner zu Konzessionen bereit ist. Der Vorschlag, direkt mit Beirut zu verhandeln, richtet sich nicht an die Hisbollah, sondern an die libanesische Staatsregierung unter Premierminister Nawaf Salam. Israel will Salam dazu bringen, die Hisbollah offiziell zu entwaffnen oder zumindest aus dem Süden des Landes zurückzudrängen, als Bedingung für ein Ende der Angriffe.

Salam hatte am 9. April einen nationalen Trauertag ausgerufen und Israels Angriffe als Verbrechen gegen das libanesische Volk bezeichnet. Ob seine Regierung auf Netanyahus Angebot eingehen wird, war am Abend des 9. April offen. Hisbollah selbst antwortete auf die Eskalation mit Raketenangriffen auf israelisches Gebiet.

Europa fordert Ende der Angriffe

Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien veröffentlichten gemeinsam mit der EU-Kommission eine Erklärung, in der sie Israel auffordern, die Angriffe auf den Libanon sofort einzustellen. Der Waffenstillstand zwischen den USA und Iran, der am 7. April vereinbart worden war, müsse für den Libanon gelten. Bundeskanzler Friedrich Merz, der Israel in der Vergangenheit stets eng unterstützt hatte, schloss sich dieser Forderung ausdrücklich an. Merz nannte die Fortführung der Angriffe nach dem Waffenstillstand schwer nachvollziehbar.

Die europäische Reaktion markiert eine seltene öffentliche Differenz zwischen Berlin und Jerusalem. Deutschland hatte Israel seit dem Hamas-Angriff vom Oktober 2023 politisch und diplomatisch weitgehend gedeckt. Die neue Regierung unter Merz setzt nun auf ein anderes Signal: Unterstützung für Israels Recht auf Selbstverteidigung gegen Iran, aber klare Distanzierung von den Libanonangriffen.

Die Opferzahlen und das Schweigen Washingtons

Allein bei den Luftangriffen auf Zentral-Beirut am Abend des 8. April und am Morgen des 9. April kamen nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mehr als 180 Menschen ums Leben, darunter Kinder und Anwohner von Wohnvierteln ohne militärische Bedeutung. Al Jazeera und PBS NewsHour berichteten übereinstimmend von gezielten Angriffen auf Wohngebäude in dicht besiedelten Stadtteilen. Die Gesamtzahl der Todesopfer seit dem 8. April liegt bei mindestens 303, mehr als 1.150 Menschen wurden verletzt.

Das Weiße Haus schwieg zu den neuen Opferzahlen. US-Vizepräsident JD Vance, der sich gerade auf die Reise nach Islamabad vorbereitet, machte gegenüber Journalisten keine Aussagen zur Frage, ob Washington Israel zur Einstellung der Angriffe auffordern werde. Die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates verwies auf Trumps frühere Aussage, Libanon sei ein separater Konflikt.

Was das Verhandlungsangebot bedeutet und was nicht

Netanyahus Direktgespräch-Angebot ist interpretationsbedürftig. Israel hat keine Waffenruhe im Libanon angeboten. Der Vorschlag bedeutet: Wir verhandeln über die Bedingungen, unter denen wir aufhören zu bomben. Die Hauptbedingung, vollständige Entwaffnung der Hisbollah oder deren Rückzug hinter den Litani-Fluss, ist dieselbe, die Israel seit Monaten stellt und die Beirut bisher nicht akzeptiert hat.

Ob das Direktgespräch-Angebot ein ernstes Verhandlungssignal ist oder eine diplomatische Absicherung für die Fortsetzung der Angriffe, wird sich in den nächsten 48 Stunden zeigen. Die Islamabad-Gespräche zwischen Iran und den USA, die für den 10. April geplant sind, stehen unter erheblichem Druck: Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, der zur iranischen Delegation gehört, erklärte auf X, Iran habe dem Prozess von Anfang an misstraut und die USA hätten bereits Verpflichtungen gebrochen. Die Waffenruhe läuft am 21. April aus. Zwölf Tage.

KI-gestützt erstellt

Weitere Artikel

International

Sudan am dritten Jahrestag: Berlin versucht Ausweg aus weltweiter Hungerkrise

Heute tagen in Berlin Außenminister aus mehr als 30 Ländern zur dritten internationalen Sudan-Konferenz, genau drei Jahre nach Ausbruch des Kriegs. 33,7 Millionen Sudanesen brauchen Hilfe, finanziert ist davon weniger als ein Sechstel.

10 Quellen 4 Min. Lesezeit
International

Drei Jahre Krieg, eine Konferenz: Berlin ringt um Hilfe für Sudans vergessene Katastrophe

Genau drei Jahre nach Ausbruch des Bürgerkriegs im Sudan treffen sich in Berlin Vertreter aus mehr als 50 Staaten zur dritten internationalen Sudankonferenz. Fast 34 Millionen Menschen benötigen Nothilfe, der internationale Hilfsplan 2026 ist zu 84 Prozent nicht gedeckt.

8 Quellen 4 Min. Lesezeit
International Aktualisiert

Nigeria: Luftwaffe bombardiert Grenzmarkt, 56 bis 200 Tote, Regierung besteht auf Terrorziel

Am 11. April bombardierte die nigerianische Luftwaffe einen Markt im Grenzgebiet zwischen Borno und Yobe State. Die Opferzahlen reichen von 56 (UN) bis zu 200 (lokale Quellen). Nigerias Regierung besteht darauf, ein Terrorlogistikzentrum getroffen zu haben. Zeugenaussagen und Menschenrechtsorganisationen zeichnen ein anderes Bild. Es ist nicht das erste Mal.

7 Quellen 4 Min. Lesezeit
Wirtschaft Aktualisiert

IWF und Weltbank in Washington: Zwischen Schadensrechnung und Notfallplan

Die Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank beginnt heute in Washington. Die Agenda ist von einem Thema dominiert: Wie groß ist der wirtschaftliche Schaden durch den Iran-Krieg und wer zahlt dafür?

12 Quellen 4 Min. Lesezeit
Tech & Wissen

Meta stellt KI-Modell Muse Spark vor und bricht mit Open-Source-Strategie

Meta präsentiert mit Muse Spark das erste KI-Modell seiner neuen Superintelligence Labs. Der Konzern verfolgt damit eine Abkehr von der bisherigen Open-Source-Linie und will direkt gegen OpenAI und Google antreten.

9 Quellen 4 Min. Lesezeit
Unterstütze uns!