77.000 Hektar: Spanien ruft erstmals Waldbrandnotstand aus
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77.000 Hektar: Spanien ruft erstmals Waldbrandnotstand aus

Das Feuer in der Sierra Oeste hat 77.000 Hektar westlich Madrids vernichtet und ist damit der größte aufgezeichnete Brand in der spanischen Geschichte. Spanien rief erstmals wegen Waldbränden den nationalen Notstand aus; 90.000 Menschen sind evakuiert oder unter Ausgangssperre.

27. Juli 2026, 20:36 Uhr 709 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Am Freitag, dem 24. Juli, geschah in der Geschichte Spaniens etwas Beispielloses: Innenminister Fernando Grande-Marlaska rief wegen Waldbränden den nationalen Notstand aus, zum ersten Mal überhaupt. Das Feuer in der Sierra Oeste westlich Madrids hatte zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 77.000 Hektar vernichtet und 90.000 Menschen in die Flucht getrieben. Das Feuer ist noch nicht kontrolliert und ab Dienstag droht die vierte Hitzewelle des Jahres.

Drei Feuer, ein Monsterbrand

Am 24. Juli brachen westlich der spanischen Hauptstadt innerhalb von Stunden drei große Feuer aus: eines nahe San Martín de Valdeiglesias im Südwesten der Region Madrid, eines in der Provinz Ávila und ein drittes bei Toledo. Trockenheit, Temperaturen über 40 Grad und starker Westwind ließen sie bis zum Abend zu einem einzigen Brandkomplex zusammenwachsen, dem Brandkomplex der Sierra Oeste.

Das Ausmaß ist ohne Präzedenz in Spanien. Allein das Ávila-Feuer hat nach vorläufigen Angaben des Innenministeriums rund 50.000 Hektar verbrannt. Das ist die größte einzelne Waldbrandfläche, die in Spanien je aufgezeichnet wurde, fünfmal so viel wie die Stadtfläche Barcelonas. Die Brandgebiete in Madrid und Toledo kommen auf weitere 27.000 Hektar, zusammen also mehr als 77.000 Hektar in drei Provinzen.

Betroffen sind 46 Gemeinden. Rund 90.000 Menschen sind evakuiert oder stehen unter Ausgangssperre, darunter die Bewohner von Villa del Prado, San Martín de Valdeiglesias, Pelayos de la Presa und Burgohondo. Zusammen mit den mehr als 220.000 Evakuierten im französischen Gironde sind in Frankreich und Spanien mehr als 310.000 Menschen auf der Flucht. Der französische Präsident Emmanuel Macron berief eine Krisenkonferenz ein.

Erstmals wegen Waldbränden: Nationaler Notstand

Am Freitag, dem 24. Juli, aktivierte Innenminister Grande-Marlaska den „Notstand nationaler Tragweite“, den höchsten Katastrophenstatus, den das spanische Recht kennt. Es war das erste Mal in der Geschichte Spaniens, dass dieser Status wegen Waldbränden ausgerufen wurde. Der Erlass übergab die operative Kontrolle an die Militärische Notstandseinheit UME (Unidad Militar de Emergencias), die direkt dem Innenministerium untersteht. Mehr als 3.000 Einsatzkräfte aus acht spanischen Regionen kämpfen gegen das Feuer, verstärkt durch Einheiten aus Griechenland, Italien, Portugal und der Türkei.

Ministerpräsident Pedro Sánchez machte den Klimawandel für das Ausmaß der Katastrophe verantwortlich: „Es ist die Folge einer Klimanotlage, die Waldbrände gewalttätiger und Hitzewellen häufiger macht.“ Neben dem Brandkomplex der Sierra Oeste bekämpft Spanien gleichzeitig mehrere kleinere Brände in der Region Castellón an der Mittelmeerküste.

Am Montag, dem 27. Juli, erklärte Grande-Marlaska eine „zwar langsame, aber positive Entwicklung“. Der Regierungsdelegierte für Madrid betonte jedoch, das Feuer sei nicht kontrolliert. Die Ausbreitung in Richtung Nordwesten wurde gestoppt, weil der Wind die Richtung wechselte. Die Flammen ziehen nun nach Süden.

Sechsmal mehr als 2025: Eine Saison außer Rand und Band

Das Feuer in der Sierra Oeste passt in ein düsteres Gesamtbild. Nach Daten des europäischen Waldbrandinformationssystems Copernicus EFFIS haben 357 Brände in Spanien dieses Jahr bereits mehr als 153.000 Hektar vernichtet, sechsmal mehr als im gleichen Zeitraum 2025. 2026 ist mit bislang 13 Todesopfern eine der tödlichsten Feuersaisonen in Spanien seit Jahrzehnten.

Klimaforscherinnen und Klimaforscher benennen zwei zusammentreffende Faktoren. Erstens verlängert sich die Feuersaison strukturell: Wärmere Frühjahre trocknen die Vegetation früher aus, die Herbstregen kommen später. Zweitens war der Winter 2025/26 ungewöhnlich regenreich, was zu starkem Wachstum von Gräsern und Unterholz führte, das im Juli als trockene Brennmasse dient. Sánchez sprach von einer „perfekten Kombination aus extremer Hitze, Dürre und Wind“.

Frankreich steht vor einer ähnlichen Lage. Im Gironde hat das Feuer mehr als 42.000 Hektar Wald vernichtet und rund 220.000 Menschen zur Evakuierung gezwungen. Löschflugzeuge aus Kroatien, Portugal, Tschechien und der Slowakei sind im Einsatz. Der Vergleich mit früher: 2022 vernichteten die Gironde-Brände rund 26.000 Hektar und galten damals als Rekord. Dieser Rekord ist längst übertroffen.

Vierte Hitzewelle ab Dienstag

Ab Dienstag, dem 28. Juli, erwartet der spanische Wetterdienst AEMET die vierte Hitzewelle des Jahres. Die europäischen Klimamodelle des ECMWF prognostizieren, dass Hochdrucksysteme über der Iberischen Halbinsel bis mindestens zum 1. August anhalten werden. Für die Feuerwehren bedeutet das keine nächtliche Abkühlung, keine steigende Luftfeuchtigkeit und keinen Regen.

Entscheidend wird das Windverhalten in der Nacht von Montag auf Dienstag sein. Dreht der Wind auf Nord, rücken Ortschaften wie Las Navas del Marqués in Ávila erneut in den Gefahrenbereich, die in der vergangenen Nacht bereits geräumt wurden. Das Innenministerium hat alle 46 Evakuierungsanordnungen aufrechterhalten. Grande-Marlaska machte deutlich, dass eine Rückkehr der Bewohner erst nach vollständiger Kontrolle des Feuers infrage kommt.

Quellen (14)

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