Marokko stoppt Brasilien beim WM-Auftakt
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Marokko stoppt Brasilien beim WM-Auftakt

Brasiliens erster WM-Auftritt unter Carlo Ancelotti endete am 14. Juni in New Jersey mit einem 1:1 gegen Marokko. Die Atlas-Löwen dominierten die erste Halbzeit, Vinicius Junior rettete mit einem Traumtor das Remis. Ausgerechnet Schottland führt Gruppe C jetzt an.

17. Juni 2026, 17:00 Uhr 750 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Es hätte der Beweis sein sollen, dass Brasilien unter Carlo Ancelotti zur Weltspitze zurückgekehrt ist. Heraus kam am 14. Juni ein 1:1 gegen Marokko im MetLife Stadium in New Jersey, das beide Seiten mit gemischten Gefühlen verließen. Ancelotti räumte nach dem Spiel ein, seine Mannschaft sei zu nervös gewesen. Marokkos Trainer Mohamed Ouahbi, der erst seit knapp 100 Tagen im Amt ist, hatte sein Team strukturierter und entschlossener aufgestellt. Ausgerechnet Schottland führt die Gruppe C nach dem ersten Spieltag an.

Zwei Trainer im WM-Debüt

Das Duell war das Aufeinandertreffen zweier Männer, die beide erstmals bei einer Weltmeisterschaft auf der Trainerbank saßen. Carlo Ancelotti, der mit Real Madrid, dem AC Mailand und dem FC Bayern alle großen Vereinstitel gewann, trat hier als hauptverantwortlicher Nationaltrainer an. Seinen Abgang von Real Madrid gab er im Frühjahr 2025 bekannt, nachdem der brasilianische Fußballverband CBF ihn als einzige Wunschlösung genannt hatte. Für den 67-Jährigen ist der Sprung von der Vereinsebene auf die Nationalmannschaft ein tiefgreifender Wechsel: kürzere Trainingszeiten, ein Kader der sich selten trifft, nationaler Druck auf jedem Ergebnis.

Gegenüber stand Mohamed Ouahbi, der im März 2026 die Nachfolge von Walid Regragui angetreten hatte. Regragui hatte Marokko 2022 in Katar zu einem historischen WM-Halbfinale geführt, dem bis dahin besten Abschneiden einer afrikanischen Mannschaft bei einer WM überhaupt. Marokko besiegte Spanien im Elfmeterschießen und Portugal 1:0, bevor Frankreich im Halbfinale 2:0 gewann. Regraguis Rücktritt ließ wenig Zeit für Umbauten. Ouahbi übernahm das System, verfeinerte Details und zog in seinen ersten hundert Amtstagen die Mannschaft für die WM zusammen. Der Auftakt gegen Brasilien zeigte, dass die Struktur sitzt.

Saibari trifft, Vinicius rettet

Die ersten 45 Minuten gehörten Marokko. Brahim Díaz, der zuletzt bei Real Madrid ein Stammspieler war, bereitete das Führungstor mit einem präzisen Steckpass vor: Ismael Saibari, Angreifer bei PSV Eindhoven, lief frei durch, überlupfte Torwart Alisson und traf in der 21. Minute zur verdienten Führung. Brasilien wirkte gehemmt, verlor im Aufbau wiederholt den Ball und fand kein Muster für Angriffe. Die Pressingintensität Marokkos machte dem Rekordweltmeister erkennbar zu schaffen.

In der 32. Minute rettete ein Einzelner. Bruno Guimarães bediente Vinicius Junior links im Strafraum. Vinicius zog nach innen und schloss wuchtig mit rechts ab. Der Ball landete unhaltbar im langen Winkel hinter Torwart Yassine Bounou. Dieses Tor war kein Produkt einer durchdachten Teamstrategie, sondern ein Moment des individuellen Ausnahmekönnens von einem Spieler, der in der vergangenen Saison für Real Madrid 16 Tore in der Liga erzielte.

Die zweite Halbzeit brachte mehr brasilianischen Ballbesitz, aber keine klaren Chancen. Marokko verteidigte konzentriert, schaltete schnell um und ließ wenig zu. Ancelotti formulierte es nach dem Abpfiff gegenüber Eurosport: „Wir haben viele Bälle verloren. Wir haben es in der zweiten Halbzeit besser gemacht. Es war das erste Spiel bei einer WM, da können wir nicht erwarten, dass alles perfekt läuft.“ Das 1:1 beim Abpfiff entsprach dem Spielverlauf, wenn man beide Hälften zusammennimmt.

Marokkos System ist kein Zufall

Marokko ist nicht zufällig gut. Der Kader trägt Qualität auf internationalem Topniveau: Achraf Hakimi (Paris Saint-Germain) als Kapitän auf der rechten Seite, Brahim Díaz als kreativer Spielmacher und Saibari als torgefährlicher Stürmer. Das Fundament stammt aus europäischen Spitzenligen: Bundesliga, Premier League, Ligue 1 und LaLiga stellen den Großteil des Kaders. In der FIFA-Weltrangliste belegt Marokko Platz sieben. Damit ist die Mannschaft kein Außenseiter mehr, der auf einen Überraschungssieg hofft.

Die ZDF-Analyse beschrieb das Spiel als einen „Auftakt mit Fragezeichen“ für Brasilien. Sportschau nannte Marokko ein „gut organisiertes Team“, das den Rekordweltmeister erkennbar in Schwierigkeiten gebracht habe. Die Analyse auf wette.de bezeichnete das Duell als das bis dahin beste Spiel des Turniers, warnte aber: Brasiliens Leistung reichte in dieser Form nicht aus, um als klarer Titelkandidat aufzutreten.

Was dieses Ergebnis deutlich macht: Die Leistung von 2022 war kein Ausreißer. Marokko hat sich seit dem Halbfinale in Katar weiterentwickelt und ist mit einem jüngeren, noch selbstbewussteren Kader angereist. Die Vorstellung, dass Afrikas beste Mannschaft im Gruppenspiel automatisch zu besiegen sei, ist nach diesem Auftritt nicht mehr haltbar.

Haiti am 20. Juni: Pflicht für Brasilien, Chance für Marokko

Nach dem ersten Spieltag führt Schottland die Gruppe C an. Die Briten besiegten Haiti 1:0 durch John McGinns Tor in der 28. Minute und stehen damit mit drei Punkten an der Spitze. Brasilien und Marokko teilen den zweiten Platz mit je einem Punkt. Haiti hat null Punkte.

Am 20. Juni trifft Brasilien auf Haiti. Ein klarer Sieg ist Pflicht, um die WM-Kampagne zu stabilisieren. Ein Punktverlust gegen den schwächsten Gegner der Gruppe würde den Druck vor dem Abschluss gegen Schottland am 25. Juni in Miami erheblich erhöhen. Gleichzeitig spielt Marokko am 20. Juni gegen Schottland. Ein Sieg der Atlas-Löwen würde Gruppe C vollständig auf den Kopf stellen: Marokko oben, Brasilien im Mittelfeld, alles offen bis zum letzten Spieltag.

Ancelotti hat drei Spieltage um zu beweisen, dass Brasilien mehr ist als die Summe seiner Individualspieler. Das 1:1 gegen Marokko war kein Einbruch, aber auch kein Zeichen, dass die Selecão dieses Turnier dominieren wird. Marokko hingegen hat den Respekt eingefordert, den die 2022er-Generation verdient hatte und ihn gegen den Rekordweltmeister auf dem großen Platz durchgesetzt.

Quellen (14)

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