Big Catch-Up: WHO impft 18 Millionen versäumte Kinder
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Big Catch-Up: WHO impft 18 Millionen versäumte Kinder

WHO, UNICEF und Gavi haben das größte Nachholimpfprogramm aller Zeiten abgeschlossen: 18,3 Millionen Kinder in 36 Ländern erhielten mehr als 100 Millionen Dosen, darunter 12,3 Millionen, die noch nie eine einzige Impfung bekommen hatten. Die COVID-Pandemie hatte die weltweite Impfrate auf den niedrigsten Stand seit 2008 gedrückt.

18. Juni 2026, 9:03 Uhr 726 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Im Jahr 2024 starben schätzungsweise 95.000 Menschen an Masern, überwiegend Kinder unter fünf Jahren. Das sind die messbaren Folgen einer Impflücke, die Coronapandemie seit 2020 gerissen hatte: geschlossene Gesundheitszentren, ausgefallene mobile Teams, Kapazitäten absorbiert von der Pandemiebekämpfung. Jetzt meldet ein Konsortium aus WHO, UNICEF und der Impfallianz Gavi den Abschluss des größten Impfnachholprogramms der Geschichte: 18,3 Millionen Kinder in 36 Ländern, davon 12,3 Millionen zum ersten Mal geimpft.

Die Lücke, die COVID hinterlassen hat

Die COVID-19-Pandemie unterbrach ab 2020 Routineimpfungen weltweit. Geschlossene Gesundheitszentren, ausgefallene mobile Impfteams und die Umlenkung von Kapazitäten auf die Pandemiebekämpfung sorgten dafür, dass Millionen Kinder ihre grundlegenden Säuglingsimpfungen nicht erhielten. Bis 2021 war die weltweite Erstimpfrate gegen Masern auf 81 Prozent gesunken, das niedrigste Niveau seit 2008.

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Die Folgen sind messbar. 2024 registrierte die WHO weltweit rund 11 Millionen Maserninfektionen, knapp 800.000 mehr als im letzten Jahr vor der Pandemie. In 59 Ländern wurden große Ausbrüche gemeldet, fast dreimal so viele wie 2021. Rund 95.000 Menschen, überwiegend Kinder unter fünf Jahren, starben 2024 an Masern. Ein Viertel der Ausbrüche betraf Länder, die bereits als masernfrei galten, darunter Kanada und die USA.

Die 36 am Big Catch-Up beteiligten Länder in Afrika und Asien beherbergen zusammen 60 Prozent aller Zero-Dose-Kinder weltweit. Das sind Kinder, die nicht nur einzelne Impfungen verpasst haben, sondern die nie in einem Gesundheitssystem registriert wurden.

Was das Programm konkret erreicht hat

Der Big Catch-Up startete im April 2023 während der World Immunization Week und lief bis zum 31. März 2026. Das Programm zielte auf Kinder zwischen einem und fünf Jahren, also jene Altersgruppe, bei der versäumte Säuglingsimpfungen noch innerhalb eines vertretbaren Zeitraums nachgeholt werden können.

Laut WHO-Abschlussbericht vom 24. April 2026 wurden 12,3 Millionen Kinder zum ersten Mal geimpft, darunter Masern-, Polio- und weitere Basisimpfungen. Daneben verabreichten die Gesundheitsteams 23 Millionen Dosen des inaktivierten Polioimpfstoffs an bisher ungeimpfte oder unzureichend geimpfte Kinder, eine direkte Intervention für das Ziel der globalen Polioausrottung.

Zwei Länder stechen in der WHO-Bilanz besonders heraus. In Äthiopien wurden 2,5 Millionen Zero-Dose-Kinder erstmals mit dem Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten-Impfstoff DTP1 erreicht; daneben gingen fast fünf Millionen Polioimpfstoffdosen und mehr als vier Millionen Masernimpfdosen in das Land. Nigeria holte zwei Millionen Zero-Dose-Kinder in das Impfsystem und verabreichte 3,4 Millionen Polioimpfstoffdosen.

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Das selbst gesetzte Ziel des Programms lag bei 21 Millionen Kindern. Erreicht wurden 18,3 Millionen, eine Abdeckungsquote von etwa 87 Prozent. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte in der Pressemitteilung, der Big Catch-Up habe geholfen, eine der schwerwiegendsten Folgen der Pandemie rückgängig zu machen. Gavi-Chefin Sania Nishtar nannte es die größte internationale Anstrengung aller Zeiten, um versäumten Kindern lebensrettende Impfungen zu bringen.

Impfprogramme als Jahrhundertinvestitionen

Der Big Catch-Up steht in einer langen Geschichte von Programmen, die mit systematischer Impfung globale Gesundheitsprobleme überwunden haben. Polio ist das augenfälligste Beispiel: 1988 lähmte das Virus nach Angaben der Global Polio Eradication Initiative noch rund 350.000 Kinder pro Jahr. Heute gilt das Virus als in weiten Teilen der Welt eliminiert, der Rückgang von mehr als 99 Prozent ist das Ergebnis konsequenter Impfkampagnen über Jahrzehnte, auch in Regionen mit schwacher Gesundheitsinfrastruktur.

Bei Masern zeigt sich das Muster ebenfalls deutlich. Zwischen 2000 und 2024 sanken die masernbedingten Todesfälle nach WHO-Daten um 88 Prozent, obwohl die Weltbevölkerung in diesem Zeitraum stark wuchs. Trotz mehr Menschen und mehr potenziell Infizierbarer starben deutlich weniger. Dieser Rückgang ist fast vollständig auf bessere Impfabdeckung zurückzuführen.

Der entscheidende Unterschied zum Big Catch-Up liegt darin, dass Polioprogramme und Masernprogramme auf soliden Routineimpfsystemen aufbauen konnten, die der Big Catch-Up erst teilweise reparieren musste. Genau das bleibt die offene Aufgabe.

30 Millionen Kinder noch ungeschützt

Der Abschluss des Big Catch-Up schließt keine Lücke vollständig. WHO und UNICEF weisen in ihrer Bilanz ausdrücklich darauf hin, dass Nachholimpfungen kein Ersatz für funktionierende Routineimpfprogramme sind. 2024 wurden noch 14,3 Millionen Säuglinge weltweit ohne eine einzige Routineimpfung geboren, ein Rückgang gegenüber dem Pandemiehoch, aber weit von der Situation vor 2020 entfernt. Insgesamt 30 Millionen Kinder gelten als unzureichend gegen Masern geschützt.

Die WHO hat angekündigt, den Fokus künftig auf die dauerhafte Stärkung nationaler Impfsysteme zu legen. Konkret laufen Verhandlungen über Anschlussfinanzierung für die Gesundheitssysteme in den 12 Ländern, die laut WHO-Bericht mehr als 60 Prozent ihrer Zero-Dose-Kinder durch den Big Catch-Up erreichten, darunter Burkina Faso, Äthiopien, Niger, Pakistan und Somalia. Das Programm hat gezeigt, was möglich ist, wenn internationale Koordination und ausreichende Mittel zusammenkommen. Ob die Ergebnisse dauerhaft Bestand haben, entscheidet sich in den nächsten Jahren auf der Ebene nationaler Gesundheitssysteme.

Quellen (8)

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