Haalands Erdbeben und Kongos WM-Geschichte
Als Erling Haaland in der 29. Minute gegen den Irak traf und die Fans in ganz Norwegen gleichzeitig von den Stühlen sprangen, zeichneten die Seismografen in Bergen einen messbaren Ausschlag auf. Beim zweiten Tor in der 43. Minute wiederholte sich das Muster. Das Norwegische Institut für Seismologie und Geodynamik, Norsar, bestätigte nach dem Spiel: Die Geräte hatten bei Haalands Toren die stärksten Signale des Abends erfasst. Norwegen kehrte nach 28 Jahren zurück zur Weltmeisterschaft und diesmal zitterte der Boden buchstäblich mit.
Norwegen gegen Irak: 4:1 mit seismografischem Protokoll
Am 17. Juni gewann Norwegen im Gillette Stadium bei Boston mit 4:1 gegen den Irak. Haaland erzielte die ersten beiden Treffer in der 29. und 43. Minute. Es waren sein 56. und 57. Länderspieltor im 51. Einsatz für die Nationalmannschaft. Ostigard und Thorstvedt erzielten die weiteren Treffer für Norwegen. Hussain traf für den Irak zum zwischenzeitlichen Anschlusstreffer.
Norwegen hatte zuvor 28 Jahre lang kein WM-Turnier erreicht. Das letzte Gruppenspiel in der WM-Geschichte der Mannschaft fand 1998 in Frankreich statt, als Norwegen nach dem Achtelfinaleinzug gegen Italien ausschied. Haaland war damals noch nicht geboren.
Das Norsar-Institut legte nach dem Spiel eine ungewöhnliche Auswertung vor. Die Seismometer-Station in Bergen hatte während des gesamten Spiels Schwingungen aufgezeichnet. Die stärksten Ausschläge fielen exakt auf Haalands Tore in der 29. und 43. Minute. Leichtere Signale registrierten die Geräte beim Anstoß, bei den übrigen Treffern, bei der Gelben Karte gegen den irakischen Verteidiger Zaid Tahseen und beim Abpfiff. Die Erklärung des Instituts ist physikalisch präzise: „Wenn viele Menschen gleichzeitig auf große Sportereignisse reagieren, können ihre kombinierten Bewegungen Vibrationen im Boden erzeugen, die von empfindlichen Seismometern erfasst werden.” Die Bergener Station hatte damit nicht nur das Spielergebnis registriert, sondern auch die emotionale Dramaturgie des Abends.
In derselben Gruppe I hatte Frankreich am Vortag Senegal mit 3:1 besiegt. Frankreich und Norwegen gehen mit je drei Punkten in den zweiten Spieltag der Gruppe.
Kongos Kopfball und 52 Jahre Wartezeit
Seit dem Turnier 1974 in Deutschland hatte die Demokratische Republik Kongo kein WM-Turnier mehr bestritten. Damals noch unter dem Namen Zaire antretend, verlor die Mannschaft alle drei Gruppenspiele, darunter ein 0:9 gegen Jugoslawien. Beim Turnier 2026 in Nordamerika war die DR Kongo zum ersten Mal seit 52 Jahren wieder dabei, qualifiziert als Sieger des interkontinentalen Play-offs.
Am 17. Juni trafen Portugal und die DR Kongo im NRG Stadium in Houston aufeinander. João Neves brachte Portugal in der sechsten Minute in Führung. Für die nächsten 85 Minuten tat die DR Kongo das, was wenige erwartet hatten: Sie hielt dagegen. In der 45. Minute plus fünf Minuten schlug Arthur Masuaku eine kurze Ecke von der rechten Seite, Yoane Wissa stand am zweiten Pfosten völlig unbewacht und köpfte aus fünf Metern ins Netz. Es war das erste WM-Tor in der Geschichte des Landes.
Cristiano Ronaldo, mit 41 Jahren der älteste Spieler, der je in einer WM-Startelf stand, kam in der 68. und 73. Minute zu Abschlüssen in aussichtsreicher Position. Beide Male vergab er. Das 1:1 blieb und die DR Kongo sicherte sich nicht nur den ersten Punkt, sondern auch das erste Tor ihrer WM-Geschichte.
Kolumbien führt, Portugal unter Druck
Während Portugal in Houston mit einem Punkt abreiste, gewann Kolumbien im Parallelspiel 3:1 gegen Usbekistan. Das Ergebnis bedeutet nach Spieltag 1 in Gruppe K: Kolumbien führt mit drei Punkten, Portugal und die DR Kongo haben je einen Punkt, Usbekistan hat keinen.
Portugal galt vor dem Turnier als klarer Gruppenkandidat. Die Umkehrung ist noch überschaubar, aber spürbar: Kolumbien, angeführt von Luis Díaz aus der Qualifikation mit sieben Toren, hat den Druck auf die Selecao bereits nach dem ersten Spieltag erhöht. Ein weiterer Punktverlust würde das Kalkül grundlegend verändern.
Das Muster, das sich in den ersten Spieltagen der WM 2026 abzeichnet, ist konsistent: Traditionelle Favoriten kommen schwerer in Fahrt als erwartet. Brasilien kam gegen Marokko nicht über ein 1:1 hinaus. Portugal remisierte gegen die DR Kongo. Das erweiterte Feld mit 48 Teams bringt Mannschaften ins Turnier, die in früheren WM-Formaten nie die Chance gehabt hätten, auf diesem Niveau zu punkten.
Am 22. Juni gegen Senegal, am 23. gegen Usbekistan
Für Norwegen steht am 22. Juni das zweite Gruppenspiel gegen Senegal an. Frankreich trifft gleichzeitig auf den Irak. Das Rennen um den Gruppenspitzenplatz bleibt offen. Haaland und Norwegen haben nach dem Auftaktsieg die günstigste Ausgangslage seit dem WM-Aus 1998.
Portugal reist am 23. Juni erneut nach Houston, diesmal gegen Usbekistan. Die DR Kongo trifft am selben Tag auf Kolumbien. Für das zentralafrikanische Team wäre ein weiterer Punkt eine Sensation. Für Portugal ist der Sieg gegen Usbekistan rechnerisch noch kein Muss, faktisch aber eine Pflicht, wenn der Einzug in die K.-o.-Runde nicht zum Stresstest werden soll.
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