Andy Burnham: Siebter britischer Premier in zehn Jahren
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Andy Burnham: Siebter britischer Premier in zehn Jahren

Andy Burnham wurde am 20. Juli 2026 als britischer Premierminister vereidigt und löst Keir Starmer ab, der nach Wahlniederlagen und dem Mandelson-Skandal zurücktrat. Mit überraschenden Kabinettsbesetzungen und einer Steuersenkung auf Strom markiert Burnham einen klaren Bruch mit seinem Vorgänger.

22. Juli 2026, 16:39 Uhr 757 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Mit Andy Burnham hat Großbritannien am 20. Juli 2026 seinen 59. Premierminister bekommen, den siebten binnen zehn Jahren. Noch am Tag seiner Ernennung bezeichnete US-Präsident Donald Trump Großbritannien auf Truth Social als "Poverty Stricken Disaster", ein armutsgeprägtes Katastrophenland. Burnham antwortete nicht mit einer Pressekonferenz, sondern mit einer konkreten Maßnahme: Die Mehrwertsteuer auf Haushaltsstrom sinkt ab 1. Oktober von fünf auf null Prozent, zunächst für sechs Monate.

Wie Starmer stolperte und Burnham aufstieg

Die Geschichte von Burnhams Amtsantritt beginnt im Mai 2026, als Labour bei den britischen Kommunalwahlen schwere Verluste einsteckte. Die Reformpartei Reform UK unter Nigel Farage gewann massiv hinzu, während viele Labour-Wähler zu Hause blieben. Gleichzeitig belastete der sogenannte Mandelson-Skandal die Regierung: Premierminister Keir Starmer hatte Peter Mandelson als Botschafter nach Washington ernannt, obwohl dessen Verbindungen zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bekannt waren. Nach der Veröffentlichung der sogenannten Epstein-Akten Anfang 2026 forderten mehr als hundert Labour-Abgeordnete Starmers Rücktritt.

Den entscheidenden Schlag lieferte Burnham selbst. Am 18. Juni 2026 gewann er mit 54,8 Prozent die Nachwahl in Makerfield und kehrte damit erstmals seit 2017 ins Unterhaus zurück. Er hatte den Wahlkreis gezielt gewählt, weil er von dort aus formal eine Führungsabstimmung erzwingen konnte, wenn er 81 Abgeordnete hinter sich versammelte. Starmer zog vier Tage später, am 22. Juni 2026, die Konsequenzen und trat zurück. Burnham gewann die anschließende Führungswahl ohne Gegenkandidaten.

Burnham, 56, war seit 2017 Bürgermeister von Greater Manchester gewesen, wo er als "King of the North" zu einer der bekanntesten Figuren der britischen Regionalpolitik geworden war. Während Starmer für seinen Westminster-Technokratenstil bekannt war, steht Burnham für ein Regieren, das Entscheidungen näher an die Kommunen bringen will.

Das Kabinett der Überraschungen

Die größte Überraschung des neuen Kabinetts war die Besetzung des Finanzministeriums. Als Schatzkanzler gilt üblicherweise ein wirtschaftspolitisches Schwergewicht. Burnham wählte John Healey, den bisherigen Verteidigungsminister, der erst wenige Wochen zuvor aus dem Starmer-Kabinett zurückgetreten war, weil er die Militärfinanzierung als unzureichend betrachtete. Die meisten Beobachter hatten Shabana Mahmood oder Ed Miliband auf diesem Posten erwartet. Miliband wurde stattdessen Außenminister, Mahmood bleibt Innenministerin.

Healeys Ernennung war für die Finanzmärkte zunächst ein Unsicherheitsfaktor. Der neue Kanzler ist kein klassischer Haushaltspolitiker, sondern ein Pragmatiker, der in der öffentlichen Diskussion eher für Ausgabenbereitschaft bekannt ist. Investoren reagierten nervös auf den Wechsel, wie CNBC berichtete: Die Renditen britischer Staatsanleihen stiegen kurz nach Bekanntgabe des Kabinetts.

Zu den Verliererinnen des Personalwechsels gehört Rachel Reeves, die erste Frau im Amt der Schatzkanzlerin, die von Burnham entlassen wurde. Ebenfalls aus dem Kabinett verabschiedet wurden David Lammy, Darren Jones, Peter Kyle und Steve Reed, allesamt enge Vertraute Starmers. Als faktische Vizeregierungschefin amtiert Louise Haigh, Burnhams langjährige Verbündete, als First Secretary of State. Angela Rayner, die unter Starmer noch Vizeregierungschefin war, übernahm das Wohnungsministerium, eine deutliche Degradierung.

Zwischen EU-Annäherung und Trump

Das erste inhaltliche Signal von Burnhams Regierung ist innenpolitisch. Die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Haushaltsstrom ab Oktober wird laut ITV News durch die Streichung von Starmers geplantem digitalem Identitätsprogramm finanziert, das Pflichtprüfungen für Arbeitnehmer als Teil der Einwanderungskontrolle vorsah. Die Entscheidung, ausgerechnet dieses Programm zu streichen, ist auch symbolisch: Burnham grenzt sich damit klar von Starmers Fokus auf Einwanderungskontrolle ab.

Gegenüber der EU positionierte sich Burnham als entschieden proeuropäisch. Er wolle die Beziehungen zur EU "noch enger" gestalten und das EU-Sicherheitsabkommen, das Starmer verhandelt hatte, von einer Absichtserklärung in einen verbindlichen Vertrag umwandeln. Das würde Großbritannien Beobachterstatus im EU-Außenministerrat für Verteidigungsfragen geben. Sektorale Mobilitätsprogramme für NHS-Personal und die Digitalwirtschaft sind nach Einschätzung des Think-Tanks UK in a Changing Europe das Konkreteste, was Burnham in dieser Wahlperiode realisieren kann.

Das Verhältnis zu Trump bleibt gespannt. Zwar verlief das erste Telefonat laut Trump "sehr gut", die Themen Militärbündnis und Minenräumung in der Straße von Hormus waren besprochen worden. Trumps Einschätzung des Landes als "Poverty Stricken Disaster" ließ er aber stehen. Außenpolitische Erfahrung hatte Burnham kaum, als er das Amt übernahm. Das Council on Foreign Relations wies darauf hin, dass er seinen außenpolitischen Lernkurs direkt im Amt absolvieren muss.

Der Herbst-Haushalt als erste Bewährungsprobe

Burnhams Regierung steht vor einer strukturellen Herausforderung: Die Steuersenkung auf Strom greift erst ab Oktober, die Gegenfinanzierung muss aber bereits im Herbst-Budget stehen. John Healey muss dem Unterhaus im Herbst-Budget darlegen, wie die Differenz dauerhaft gegenfinanziert werden soll. Das ist auch deshalb heikel, weil Großbritannien bereits unter Starmer mit erhöhten Schuldenkosten zu kämpfen hatte.

Burnham hat in Manchester bewiesen, dass sein Stil auf kommunaler Ebene funktioniert. Ob er national trägt, ist offen. Die Frage ist nicht neu: Jeder der sechs Vorgänger seit David Cameron hatte beim Amtsantritt einen Neustart versprochen. Der siebte Premier in einer Dekade kann dieses Versprechen schwerlich allein mit Worten einlösen.

Quellen (18)

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