Bandicoot-Rettung: 100 Tiere frei auf Phillip Island
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Bandicoot-Rettung: 100 Tiere frei auf Phillip Island

Im April 2026 wurden 100 östliche Bandicoots auf Phillip Island bei Melbourne freigelassen, die größte Einzelauswilderung dieser Art in Australiens Geschichte. Die Tiere galten seit 1991 als in freier Wildbahn ausgestorben. Ein genetisches Rettungsprogramm hat sie zurückgebracht.

26. Juli 2026, 9:03 Uhr 762 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Auf einem Müllabladeplatz im australischen Hamilton entdeckten Zoologen in den späten 1980er Jahren die letzten 60 östlichen Bandicoots auf dem Festland. Die kleinen Beuteltiere hatten auf dem eingezäunten Platz überlebt, zufällig fuchsfrei. 1991 galten sie als in freier Wildbahn ausgestorben. Im April 2026 wurden 100 ihrer Nachkommen auf Phillip Island freigelassen, nach einem 40-jährigen Rettungsprogramm, das die Tiere genetisch neu aufgestellt hat.

1988: Sechzig Überlebende auf einem Müllabladeplatz

Der östliche Bandicoot, wissenschaftlich Perameles gunnii, lebte einst in weiten Teilen des australischen Bundesstaats Victoria und in Tasmanien. Auf dem Festland wurde die Art durch zwei Faktoren dezimiert: Lebensraumverlust durch Landwirtschaft und Fuchsprädation. Der Rotfuchs, 1855 für die Fuchsjagd nach Australien eingeführt, fraß sich durch die kleinen Beuteltiere, die evolutionär keine Erfahrung mit solchen Raubtieren hatten.

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Im späten 20. Jahrhundert sank die Population auf unter 100 Tiere. Als Zoologen nach den letzten Exemplaren suchten, fanden sie nicht im Busch, sondern auf dem Müllabladeplatz der Stadt Hamilton in Victoria: etwa 60 Tiere, die dort lebten, weil der Platz durch Einzäunungen zufällig fuchsfrei war. 1991 erklärten australische Behörden die Art für das Festland als in freier Wildbahn ausgestorben. Danach begann ein jahrelanges Zuchtprogramm von Zoos Victoria.

Das genetische Problem: Inzucht und kaputte Kiefer

Die wenigen geretteten Tiere wurden in Zoos und Schutzgehegen gezüchtet. Mit kleinen Gründerpopulationen tritt unweigerlich Inzucht auf. Bei den Bandicoots manifestierte sie sich in einem typischen Defekt: dem sogenannten Undershot Jaw, einem nach vorne verschobenen Unterkiefer, der verhindert, dass die Tiere effizient graben und fressen können. In der Wildnis wäre das tödlich.

Wenn eine Population genetisch zu eng ist, sinkt nicht nur die genetische Vielfalt, sondern auch die Fitness: Tiere werden kleiner, weniger reproduktiv und anfälliger für Krankheiten. Das Gegenmittel heißt genetische Rettung: das Einkreuzen von Individuen aus einer anderen, genetisch isolierten Population, um schädliche rezessive Allele zu verdünnen und die Fitness zu steigern. In der Artenschutzpraxis ist dieses Verfahren bekannt, aber selten erfolgreich genug, um eine als ausgestorben geltende Art zurückzubringen.

2017: Genetischer Neustart mit tasmanischen Verwandten

Tasmanien, seit mehr als 10.000 Jahren durch die Bass Strait vom australischen Festland getrennt, hatte eine eigenständige Bandicoot-Population entwickelt. Tasmanische Exemplare trugen Gene, die der inzuchtgeplagten Festlandslinie fehlten. 2017 begann das Odonata Foundation und Cesar Australia Team, beide Linien gezielt miteinander zu kreuzen. Das Ergebnis, nach Angaben der Odonata Foundation, war eine Population, die von unter 50 Tieren auf rund 3.000 Individuen in kontrollierten Schutzprogrammen anwuchs. Die Tiere waren größer, mit verbesserten Sexualverhältnissen und deutlich seltenerem Undershot Jaw.

Im September 2021, 33 Jahre nach dem ersten Einfangen in Hamilton, änderten australische Behörden den formalen Status: von „Ausgestorben in freier Wildbahn“ auf „Gefährdet“. In der Artenschutzbiologie ist eine solche Rückstufung selten. Heute leben rund 2.000 Tiere in sicheren Schutzgehegen auf dem Festland und auf zwei Inseln.

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April 2026: Die bisher größte Auswilderung

Phillip Island wurde gewählt, weil die Insel seit Jahrzehnten systematisch fuchsfrei gehalten wird. Im April 2026 wurden 100 Bandicoots freigelassen, finanziert von Amazons Right Now Climate Fund mit 2,5 Millionen australischen Dollar (rund 1,5 Millionen Euro). Das Ziel des Recovery Teams: in drei Jahren mindestens 500 Tiere an fünf oder mehr Standorten zu etablieren.

Im Vergleich: Artenschutzerfolge ähnlicher Dimension

Was am Bandicoot bemerkenswert ist: Die Kombination aus „in freier Wildbahn ausgestorben“ und erfolgreicher Wiederauswilderung ist in der Artenschutzbiologie selten. Ein vergleichbarer Fall ist der Iberische Luchs. 2001 lebten nur noch 62 ausgewachsene Tiere in Spanien und Portugal. Durch intensive Schutzprogramme, Fütterungsmaßnahmen und Auswilderungen wuchs die Population auf 2.401 Tiere bis 2024 und 2.663 bis Ende 2025. 2024 stufte die IUCN den Iberischen Luchs erstmals von „stark gefährdet“ auf „gefährdet“ zurück.

Ein weiterer Vergleichsfall ist der Kalifornische Kondor. 1987 wurde das letzte wildlebende Exemplar eingefangen, womit alle verbliebenen 27 Kondore in Gefangenschaft lebten. In Zoos gezüchtet, wurden sie ab 1992 schrittweise freigelassen. Heute leben mehr als 500 Kondore, davon über 300 in freier Wildbahn. Auch dieser Fall kombiniert knappe Gründerpopulation, konsequentes Zuchtprogramm und schrittweise Auswilderung. Der Bandicoot folgt demselben Grundmuster, ergänzt um den Schritt der genetischen Rettung.

Was die Herde auf Phillip Island noch bedroht

Der unmittelbarste Risikofaktor ist dokumentiert: Im Zeitraum von zwölf Monaten bis Januar 2026 wurden 17 Bandicoots allein auf der Cowes-Rhyll-Straße auf Phillip Island als Verkehrsopfer registriert. Das ist signifikant bei einer Gesamtpopulation, die sich noch im Aufbau befindet. Geschwindigkeitsbeschränkungen und Wildbrücken sind diskutiert, aber noch nicht umgesetzt.

Mittelfristig bleibt die genetische Engstelle das strukturelle Problem. Die genetische Rettung kombinierte nur zwei Linien. Die Vielfalt ist höher als vor dem Programm, aber noch weit von dem entfernt, was eine wild lebende Population über Jahrhunderte aufgebaut hätte. Das Odonata Foundation Team überwacht die Population genetisch weiter und entscheidet über zukünftige Transfertiere.

Der langfristige Erfolg hängt auch davon ab, ob die Verbreitung auf weitere fuchsfreie Gebiete gelingt. Phillip Island ist ein Schutzraum. Das Festland, wo die Art einst heimisch war, bleibt durch Füchse besetzt. Ohne Kontrolle dieser Raubtierpopulationen ist eine Rückkehr auf das Festland mittelfristig nicht möglich.

Quellen (8)

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