
Taifun Maysak: 159 Tote und sechs Wochen Schweigen
Quellen (8)
- South China Morning Postscmp.com
- South China Morning Post – Dammbruchscmp.com
- Al Jazeeraaljazeera.com
- KTLA / APktla.com
- Washington Postwashingtonpost.com
- Asharq Al-Awsatenglish.aawsat.com
- Free Malaysia Todayfreemalaysiatoday.com
- Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
Sechs Wochen lang schwieg China zur Opferbilanz von Taifun Maysak. Dann, am 21. August 2026, korrigierte Peking die Zahl auf 159 Tote und 10 Vermisste. Die ursprüngliche Meldung hatte 39 Todesopfer verzeichnet. Was zwischen diesen Zahlen liegt, ist nicht nur ein statistisches Problem: Die Dammbrüche am Liulan- und Yunbiao-Stausee in Nanning, die 107 Menschenleben kosteten, waren die eigentliche Katastrophe innerhalb der Katastrophe.
Dammbrüche als Hauptursache
Taifun Maysak landete am 3. Juli auf der südchinesischen Insel Hainan und traf am 4. Juli zum zweiten Mal auf Land, diesmal im Grenzgebiet der Autonomen Region Guangxi und Vietnam. Starke Winde und außergewöhnliche Regenfälle folgten. Zwei Tage nach dem zweiten Landfall, am 6. Juli gegen 11 Uhr, kollabierten der Liulan-Stausee und der Yunbiao-Stausee in Hengzhou östlich von Nanning. Die Wassermassen ergossen sich in tiefer gelegene Stadtgebiete.
Von den 136 Todesopfern in Nanning sind 107 direkt auf Dammbrüche zurückzuführen, wie Behörden bei Pressekonferenzen in Nanning und Guigang mitteilten. Weitere 23 Menschen kamen in der Stadt Guigang ums Leben, 10 Personen gelten noch als vermisst. In Nanning waren 90 Gemeinden betroffen, 23.300 Menschen wurden evakuiert. In Guigang waren es 20 Gemeinden und 20.500 Evakuierte.
Ausmaß der Überschwemmungen
Die Regenfälle, die Maysak in die Region brachte, übertrafen regionale Vergleichswerte erheblich. In den am stärksten betroffenen Gebieten fielen mehr als 90 Zentimeter Niederschlag, in anderen Teilen Guangxis zwischen 10 und 40 Zentimeter. Insgesamt waren mehr als 1,65 Millionen Menschen betroffen. Rund 130.000 Menschen wurden aus Risikogebieten evakuiert, Drohnen und Tausende Boote kamen im Rettungseinsatz zum Einsatz.
Chinas Behörden stuften die Katastrophenreaktion in Guangxi auf Notfallstufe I hoch, die höchste Alarmstufe im chinesischen System. Das Finanz- und das Notfallmanagementministerium stellten vorab 160 Millionen Yuan Nothilfe, umgerechnet rund 23,5 Millionen US-Dollar, für Guangxi und fünf weitere betroffene Provinzen bereit. Die grenzüberschreitende Bahnstrecke zwischen Guangxi und Vietnam wurde unterbrochen. Im Zoo der Stadt Guigang flohen rund 100 Tiere, darunter Alpakas und Zebras, aus beschädigten Gehegen.
Sechs Wochen ohne Update
Der analytisch wichtigere Befund betrifft nicht die Stärke des Taifuns, sondern die Informationspolitik danach: Zwischen dem letzten offiziellen Update am 9. Juli und der Korrektur auf 159 Tote am 21. August vergingen mehr als sechs Wochen, ohne dass Staatsmedien eine Zwischenmeldung zur Opferzahl veröffentlichten. Die Nachrichtenagentur AP und die Washington Post bezeichnen das explizit als erste Aktualisierung in diesem Zeitraum.
Chinas Praxis bei Katastrophenopferzahlen steht seit Jahren unter Beobachtung. Bei den Überschwemmungen im Juli 2021 in Zhengzhou, bei denen später knapp 400 Menschen als Todesopfer erfasst wurden, veröffentlichten Behörden die vollständige Bilanz erst Monate nach dem Ereignis. Was die Intransparenz bei Maysak besonders aufwirft: Es gab einen verifizierten Dammbruch, der als Massenereignis unmittelbar nach dem 9. Juli hätte statistisch erfasst werden können. Warum 107 Todesopfer eines räumlich klar lokalisierten Ereignisses sechs Wochen gebraucht haben, um in die Staatsmedienbilanz zu gelangen, haben die Behörden in Nanning und Guigang nicht erläutert.
Das macht die Ereignisrekonstruktion schwierig. Wurden Menschen, die erst Wochen nach dem Unglück an Verletzungen starben, nachträglich eingerechnet? Handelte es sich um Todesopfer aus abgeschnittenen, zunächst nicht zugänglichen Ortschaften? Keine dieser Erklärungen wurde offiziell angeboten.
Guangxi plant Wiederaufbau binnen Jahresfrist
Nanning und Guigang haben angekündigt, beschädigte Infrastruktur innerhalb eines Jahres wiederherzustellen, mit verbessertem Hochwasserschutz. Welche konkreten Defizite am Liulan-Stausee vor dem Kollaps bekannt waren und ob frühere Inspektionen Mängel dokumentierten, nach öffentlich zugänglicher Aktenlage nicht bestätigt.
Maysak trifft China in einem meteorologisch schwierigen Jahr: Mehrere Provinzen verzeichneten in den vergangenen Monaten Rekordniederschläge, Pegelstände diverser Flüsse übertrafen historische Höchstwerte. Klimaforscher weisen darauf hin, dass die Intensität tropischer Wirbelstürme im Westpazifik mit steigenden Meerestemperaturen zunimmt. Die Frage nach den 159 Toten und den sechs Wochen Schweigen gehört jedoch in einen anderen Zusammenhang: Sie ist eine Frage staatlicher Kommunikation nach Katastrophen, nicht der Meteorologie.
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