108 Gigawatt: Batteriespeicher brechen historischen Rekord
107 Gigawatt Gaskraftwerke wurden 2002 weltweit in einem einzigen Jahr gebaut. Dieser Wert galt zwei Jahrzehnte lang als unerreichter Zubaurekord für eine einzelne Stromerzeugungstechnologie. Im vergangenen Jahr wurde er gebrochen. Die Internationale Energieagentur (IEA) meldet im Global Energy Review 2026, dass Energieversorger weltweit 108 Gigawatt Batteriespeicher installiert haben. Das sind 40 Prozent mehr als 2024 und der erste Jahreswert über 100 Gigawatt in der Geschichte der stationären Energiespeicherung.
Elfmal so viel wie 2021
Die Wachstumskurve der vergangenen vier Jahre ist historisch beispiellos. 2021 betrug die weltweit installierte Stationärspeicherkapazität rund 37 Gigawatt. Die IEA beziffert den Stand Ende 2025 auf mehr als das Elffache davon. Keine andere Energietechnologie hat in diesem Zeitraum eine ähnliche Skalierungsrate verzeichnet. Laut IEA ist Batteriespeicherung die am schnellsten wachsende Energietechnologie der Welt.

Der Grund liegt in der Logik erneuerbarer Energien. Solaranlagen liefern mittags Spitzenmengen, der Verbrauch ist morgens und abends am höchsten. Windräder produzieren nachts oft mehr als tagsüber. Batteriespeicher puffern diese zeitlichen Verschiebungen und können innerhalb von Millisekunden Strom ins Netz einspeisen oder aufnehmen. Diese Reaktionsgeschwindigkeit erreicht kein Gaskraftwerk. Für die Frequenzstabilisierung moderner Stromnetze, die zunehmend mehr Flatterstrom aufnehmen, wird sie unentbehrlich.
China, LFP-Technologie und sinkende Preise
Rund 60 Prozent der globalen Neuinstallationen entfielen 2025 auf China: mehr als 63 Gigawatt, ein Drittel mehr als China noch 2024 installiert hatte. Nach China folgen die USA und Europa. Die IEA verzeichnet außerdem starkes Wachstum in Australien und im Nahen Osten, wo Stationärspeicher zunehmend als Kernbaustein für Versorgungssicherheit gelten.
Die dominierende Technologie sind Lithium-Eisenphosphat-Akkus (LFP). Sie machen laut IEA rund 90 Prozent aller neuen Stationärspeicher aus. LFP-Zellen sind chemisch stabiler als energiedichtere Alternativen, vertragen häufiges Laden und Entladen besser und sind günstiger herzustellen. BloombergNEF bezifferte in der Jahreserhebung 2025 den durchschnittlichen Preis für Lithium-Ionen-Batterien auf 108 US-Dollar pro Kilowattstunde. Stationäre Speicher sind dabei erstmals das günstigste Segment aller Batterietypen geworden.
Rund 80 Prozent des Zubaus entfiel auf Großanlagen im Kraftwerksmaßstab. Das sind keine Heimspeicher, sondern Anlagen mit Kapazitäten von mehreren Gigawattstunden, die direkt ins Verbundnetz einspeisen und Aufgaben übernehmen, für die Netzbetreiber früher Reservekraftwerke vorhalten mussten.
Im Vergleich: Gas, Solar und der Lernkurveneffekt
Energieökonomen beobachten bei Batteriespeichern eine Preisdynamik, die an den Weg der Solarenergie erinnert. Solarmodule kosteten 1976 rund 100 US-Dollar pro Watt. Heute liegen die Kosten unter 0,30 US-Dollar, ein Rückgang von mehr als 99 Prozent in fünf Jahrzehnten. Lithium-Ionen-Batteriepreise lagen 2010 noch bei über 1.000 US-Dollar pro Kilowattstunde. Bis 2025 sind sie auf 108 US-Dollar gesunken. Die Lernkurve ist steil und zeigt weiterhin nach unten.

2025 wurden weltweit rund 605 Gigawatt neue Solarkapazität installiert, laut IEA-Daten. Der Stationärspeicher-Zubau von 108 Gigawatt entspricht damit 18 Prozent des gleichzeitigen Solarausbaus. Noch vor fünf Jahren war dieser Anteil kaum messbar. Batteriespeicher holen auf.
Der historische Vergleich mit Gas zeigt auch eine Warnung. Der Gaszubaurekord von 2002 entstand nach der Liberalisierung der Strommärkte. Danach brach der Neubau ein und erholte sich nicht dauerhaft. Batteriespeicher folgen dem gegenteiligen Muster: Jedes Jahr überbietet das vorherige.
Wenn Preise weiter fallen: Das Jahrzehnt der Stationärspeicher
Lithium-Ionen-Systeme sind typischerweise für Speicherdauern von zwei bis vier Stunden ausgelegt. Sie stabilisieren Tagesschwankungen, können aber keine saisonalen Ungleichgewichte ausgleichen. Für die Speicherung von sommerlichem Solarüberschuss bis in den Winter braucht es Langzeitspeicher. Flow-Batterien, Druckluftspeicher und Power-to-Gas-Systeme befinden sich noch in frühen Phasen der Kommerzialisierung. Global Market Insights schätzt den Markt für Langzeitspeicher bis 2035 auf knapp 9,5 Milliarden US-Dollar, doch echte Skaleneffekte sind noch nicht in Sicht.
Hinzu kommt die Frage der Lieferketten. Der Großteil der weltweit verwendeten LFP-Zellen wird in China produziert. Die Europäische Kommission hat Batterietechnologie als strategisch kritisch eingestuft und fördert über die EU-Batterieverordnung und Investitionsprogramme den Aufbau europäischer Produktionskapazitäten. Ob Europa rechtzeitig eigene Produktionsstätten aufbaut, ist eine offene Frage, die Netzbetreiber und Versorgungspolitiker gleichermaßen beschäftigt.
Für die Energiewende ist der Trend dennoch eindeutig. Netze, die bislang fossile Kraftwerke als Puffer benötigten, können schrittweise auf Batteriespeicher umstellen. Mit sinkenden Preisen und wachsenden Kapazitäten wird das nicht mehr eine Frage des Ob sein, sondern des Wann.
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