Donau auf 30-Jahres-Tief: Cernavodă-Reaktor abgeschaltet
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Donau auf 30-Jahres-Tief: Cernavodă-Reaktor abgeschaltet

Rumäniens Kernkraftwerk Cernavodă schaltete am 28. Juli 2026 seinen ersten Reaktorblock ab, weil die Donau auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren gefallen ist. Der Reaktor braucht Flusswasser zur Kühlung. Bei weiterem Rückgang könnte auch Block 2 folgen, der zusammen mit Block 1 rund 20 Prozent des rumänischen Stroms liefert.

28. Juli 2026, 18:44 Uhr 754 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Am Morgen des 28. Juli 2026 schaltete Rumänien seinen ersten Reaktorblock in Cernavodă in einem kontrollierten Verfahren ab und trennte ihn vom nationalen Stromnetz. Kein Defekt, kein Sicherheitsvorfall: Der Grund ist der niedrigste Donau-Wasserpegel seit mindestens 30 Jahren. Das Kernkraftwerk Cernavodă braucht Flusswasser zur Kühlung und die Donau hat zu wenig davon. Wenn der Pegel weiter fällt, könnte auch Block 2 folgen.

Warum ein Reaktor Flusswasser braucht

Kernkraftwerke erzeugen Strom durch Spaltung von Uran, die immense Wärme freisetzt. Diese Wärme wird in Dampf umgewandelt, der Turbinen antreibt. Was übrig bleibt, ist Abwärme, die abgeführt werden muss. In Cernavodă geschieht das über die Donau: Das Kraftwerk entnimmt Flusswasser, nutzt es als Kühlmedium und gibt es mit leicht erhöhter Temperatur zurück.

Dafür gelten technische Mindestmengen. Die staatliche Betreiberin Nuclearelectrica hat diese Grenzwerte in ihren Betriebsvorschriften für Dürresituationen verankert. Am 28. Juli maß der Durchfluss der Donau bei Cernavodă rund 1.630 Kubikmeter pro Sekunde. Das liegt unter dem Wert, den Block 1 für einen sicheren Betrieb benötigt. Nuclearelectrica hielt sich an seine Verfahren und schaltete ab. Die Sicherheitsbehörden bestätigen: Es gibt kein Nuklearsicherheitsproblem, die Abschaltung war planmäßig und geordnet.

Cernavodă betreibt zwei Blöcke vom Typ CANDU, eine kanadische Reaktorbauform, die auch im Normalbetrieb moderaten Wasserverbrauch hat. Zusammen liefern beide Blöcke rund 20 Prozent des rumänischen Stroms. Block 1 ist seit dem frühen Morgen vom Netz. Block 2 arbeitet noch, steht aber unter Beobachtung. Falls der Donau-Pegel weiter fällt, gilt dieselbe Prozedur.

Wie die Donau auf ein 30-Jahres-Tief sank

Das ist kein plötzliches Ereignis. Die Donau hatte bereits am 16. Juli den niedrigsten Durchfluss seit drei Jahrzehnten erreicht. Seitdem sind die Pegel weiter gefallen. Ursache ist eine anhaltende Dürre, die mehrere Wochen ohne nennenswerte Niederschläge im Einzugsgebiet der Donau kombiniert: Alpen, Karpathen, pannonische Tiefebene, alle gleichzeitig trocken.

Nuclearelectrica und der Stromproduzent Hidroelectrica hatten bereits Wochen vor der Abschaltung reagiert. Hidroelectrica begann, kontrolliert Wasser aus Reservoirs an den Zuflüssen Olt und Argeș freizusetzen, um den Donau-Pegel bei Cernavodă oberhalb der kritischen Schwelle zu halten. Das reichte nicht aus.

Für Rumäniens Landwirtschaft und Binnenschifffahrt ist die Situation ohnehin bereits angespannt. Die Bewässerungsverbände in Dobrogea und der walachischen Tiefebene haben Restriktionen verhängt. Frachtkähne auf der Donau müssen ihre Ladung reduzieren, weil der Tiefgang bei den aktuellen Wasserständen riskant ist. Die Abschaltung des Reaktors kommt als neue Schicht über eine Krise, die bereits läuft.

Cernavodă ist nicht der erste Reaktor, den Dürre stoppt

Das Muster ist bekannt. Im Hitzesommer 2022 mussten französische Kernkraftwerke an Loire und Rhône ihre Leistung drosseln, weil die Flusswassertemperatur zu hoch war, um als Kühlmedium zu dienen. Im Jahr 2003 kam es zu ähnlichen Einschränkungen in Frankreich und Deutschland. Frankreichs Hitzewellenartikel aus diesem Juli zeigen, dass diese Spannung zwischen nuklearer Stromerzeugung und Wasserverfügbarkeit wieder aktuell ist.

Der Unterschied in Cernavodă: Es geht nicht um zu warmes Wasser, sondern um zu wenig. Die Donau führt so wenig Wasser, dass selbst die Kühlkreisläufe bei geringer Wärmelast nicht mehr ausreichend versorgt werden können. Das ist eine neue Kategorie von Klimastress für Kernkraftwerke, die ihre Kühlwasser aus Flüssen entnehmen.

Europas Kernkraftwerksflotte entnimmt Kühlwasser aus Rhein, Rhône, Loire, Isar, Donau und anderen Flüssen. Einige Anlagen haben Kühltürme, die unabhängiger von Flusswasser arbeiten. Cernavodă hat keinen solchen Kühlturm. Die Abhängigkeit vom Flusswasser ist dort direkt.

Wenn Block 2 folgt: Rumäniens Stromnetz unter Druck

Rumänien ist Teil des europäischen Verbundnetzes und kann Strom importieren. Das macht den Ausfall eines Blocks verkraftbar, solange er begrenzt bleibt. Was Nuclearelectrica derzeit besorgt: Der Wetterbericht für die nächsten zehn Tage zeigt kaum Niederschläge. Wenn die Donau weiter fällt und Block 2 ebenfalls abgeschaltet werden muss, verliert Rumänien auf einen Schlag 20 Prozent seiner Stromerzeugungskapazität.

In dem Szenario müsste das Land erhebliche Importmengen über Verbindungsleitungen aus Bulgarien, Serbien und Ungarn beziehen, die selbst unter Sommerlast stehen. Blackout-Risiken entstehen dabei nicht direkt, wohl aber Preisspitzen und eine Belastung des gesamten europäischen Übertragungsnetzes. Das rumänische Energieministerium hat erklärt, man beobachte die Situation stündlich und stehe mit europäischen Partnern in Kontakt.

Quellen (7)

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