Zypernwahl: Rechtsextreme auf Platz drei
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Zypernwahl: Rechtsextreme auf Platz drei

Bei der Parlamentswahl auf Zypern am 24. Mai 2026 gewann die konservative DISY mit 27,2 Prozent. Das eigentliche Signal war der Aufstieg von ELAM: Die Partei, die 2008 als Ableger der Neonazipartei Goldene Morgenröte gegründet wurde, verdoppelte ihre Sitze von vier auf acht und zog als drittstärkste Kraft ins Parlament ein. Zwei etablierte Altparteien scheiterten erstmals an der 3,6-Prozent-Hürde.

25. Mai 2026, 7:20 Uhr 803 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Die Parlamentswahl auf Zypern wirft eine Frage auf, die zuletzt 2020 in Griechenland dringend war: Wie geht eine Demokratie damit um, wenn eine Partei aus dem Milieu der Goldenen Morgenröte zur drittstärksten parlamentarischen Kraft aufsteigt? ELAM, 2008 als zyprischer Ableger der später in Griechenland verbotenen Neonazipartei gegründet, hat ihren Stimmenanteil bei der Wahl am 24. Mai 2026 von 6,8 auf 10,9 Prozent erhöht und zieht mit acht Sitzen ins Parlament ein. Die konservative DISY gewann die Wahl mit 27,2 Prozent, kann aber ohne komplexe Koalitionsverhandlungen keine stabile Mehrheit bilden.

Das Ergebnis im Überblick

Das Parlament Zyperns hat 56 Sitze. Nach der Wahl vom 24. Mai 2026 entfallen auf die Demokratische Rallye DISY 17 Sitze (27,2 Prozent). Die linksgerichtete AKEL kommt auf 16 Sitze (23,9 Prozent) und bildet die stärkste Oppositionsfraktion. ELAM folgt mit acht Sitzen (10,9 Prozent), DIKO mit ebenfalls acht Sitzen (10,0 Prozent). Zwei neue Kräfte ziehen erstmals ins Parlament ein: die Anti-Korruptions-Partei ALMA mit vier Sitzen (5,8 Prozent) und die Bewegung Direkte Demokratie von Fidias Panayiotou mit vier Sitzen (5,4 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag bei 66,4 Prozent.

Zwei Altparteien scheiterten an der 3,6-Prozent-Hürde: EDEK, die Sozialdemokraten, die dem zyprischen Parlament seit Jahrzehnten angehörten und DIPA. Für eine absolute Mehrheit sind 29 Sitze erforderlich. DISY-Spitzenkandidat Averof Neofytou hat eine Koalition mit ELAM öffentlich ausgeschlossen. Die einfachste Rechnung ohne ELAM wäre DISY plus DIKO plus ALMA, was genau 29 Sitze ergibt.

ELAM: Von der Goldenen Morgenröte zum dritten Rang

ELAM wurde 2008 in Nikosia mit direkten organisatorischen Verbindungen zur griechischen Goldenen Morgenröte gegründet. Diese wurde 2020 durch den Obersten Gerichtshof in Athen als kriminelle Vereinigung eingestuft und verboten, nachdem ein Mitglied 2013 den Rapper Pavlos Fyssas ermordet hatte. ELAM trennte sich 2020, noch im Jahr des Verbots, formal von ihr, übernahm jedoch inhaltlich viele ihrer Positionen: Das Parteiprogramm fordert Sozialleistungen ausschließlich für griechische Zyprioten, ein Verbot von Burka und Niqab sowie härtere Maßnahmen gegen irreguläre Migration. Zypern verzeichnete im Jahr 2026 bis Mai 4.784 irreguläre Einreisen, eine der höchsten Quoten pro Kopf in der Europäischen Union.

Die Partei entwickelte sich von einer Randgröße unterhalb der Parlamentsschwelle 2016 über vier Sitze 2021 auf nun acht Sitze 2026. Das 56-Sitze-Parlament bietet damit erstmals einer Partei mit Golden-Dawn-Erbe substantiellen Einfluss auf Gesetzgebung und Haushalt. Die AKEL, zweitstärkste Partei mit 16 Sitzen, bezeichnete die Abkopplung traditioneller Zentrumsparteien von ihrer Wählerschaft als entscheidenden Treiber des ELAM-Wachstums.

Fidias, ALMA und das Ende der Volksparteien

Neben ELAM markiert ein zweites Ergebnis den Wandel im zyprischen Parteiensystem: Fidias Panayiotou, ein griechisch-zyprischer YouTuber mit mehr als zwei Millionen Abonnenten, hatte 2024 als parteiloser Kandidat einen Sitz im Europäischen Parlament gewonnen. Im Oktober 2025 gründete er die Partei Direkte Demokratie mit einem ungewöhnlichen Konzept: Über eine App namens Agora können registrierte Bürger abstimmen, wie ihr Abgeordneter im Parlament votieren soll. Panayiotou demonstrierte das Prinzip bereits im EU-Parlament, als er nach einer öffentlichen Abstimmung gegen die Wiederwahl Ursula von der Leyens zur Kommissionspräsidentin stimmte.

Zusammen mit ALMA, die auf Basis ihrer Anti-Korruptions-Agenda 5,8 Prozent gewann, halten die beiden neuen Parteien acht Sitze. Das sind ebenso viele wie ELAM. Beide Parteien schöpfen offenbar aus dem gleichen Reservoir: Wähler, die EDEK und DIPA für zu kompromissbehaftet halten und nach einer Alternative suchen, die nicht von der Goldenen Morgenröte abstammt.

Warum diese Wahl über Zypern hinaus bedeutsam ist

Zypern ist mit knapp einer Million Einwohnern das kleinste EU-Mitglied im östlichen Mittelmeer. Das Wahlergebnis spiegelt dennoch Muster wider, die sich in mehreren europäischen Demokratien zeigen: Etablierte Mitte-Parteien verlieren gleichzeitig nach rechtsaußen und an Anti-Establishment-Newcomer. In Frankreich ist der Rassemblement National die stärkste Einzelpartei. In Italien regiert die postfaschistische Fratelli d'Italia. In Griechenland ist Kyriakos Mitsotakis' Neue Demokratie auf Stimmen aus dem nationalistischen Lager angewiesen.

Drei Wahlkampfthemen dominierten laut Nachwahlbefragungen: Korruption mit 33 Prozent der Wählerprioritäten, die ungelöste Teilung der Insel seit der türkischen Invasion 1974 mit 25 Prozent und Lebenshaltungskosten mit 23 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal 2026 um drei Prozent, der niedrigste Wert seit 2021. Der Tourismus brach im April 2026 um 28 Prozent ein, unter anderem wegen geopolitischer Spannungen im östlichen Mittelmeer infolge des Irankonflikts.

Christodoulides hat zwei Wochen

Staatspräsident Nikos Christodoulides, seit 2023 im Amt und der erste zyprische Präsident ohne formale Parteibindung, führt nach der Wahl Koalitionsgespräche. Das neue Parlament soll sich nach dem Sommer konstituieren. In den kommenden zwei Wochen werden Sondierungen erwartet. Die rechnerisch einfachste Mehrheit aus DISY, DIKO und ALMA hätte genau 29 Sitze.

ELAM hat signalisiert, eine Regierung unter Umständen ohne Ministerposten zu tolerieren. Ob Christodoulides diesen Weg geht oder ob er eine eigene Dreiermehrheit zustande bringt, wird über die Richtung der nächsten Legislaturperiode entscheiden. ELAM hat in seinem Koalitionsdokument eine härtere Linie beim Thema Reunifikation sowie restriktivere Migrationspolitik als Grundbedingungen formuliert. Für die künftige Regierung bedeutet das: Selbst eine formale Ausgrenzung von ELAM schützt nicht davor, dass die Partei im Parlament erheblichen Druck entfalten kann.

Quellen (7)

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