China testet Atomrakete am Vorabend des NATO-Gipfels
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China testet Atomrakete am Vorabend des NATO-Gipfels

Gleich zwei militärische Signale schickte Peking am Tag des NATO-Gipfelauftakts: ein Interkontinentalraketen-Test von einem Atom-U-Boot im Südpazifik und das Gemeinschaftsmanöver 'Joint Sea-2026' mit Russland im Gelben Meer. NATO-Chef Rutte nannte beides einen Beweis dafür, dass die Allianz nicht naiv sein dürfe.

7. Juli 2026, 5:00 Uhr 815 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Am 6. Juli 2026 startete die chinesische Marine eine ballistische Interkontinentalrakete von einem strategischen Atom-U-Boot und traf damit präzise ein Zielgebiet im Südpazifik. Einen Tag später begann in Ankara der 36. NATO-Gipfel. Gleichzeitig starteten China und Russland das gemeinsame Marinemanöver „Joint Sea-2026" im Gelben Meer: acht Kriegsschiffe und zwei U-Boote, die zu einem Zeitpunkt üben, an dem die Staatschefs von 32 Allianzstaaten in Ankara zusammenkommen.

Vier russische und vier chinesische Schiffe

Das Format „Joint Sea" gibt es seit 2012. China und Russland hielten die Übung seither fast jährlich ab, im Mittelmeer, im Japanischen Meer und zuletzt im Westpazifik. Die Ausgabe 2026 ist die erste, die zeitgleich mit einem NATO-Gipfel beginnt. Russland entsandte den Lenkwaffenkreuzer Waryag, die Korvette Reskij, das Diesel-U-Boot Ufa und das Rettungsschiff Igor Belousow. China stellte die Raketenzerstörer Kaifeng und Anshan, die Fregatte Wuhu, das Versorgungsschiff Kekexilihu sowie das U-Boot-Rettungsschiff Yangchenghu.

Schauplatz ist das Gelbe Meer nahe Qingdao, dem Hauptstützpunkt der chinesischen Nordmeerflotte. Die Übung gliedert sich in drei Phasen: Kräfteaufmarsch, Hafenplanung und gemeinsame Seeoperationen. Sie läuft bis zum 13. Juli, also bis nach dem Abschluss des NATO-Gipfels am 8. Juli. Peking beschreibt das Ziel als „gemeinsame Reaktion auf maritime Sicherheitsbedrohungen." Das Gelbe Meer liegt nahe Südkorea, Japan und Taiwan, allesamt enge Partner oder Beobachterstaaten der NATO.

Der ICBM-Test: Fähigkeit als Botschaft

Wichtiger als die Übungsformation war der Raketentest. Die PLA-Marine, Chinas Volksbefreiungsarmee zur See, feuerte eine ballistische Interkontinentalrakete von einem strategischen Atom-U-Boot und traf ein zuvor festgelegtes Zielgebiet im Südpazifik. Peking erklärte, der Test sei „Teil des jährlichen Militärtrainings" und richte sich „nicht gegen irgendjemanden." Ein öffentlich angekündigter Test dieser Art ist für die chinesische Marine ungewöhnlich. Das Timing ist es erst recht.

Chinesische strategische Atom-U-Boote der Jin-Klasse (Typ 094) tragen bis zu zwölf seegestützte Interkontinentalraketen vom Typ JL-2 mit einer Reichweite von über 7.000 Kilometern. Aus Positionen im Westpazifik können sie Ziele in Nordamerika und Europa erreichen. Der Test demonstriert keine neue Fähigkeit, denn die Existenz dieser Waffen ist bekannt. Er demonstriert die Bereitschaft, sie in Erinnerung zu rufen, an einem Tag, an dem die Staatschefs von 32 NATO-Mitgliedern ihre Reise nach Ankara antraten.

Tokio protestiert, Canberra schließt sich an

Japan reagierte mit scharfer Kritik und warnte, ballistische Raketentests könnten japanischen Luftraum berühren. Australien schloss sich den Protesten an. Beide Länder haben in den vergangenen Jahren Verteidigungsausgaben erhöht und Kooperationsabkommen mit der NATO vertieft. Das eigentliche Publikum des ICBM-Tests war damit weniger Brüssel als Tokio, Seoul und Taipeh.

Taiwan seinerseits reagierte mit einem eigenen Signal: Das Verteidigungsministerium in Taipeh bestätigte, die Armee führe wieder Anti-Kommunismus-Schulungen für Soldaten ein, eine Praxis, die seit 2002 eingestellt worden war. Die Wiedereinführung soll nach offiziellen Angaben die ideologische Grundlage für militärischen Widerstand gegen eine chinesische Invasion schärfen.

NATO-Generalsekretär Rutte: Wir dürfen nicht naiv sein

Mark Rutte, NATO-Generalsekretär, nannte beim Medienbriefing in Ankara beide Ereignisse einen „weiteren Beweis, dass wir nicht naiv sein dürfen." Das Abschlussdokument des Gipfels soll laut Entwürfen Chinas Rolle als Problem für die euro-atlantische Sicherheit ausdrücklich benennen. Es wäre die schärfste offiziell formulierte Kritik an Peking in der Geschichte des Bündnisses.

Ob die Formulierungen im Kommuniqué standhalten, hängt von Einzelstaaten ab. Ungarn hat in der Vergangenheit China-kritische Passagen abgemildert. Die Türkei, die den Gipfel ausrichtet, pflegt eigene Wirtschaftsbeziehungen zu Peking. Wie die endgültigen Formulierungen aussehen, entscheidet sich bei Gipfeln wie diesem oft in den letzten Stunden vor der Unterzeichnung.

Was beide Seiten aus dem Manöver ziehen

Für Russland hat das gemeinsame Manöver vor allem symbolischen Wert. Sanktionen und Rüstungsverluste im Ukraine-Krieg isolieren Moskau zunehmend. Gemeinsame Übungen mit Peking zeigen nach innen wie nach außen: Russland ist kein internationaler Paria. China wiederum hat kein direktes Interesse daran, den Ukraine-Krieg zu gewinnen oder zu verlieren. Wohl aber daran, die NATO dauerhaft zu beschäftigen. Je mehr Ressourcen das Bündnis nach Europa lenkt, desto weniger Kapazität bleibt für den Indopazifik, Chinas eigentliches Interessengebiet.

Das Kommuniqué und seine China-Klausel

Der Gipfel endet am 8. Juli. Das Abschlussdokument muss dann zeigen, ob die Mitgliedstaaten ihr eigenes Signal genauso klar setzen können wie die PLA-Marine. Konkret geht es darum, ob China als Unterstützer Russlands benannt wird, wie die Allianz mit chinesischem Technologietransfer an russische Rüstungsbetriebe umgehen will und ob künftige NATO-Aktivitäten im Indopazifik explizit in den Kontext der China-Herausforderung gestellt werden. Bis zur Unterzeichnung hat Peking seinen Standpunkt bereits gesetzt.

Quellen (8)

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