Russische Soldaten in China ausgebildet: Berlin zitiert Botschafter
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Russische Soldaten in China ausgebildet: Berlin zitiert Botschafter

Rund 200 russische Militärangehörige ließen sich seit November 2025 heimlich an Militäreinrichtungen in China ausbilden, einige von ihnen kämpfen seitdem in der Ukraine. Das Auswärtige Amt zitierte am 3. Juli den chinesischen Botschafter Deng Hongbo zu einem dringlichen Gespräch.

4. Juli 2026, 10:44 Uhr 772 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Ein dreiwöchiger Kurs an einer Militärakademie in Peking, November 2025: Rund 200 russische Soldaten lernen bei chinesischen Ausbildern Strahlungsschutz, Drohnenführung und elektronische Kriegsführung. Bilder aus dem Training zeigen russische Offiziere vor einem Kernreaktormodell. Einige der Absolventen kämpfen heute in der Ukraine, unter ihnen Angehörige der Elitedrohneneinheit „Rubikon“.

Was Reuters und europäische Geheimdienste enthüllten

Am 1. Juli 2026 veröffentlichte Reuters einen Exklusivbericht, der auf internen Dokumenten und zwei europäischen Geheimdienstquellen basiert. Demzufolge genehmigte Russlands Verteidigungsminister Andrei Beloussow das Programm im August 2025 durch ein internes Dekret. Das Abkommen untersagte ausdrücklich jede Medienberichterstattung und die Unterrichtung dritter Länder.

Auf russischer Seite leitete Generaloberst Rustam Muradow, stellvertretender Oberbefehlshaber der russischen Landstreitkräfte, die Delegation. Auf chinesischer Seite führte Generalmajor Li Jinsun, Leiter der PLA-Militärakademie für radiologisch-chemisch-biologische Abwehr, den Eröffnungskurs. Damit waren auf beiden Seiten mindestens vier Generale direkt beteiligt. Das Training umfasste nach Reuters-Angaben Schutz vor radiologischen, chemischen und biologischen Kampfstoffen, Drohnenführung, Heeresluftfahrt, Panzergrenadiere und elektronische Kriegsführung.

Die Europäische Union hatte das Programm bereits Mitte Juni 2026 bestätigt. „Die chinesische Ausbildung russischer Soldaten ist durch unsere Dienste belegt worden“, sagte eine leitende EU-Vertreterin. Demnach seien „mehrere Hundert“ Soldaten an mehreren Standorten in China ausgebildet worden, darunter Peking und Nanjing. In einem Gegenzugprogramm wurden gleichzeitig chinesische Soldaten in Russland ausgebildet.

Peking zwischen Neutralitätsanspruch und belegten Tatsachen

China tritt seit Kriegsbeginn offiziell als neutraler Vermittler auf. Die Reaktion auf die Enthüllungen war scharf: Das Außenministerium in Peking bezeichnete die Berichte als „vollständig unbegründet“. Auch der Kreml wies den Reuters-Bericht zurück. Der russische Parlamentarier Andrei Kartapolow sagte, die russische Armee habe „nichts von China zu lernen“.

Diese Aussagen stehen im Widerspruch zu dem, was im Mai 2026 in Peking zu beobachten war. Wladimir Putin besuchte Xi Jinping zum 30. Jahrestag der chinesisch-russischen Strategischen Partnerschaft. Beide Seiten unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung zur Vertiefung militärischer Koordination: mehr gemeinsame Übungen, engere Abstimmung bei Luftpatrouillen, Ausbau gemeinsamer Seeoperationen. Ein formelles Verteidigungsbündnis ist das nicht, aber eine operative Zusammenarbeit, die über Symbolpolitik hinausgeht.

Am 3. Juli 2026 bat das Auswärtige Amt Botschafter Deng Hongbo zu einem „dringlichen Gespräch“. Außenminister Johann Wadephul, der sich zu dem Zeitpunkt in Brasilien aufhielt, formulierte die deutsche Position klar: „China muss wissen, dass dieser russische Angriffskrieg gegen die Ukraine unsere Kerninteressen bedroht.“

Handelsmacht und Sicherheitsrisiko

Deutschland befindet sich in einem vertrauten Widerspruch. China ist seit 2025 erneut Deutschlands wichtigster Handelspartner: Das bilaterale Handelsvolumen lag laut Destatis 2025 bei 251,8 Milliarden Euro. Die deutschen Exporte nach China gingen in den ersten neun Monaten 2025 um 12,3 Prozent zurück, auf 61,4 Milliarden Euro. Die Bundesregierung verfolgt offiziell eine „De-Risking“-Strategie zur Verringerung wirtschaftlicher Abhängigkeit.

Doch die Wirklichkeit zeigt ein anderes Bild. Eine Umfrage der Deutschen Handelskammer in China ergab, dass über 90 Prozent der befragten deutschen Unternehmen beabsichtigen, in China zu bleiben, mehr als die Hälfte plant sogar zu expandieren. Volkswagen und BASF haben ihre chinesischen Fertigungsstandorte erweitert, nicht reduziert. Merics, das Berliner Institut für China-Studien, hat diese Diskrepanz zwischen politischer Absichtserklärung und wirtschaftlichem Handeln wiederholt beschrieben: Die tatsächliche Lieferketten-Abhängigkeit Deutschlands von China hat sich trotz der De-Risking-Rhetorik vertieft.

Wer China öffentlich als systemischen Rivalen bezeichnet, aber gleichzeitig 252 Milliarden Euro Handelsvolumen aufrechterhalten will, steht vor einem Glaubwürdigkeitsproblem. Atlantic Council-Analysten warnen seit Jahren, Deutschland könnte in eine ähnliche Abhängigkeit geraten wie vor 2022 bei Russlands Gaslieferungen. Die jetzigen Enthüllungen zeigen, dass es nicht mehr nur um hypothetische Risiken geht.

Drei Tage vor dem NATO-Gipfel in Ankara

Das Timing der Enthüllungen ist politisch bedeutsam. Am 7. Juli beginnt der NATO-Gipfel in Ankara. Die chinesische Militärunterstützung für Russland wird dort ein zentrales Hintergrundthema sein, auch wenn sie nicht auf der offiziellen Tagesordnung steht. Mehrere NATO-Mitglieder haben signalisiert, dass das Bündnis eine eindeutige Botschaft an Peking senden müsse.

Wadephul machte deutlich, dass Deutschland weitere Gespräche mit China für unabdingbar hält: „Wir werden mit der chinesischen Seite weiterhin sprechen müssen, denn wir können dort keine fehlende Klarheit akzeptieren.“ Was das konkret bedeuten wird, ob wirtschaftliche Konsequenzen, diplomatische Eskalation oder erneute Gesprächsrunden, hängt davon ab, was die 32 NATO-Mitglieder in Ankara beschließen. Bundeskanzler Merz hatte das Thema bereits bei seinem China-Besuch im Februar 2026 gegenüber Xi Jinping angesprochen. Damals ohne messbare Wirkung.

Für Peking ist das Kalkül klar: Gesprächsangebote werden nicht abgelehnt. Sie sichern aber auch nichts zu.

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