Undav erlöst Deutschland: 2:1 gegen Elfenbeinküste
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Undav erlöst Deutschland: 2:1 gegen Elfenbeinküste

Zwei aberkannte Tore, zur Halbzeit 0:1, Schlotterbeck verletzt vom Platz: Deutschland erlebt in Toronto eine turbulente erste Halbzeit. Deniz Undav rettet mit einem Doppelpack nach seiner Einwechslung das 2:1 gegen die Elfenbeinküste.

21. Juni 2026, 4:40 Uhr 772 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Deniz Undav spielte nur 30 Minuten. In dieser Zeit schoss er zweimal, traf zweimal und rettete Deutschland vor dem Absturz in der Gruppe. Der Angreifer kam in der 60. Minute ins Spiel, als das DFB-Team 0:1 hinten lag, zwei Tore annulliert bekommen hatte und Innenverteidiger Nico Schlotterbeck verletzt auf der Tribüne saß. Am Ende stand ein 2:1 gegen die Elfenbeinküste, sechs Punkte aus zwei Spielen und der Einzug ins Sechzehntelfinale der WM 2026.

Kessié und zwei annullierte Tore: Wie die erste Halbzeit entgleiste

Deutschland begann druckvoll. In der 22. Minute traf Aleksandar Pavlović, doch der Videoschiedsrichter annullierte den Treffer wegen eines Offensivfouls am ivorischen Torwart. Ein seltenes Urteil, das BMO Field in Toronto aufbrachte. In der 39. Minute fand der Ball abermals den Weg ins Netz: Kai Havertz schoss ein, doch auch dieses Tor wurde aberkannt, weil der VAR Jamal Musiala in der Vorarbeit ein Foul zusprach. Zwei Tore, zwei Annullierungen, kein Ertrag.

Die Elfenbeinküste bestrafte die Verschwendung. In der 30. Minute verlängerte Franck Kessié, Mittelfeldspieler und Kapitän der Ivoirer, eine Ecke per Kopf ins lange Eck. 0:1 zur Halbzeit. Kessié hatte beim 1:0-Sieg gegen Ecuador im ersten Gruppenspiel das Mittelfeld dominiert. Auch gegen Deutschland war er der Akteur, der dem ivorischen Spiel Stabilität gab.

Kurz vor der Pause kam ein weiterer Rückschlag: Nico Schlotterbeck verletzte sich am Knöchel. Er spielte noch bis zur Halbzeitpause durch, kam aber nicht mehr zurück. Antonio Rüdiger ersetzte ihn. Eine MRT-Untersuchung war für den Sonntag geplant, die weitere WM-Teilnahme des Dortmunders steht infrage.

Nagelsmanns Dreierwechsel dreht das Spiel

Julian Nagelsmann reagierte zur Stundenmarke mit einem Dreierwechsel: Deniz Undav, Nadiem Amiri und Jamie Leweling kamen gleichzeitig. Es war ein ungewöhnlich frühes Signal des Bundestrainers, der damit das Pressing und die Offensivstruktur komplett neu ausrichtete.

Acht Minuten später fiel der Ausgleich. Amiri flankte von rechts, Undav vollendete per Volleyschuss aus halblinker Position: 1:1. Es war kein Zufallstreffer. Undav hatte schon beim Eröffnungssieg gegen Curaçao nach seiner Einwechslung getroffen. Das Muster wiederholte sich in der Nachspielzeit. Nach einem Pass in den Strafraum nahm sich Undav einen Kontakt zum Drehen und schoss flach ins kurze Eck: 2:1 in der 90.+4. Minute. Drei seiner bisherigen WM-Tore hat Undav als Einwechselspieler erzielt.

Nagelsmann sagte nach dem Abpfiff, Undav sei ein "brutaler Finisher" und habe "überragend" gespielt. Der 29-Jährige hat in diesem Turnier die Fähigkeit gezeigt, sich auf wenige Minuten zu konzentrieren und sie zu nutzen. Eine Qualität, die in K.O.-Runden entscheidend sein kann.

Schlotterbeck und Musialas Formkrise: Die offenen Fragen

Der Sieg verdeckt zwei Entwicklungen, die das DFB-Team im weiteren Turnierverlauf beschäftigen werden. Schlotterbecks Verletzung ist die akutere. Er war in der Innenverteidigung gesetzt, Rüdiger sprang ein, doch ein dauerhafter Ausfall würde Nagelsmann dazu zwingen, die defensive Grundstruktur zu überdenken.

Die zweite Sorge betrifft Jamal Musiala. Gegen Curaçao hatte er in der 47. Minute getroffen und war der aktivste deutsche Spieler. Gegen die Elfenbeinküste blieb er blass. Das ivorische Pressing störte seine üblichen Räume zwischen den Linien, er fand keinen Rhythmus und wurde nicht ausgewechselt. Der 23-Jährige, seit der EM 2024 als einer der besten Spieler Europas gehandelt, hat noch keines dieser WM-Spiele dominiert. Für ein Team, das in K.O.-Runden Individualqualität braucht, ist das ein Risikofaktor.

Wirtz spielte durch, ohne sich aufzudrängen. Havertz war körperlich präsent, aber der zweite annullierte Treffer zeigte seine Situation: Er war da, als es darauf ankam, aber der VAR holte das Tor zurück. Mit drei Treffern aus zwei Spielen führt Undav intern die WM-Torjägerliste an.

25. Juni in East Rutherford: Das Gruppenfinale gegen Ecuador

Deutschland ist mit sechs Punkten vorzeitig für das Sechzehntelfinale qualifiziert. Das dritte Gruppenspiel am 25. Juni in East Rutherford, New Jersey, gegen Ecuador ist sportlich für die Deutschen keine Pflichtaufgabe mehr. Ecuador hat nach der 0:1-Niederlage gegen die Elfenbeinküste im ersten Spiel und dem 0:0 gegen Curaçao lediglich einen Punkt. Ein Sieg im letzten Gruppenspiel wäre nötig, um sicher weiterzukommen.

Für Deutschland ist der Gruppensiegerplatz das Ziel. Wer die Gruppe E gewinnt, trifft im Sechzehntelfinale auf den besten Dritten der Gruppen A, B, C, D oder F. Hinter der Elfenbeinküste (3 Punkte) und Ecuador (1 Punkt) ist die genaue Konstellation noch offen, das letzte Spielpaar der Gruppe entscheidet. Nagelsmann kann gegen Ecuador rotieren, sollte aber auch den Rhythmus nicht verlieren. Schlotterbecks Einsatz wird vom Ergebnis der MRT-Untersuchung abhängen.

Quellen (9)

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