Sané trifft nach 109 Sekunden, Deutschland verliert trotzdem
Ecuador brauchte den Sieg. Deutschland brauchte ihn nicht. Im MetLife Stadium in New Jersey gewann Ecuador 2:1 und beide Teams zogen weiter ins Sechzehntelfinale: Deutschland als Gruppensieger, Ecuador als Gruppendritter. Leroy Sanés Tor nach 109 Sekunden, das früheste eines deutschen WM-Torschützen seit Ernst Lehner 1934, war der Glanzmoment eines deutschen Spielanteils, der kaum länger als zwei Minuten dauerte. Am 29. Juni wartet Boston.
Ein Tor und eine Kontroverse
Das frühe Tor hatte eine Vorgeschichte. Aleksandar Pavlović traf beim Aufbau den ecuadorianischen Spieler Pedro Vite ungeschützt mit den Stollenschuhen am Kopf. Schiedsrichterin Tori Penso ließ weiterspielen, der Videoassistent griff nicht ein. Sané nutzte den Ballgewinn und verwandelte aus rund 14 Metern flach ins linke Eck. Ecuadors Spieler protestierten lautstark, konnten die Entscheidung aber nicht anfechten. Ran.de sprach von einem Tor, das "nicht hätte zählen dürfen".
Ecuador ließ sich nicht erschüttern. Das Team stehend vor dem Spiel auf dem dritten Gruppenplatz, brauchte mindestens einen Punkt für das Weiterkommen. Die Ecuadorianer dominierten weite Strecken der Partie, erzwangen den Ausgleich noch in der ersten Halbzeit und erzielten durch Gonzalo Plata in der 77. Minute den Siegtreffer. Plata spitzelte den Ball nach einem Eckball am langen Pfosten an Manuel Neuer vorbei ins Netz.
Bundestrainer Julian Nagelsmann benannte das Problem direkt: "Wir hatten einen super Start. Leider haben wir direkt nach dem Tor angefangen, Harakiri bei der Positionierung zu machen. Dann wird es schwer." Er ergänzte: "Für Ecuador ging es um alles, das hat man gemerkt, sie standen auf dem Gaspedal. Ich kann aber auch von keinem meiner Spieler sagen, dass er nicht Gas gegeben hat."
Gruppenphase: Zehn Tore, sechs Punkte, Platz eins
Die drei Gruppenspiele in der Zusammenfassung: Ein 7:1 gegen Curaçao im Auftaktmatch in Houston, ein dramatisches 2:1 gegen die Elfenbeinküste, bei dem Deniz Undav als Einwechselspieler in der 60. Minute die Wende einleitete und nun das 1:2 gegen Ecuador, in dem Nagelsmann rotierte und mehrere Stammkräfte schonte. Drei Spiele, sechs Punkte, zehn erzielte und vier kassierte Tore.
Die Gruppe E endet: Deutschland Erster, Elfenbeinküste Zweite, Ecuador Dritter, Curaçao ausgeschieden. Ecuador qualifizierte sich als Gruppendritter für das Sechzehntelfinale. Plata sagte nach dem Abpfiff: "Es war ein wunderbares Spiel und ein wunderschönes Erlebnis für uns. Wir haben für das Weiterkommen gekämpft und sind stolz auf uns."
Was der Gruppensieg bedeutet
Die WM 2026 hat ein neues Format: 48 Mannschaften, 12 Gruppen, drei Teams pro Gruppe kommen weiter. Daraus folgt eine andere Turnierstruktur als früher. Gruppensieger treffen im Sechzehntelfinale auf Gruppendritte, also statistisch auf schwächere Teams. Als Gruppensieger hat Deutschland auch bei der Spielortverteilung mitgeredet: Boston liegt für viele europäische Fans geografisch günstiger als die US-amerikanischen Südstaaten oder Mexiko. Das Stadion im Großraum Boston fasst rund 65.000 Zuschauer.
Entscheidend ist aber das, was nach Boston folgen könnte. Gewinnt Deutschland das Sechzehntelfinale, trifft das DFB-Team im Achtelfinale am 4. Juli auf den Sieger aus dem anderen Sechzehntelfinale im selben Turnierbaum. Derzeit führt Frankreich mit Kylian Mbappé die Gruppe I an. Ein Deutschland-Frankreich-Duell im Achtelfinale wäre der Klassiker, auf den dieses Turnier seit Wochen hinarbeitet.
Samstag fällt die Entscheidung, wer nach Boston kommt
Wer am Montag in Boston wartet, steht erst am Samstag fest, wenn die letzten Gruppenspiele der Gruppen A, B, C, D und F abgepfiffen sind. Die FIFA wertet dann alle Gruppendritten nach Punkten, Tordifferenz und Fair-Play-Karte aus und ordnet sie dem vorgesehenen Sechzehntelfinale-Slot zu. Nach aktuellem Stand gilt Gruppe B als wahrscheinlichste Quelle des deutschen Gegners. Als mögliche Gegner werden außerdem Schottland aus Gruppe C sowie Paraguay und Australien aus Gruppe D gehandelt.
Nagelsmanns Ton war nach dem Spiel pragmatisch. Eine Niederlage im letzten Gruppenspiel, in dem er die Kräfte schonen wollte, passt in den Plan: Die echte Überprüfung kommt am Montag. Für das DFB-Team beginnt erst jetzt das Turnier, auf das die vergangenen drei Spiele als aufwendige Vorbereitung dienten.
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