Jeder zweite neue EU-Stadtbus fährt elektrisch
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Jeder zweite neue EU-Stadtbus fährt elektrisch

Fünf EU-Mitgliedstaaten haben 2025 überhaupt keine neuen Stadtbusse mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen. Insgesamt waren 56 Prozent aller neuen EU-Stadtbusse elektrisch, 11.607 Neufahrzeuge in einem Jahr.

24. Juni 2026, 9:07 Uhr 690 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Als erstes Fahrzeugsegment im europäischen Straßenverkehr hat der Stadtbus die elektrische Mehrheit überschritten: 56 Prozent aller neuen EU-Stadtbusse waren 2025 batteriebetrieben, zusammen mit Wasserstoffbussen kommen emissionsfreie Antriebe auf 60 Prozent der Neuzulassungen. Fünf Mitgliedstaaten kauften keinen einzigen neuen Verbrennerbus mehr. Das zeigen Daten der europäischen Automobilherstellervereinigung ACEA, ausgewertet von Transport & Environment (T&E). Was 2019 mit zwölf Prozent Elektroanteil begann, hat sich in sechs Jahren in ein neues Normal verwandelt.

Von 12 auf 56 Prozent in sechs Jahren

Als die EU 2019 die Clean Vehicles Directive verabschiedete, hielten elektrische Stadtbusse gerade zwölf Prozent Marktanteil. Damals schien 50 Prozent ein ambitioniertes Fernziel. Sechs Jahre später ist es überschritten. 2025 wurden laut ACEA-Daten 11.607 neue batteriebetriebene Stadtbusse in Europa registriert, 48 Prozent mehr als im Vorjahr.

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Deutschland meldete 1.808 neue Elektrobusse, ein Anstieg um 106 Prozent gegenüber 2024. Schweden verzeichnete ein Plus von 262 Prozent, Belgien von 234 Prozent. Die Transformation ist kein Nischenphänomen mehr, sie erfasst auch Märkte, die lange gezögert haben.

Das überraschende Detail: Ausgerechnet Bulgarien, das für seinen EU-Beitritt in Umweltfragen nicht als Vorreiter gilt, gehört zu den fünf Ländern ohne eine einzige neue Verbrennerbus-Zulassung im Jahr 2025, zusammen mit Dänemark, Estland, Lettland und Slowenien.

Fünf Länder kaufen keine Verbrennerstadtbusse mehr

Neben den fünf Ländern mit 100-Prozent-Quote lagen sechs weitere über 90 Prozent: Niederlande, Luxemburg, Finnland, Belgien, Litauen und Rumänien. Großbritannien, formal außerhalb des EU-Binnenmarkts, kommt auf 75 Prozent. Selbst Italien, bekannt für seinen zögerlichen Klimakurs, registrierte 2025 über 1.200 neue Elektrobusse bei 65 Prozent Elektroanteil im Stadtbussegment.

T&E-Analysten rechnen vor: Hält das Wachstumstempo von 2023 bis 2025 an, wären bereits 2028 alle neuen EU-Stadtbusse emissionsfrei, sieben Jahre vor dem gesetzlichen Ziel von 2035. Dieses Szenario setzt voraus, dass nationale Förderprogramme verlässlich bleiben und der EU-CO2-Grenzwert für Busse ab 2030 strikt durchgesetzt wird.

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Im Vergleich: Shenzhen als frühe Blaupause

Die chinesische Stadt Shenzhen schloss Ende 2017 als erste Metropole der Welt die vollständige Elektrifizierung ihrer Busflotte ab: rund 16.400 Fahrzeuge. Damals galt das als außerordentliches Pionierwerk, getragen von massiven staatlichen Subventionen und einer stadtplanerischen Sondersituation. Der Rückblick zeigt, wie sehr Shenzhen seiner Zeit voraus war.

Was eine einzelne chinesische Sonderzone mit einem einzigen Beschluss umsetzte, vollzieht Europa jetzt systemisch: durch Stadtbetriebe in Kopenhagen, Rotterdam und Helsinki, durch Ausschreibungen in Bukarest und Riga, durch Förderprogramme, die kommunale Verkehrsbetriebe beim Umstieg stützen. Das geschieht nicht durch eine Direktive von oben, sondern durch kumulierte Kommunalentscheidungen in 27 Ländern.

Zwei Faktoren treiben das an. Erstens sind die Betriebskosten von Elektrobussen inzwischen günstiger als die von Dieselfahrzeugen. Niedrigere Energiekosten, weniger Wartungsaufwand und geringerer Verschleiß kompensieren die höheren Anschaffungspreise. Die Batteriekosten sind laut BloombergNEF seit 2010 um rund 93 Prozent gesunken. Zweitens haben europäische Kommunen gelernt, welche Infrastruktur funktioniert: Nachtladung an Depots kombiniert mit Gelegenheitsladen an Endhaltestellen.

Lücken bleiben in der Ladeinfrastruktur

Was bleibt, sind strukturelle Engpässe. In dünn besiedelten Regionen und Teilen Osteuropas fehlen Stadtwerken die Mittel für den schnellen Umbau. Fernbusse und Reisecoaches liegen beim Elektroanteil noch deutlich unter zehn Prozent: Die Strecken sind lang, Ladeinfrastruktur unterwegs fehlt und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für private Betreiber unterscheiden sich grundlegend vom städtischen ÖPNV.

Dennoch: Der Stadtbus hat sich schneller verändert als das Pkw-Segment. Er ist das erste Fahrzeugsegment im europäischen Straßenverkehr, das die Mehrheit elektrisch überschritten hat. Wenn das Tempo von 2025 anhält, könnte die vollständige Transformation bis 2028 abgeschlossen sein, drei Jahre bevor das erste EU-Land alle Pkw-Neuzulassungen elektrifiziert haben dürfte.

Quellen (9)

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