EU rüstet für Waldbrandsommer: 777 Feuerwehrkräfte
Dreimal so viele Feuerwehrkräfte wie beim Programmstart, eine neue Einsatzzentrale auf Zypern und 22 Löschflugzeuge in Bereitschaft: Die EU hat am 2. Juni ihren bislang größten Waldbrandeinsatz aller Zeiten gestartet. Der Auslöser ist das Jahr 2025, in dem über eine Million Hektar EU-Fläche abbrannten. Den offiziellen Aufbruch begleitet eine ernüchternde Prüferbilanz: Griechenlands Waldbrandkarten sind über 45 Jahre alt und Spanien verteilt Fördermittel nach dem Gießkannenprinzip.
1,07 Millionen Hektar: Das Rekordjahr 2025
2025 verbrannten in der EU laut Satellitenauswertung des Europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS 1.079.538 Hektar, fast doppelt so viel wie der Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2024. 7.783 Brände erfassten 25 EU-Länder. Besonders hart traf es Portugal und Spanien, wo allein während der länger anhaltenden Hitzewelle im August mehr als 460.000 Hektar abbrannten. 39 Prozent der verbrannten EU-Fläche lag in Natura-2000-Schutzgebieten.
Das Gemeinsame Forschungszentrum der EU-Kommission bezeichnete 2025 als die bis dahin zerstörerischste Waldbrandsaison der EU-Geschichte. Diese Bilanz bewog EU-Krisenmanagement-Kommissarin Hadja Lahbib dazu, die bisherige Reaktionsstrategie grundlegend umzubauen. Im März 2026 legte die Kommission eine neue integrierte Waldbrandstrategie vor, deren operativer Kern die Vorabeinstationierung von Feuerwehrkräften in Risikoregionen ist.
777 Feuerwehrkräfte in 14 Ländern: Was sich geändert hat
Das rescEU-Vorabeinstationierungsprogramm startete 2022 mit 236 Feuerwehrkräften aus 6 Ländern. Diesen Sommer umfasst es 777 Kräfte aus 14 Ländern, darunter Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Kroatien, Tschechien, Slowakei, Rumänien und Nordmazedonien. Das ist ein Zuwachs von 229 Prozent. Die Kräfte werden in Hochrisikoregionen vorabestationiert und können über das Krisenkoordinationszentrum der Kommission in andere Länder verlegt werden, sobald dort Brände ausbrechen.
Neu in diesem Jahr ist eine EU-Waldbrandstation nahe Paphos auf Zypern, die Lahbib Anfang Mai besuchte. Sie ist für sechs Löschflugzeuge ausgelegt und soll als regionales Drehkreuz für den östlichen Mittelmeerraum fungieren. "Wenn Brände Gemeinschaften bedrohen, reagiert Europa als Einheit", sagte Lahbib bei dem Besuch. Zusätzlich zu den vorabeinstationierten Kräften stehen 22 Löschflugzeuge und 5 Hubschrauber der rescEU-Übergangsflotte bereit, die aus gemieteten Maschinen nationaler Behörden besteht.
Zur Unterstützung der Krisenregionen hatte die EU im Mai 2026 über den Europäischen Solidaritätsfonds 144 Millionen Euro an Spanien, Rumänien und Zypern für die Erholung nach den Waldbränden von 2025 ausgezahlt. Zypern allein erhielt 9,2 Millionen Euro für die Wiederherstellung beschädigter Flächen.
Was der Rechnungshof rügt
Die Aufstockung trifft auf ein System, das der Europäische Rechnungshof im Juni 2025 einer kritischen Prüfung unterzogen hatte. Die Prüfer stellten fest, dass die Datengrundlage für die Mittelverteilung in mehreren Ländern schwer veraltet oder schlicht fehlerhaft ist.
Griechenland führt eine Waldbrand-Risikoliste, die mehr als 45 Jahre zurückreicht und nie aktualisiert wurde. Portugal richtet Investitionsprioritäten nach Karten aus, die Gebiete nahe Staudämmen als brandgefährdet ausweisen, die erst nach Erstellung dieser Karten gebaut wurden. Spanien verteilt EU-Fördermittel gleichmäßig auf alle Provinzen, unabhängig davon, wie hoch die tatsächliche Waldbrandgefahr ist.
Der Rechnungshof bemängelte außerdem, dass es faktisch unmöglich ist zu berechnen, wie viel die EU insgesamt in den Waldbrandschutz investiert: Mitgliedstaaten müssen ihre waldbrandspezifischen Ausgaben nicht separat ausweisen. Die Empfehlung der Prüfer, EFFIS-Satellitendaten für Förderentscheidungen zu nutzen, nahm die Kommission zwar in ihre neue Strategie vom März auf. Die operative Umsetzung in den Mitgliedstaaten steht jedoch noch aus.
Neue Flugzeuge frühestens 2027, Eigenflotte erst 2030
2024 bewilligte die EU 600 Millionen Euro für 12 neue Löschflugzeuge des Typs DHC-515 und 5 zusätzliche Hubschrauber. Erste Lieferungen sind frühestens für 2027 und 2028 geplant, die vollständige rescEU-Eigenflotte soll erst 2030 einsatzbereit sein. Bis dahin schließt die gemietete Übergangsflotte die Lücke.
Das erzeugt ein strukturelles Problem: Wenn Portugal, Griechenland und Spanien gleichzeitig in einer Hochdrucklage brennen, konkurrieren alle drei Länder um dieselben gemieteten Maschinen. Genau das war 2025 der Fall. Die 777 vorabeinstationierten Feuerwehrkräfte sollen diesen Engpass früher abfangen, indem sie bereits vor Ausbruch vor Ort sind. EU-Klimaprojektionen sehen erhöhte Waldbrandgefahr in diesem Sommer in einem breiten Gürtel von Portugal bis in die Türkei. Die Bewährungsprobe für das neue System steht im Juli und August an.
Kommentare