Höne gibt auf: Kubicki wird neuer FDP-Chef
Es hätte ein inhaltlicher Showdown werden sollen: der 74-jährige Lautsprecher gegen den 39-jährigen Erneuerer. Am 14. Mai endete dieser Wettbewerb, bevor er richtig begonnen hatte. Henning Höne zog seine Kandidatur für den FDP-Bundesvorsitz zurück und erklärte, er wolle Wolfgang Kubicki als Stellvertreter unterstützen statt gegen ihn anzutreten. Ob die FDP mit einer Führung ohne programmatischen Wettstreit tatsächlich stärker wird, bezweifeln einige in der Partei bereits laut.
Wie Höne den Weg freimachte
Höne begründete seinen Rückzug damit, dass er seine Kräfte auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen konzentrieren wolle, die in rund einem Jahr stattfindet. Er überlasse Kubicki die Bundesebene, während er selbst den größten FDP-Landesverband aufbaue. Kubicki bezeichnete die Konstellation als Fortschreibung des früheren Bündnisses aus der Ära Lindner. Das damalige Team habe 2013 die FDP nach ihrem ersten Rauswurf aus dem Bundestag zurück in die Parlamente geführt. Nun solle eine analoge Aufstellung dasselbe leisten. Die Analogie klingt einleuchtend, ignoriert aber einen entscheidenden Unterschied: 2013 war die FDP noch in mehreren Landtagen vertreten und verfügte über funktionierende Parteistrukturen. Heute sitzt sie in keinem einzigen deutschen Parlament mehr.
Dass Kubicki überhaupt kandidiert, geht nach Medienberichten auch auf Christian Lindner zurück. Der frühere Parteichef soll hinter den Kulissen auf Kubicki eingewirkt haben, anzutreten. Lindner selbst schwieg öffentlich dazu.
Eine Partei ohne Parlament sucht Profil
Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 erhielt die FDP 4,3 Prozent der Zweitstimmen und schied aus dem Bundestag aus. Im Mai 2025 wählte die Partei Christian Dürr zum neuen Bundesvorsitzenden, der einen ruhigen Wiederaufbau versprach. Im März 2026 scheiterte die FDP in Baden-Württemberg mit 4,4 Prozent und in Rheinland-Pfalz mit 2,1 Prozent an der Fünfprozenthürde. Daraufhin beschloss der Bundesvorstand, geschlossen zurückzutreten. Was als ruhige Übergangsphase gedacht war, endete nach zehn Monaten in der nächsten Katastrophe.
In aktuellen Bundesumfragen liegt die FDP bei drei bis vier Prozent. Laut einer Ipsos-Erhebung vom 8. bis 10. Mai kam sie auf vier Prozent, nach dawum.de auf 3,8 Prozent. Das liegt noch unter dem Ergebnis, das 2013 zum ersten Rauswurf aus dem Bundestag führte. Der Unterschied: Damals gab es noch Fraktionen in Länderparlamenten, Mitarbeiterstäbe und politische Infrastruktur. Die FDP des Jahres 2026 startet ohne all das.
Die AfD-Frage als interner Konflikt
Bevor Höne seinen Rückzug erklärte, hatte sich Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Mitglied des FDP-Präsidiums und Europaabgeordnete, öffentlich gegen Kubickis Kandidatur positioniert. Auslöser war ein Podcast-Interview, in dem Kubicki erklärt hatte, er kenne keine Brandmauer gegenüber der AfD, weder in der Verfassung noch im Gesetz. Strack-Zimmermann warnte, die FDP müsse die politische Mitte stärken und dürfe keine Zusammenarbeit oder strategischen Spielraum gegenüber Rechtsextremen zulassen.
Sie zitierte den früheren Bundesjustizminister Marco Buschmann mit dem Satz: Wer die FDP nach rechts führen wolle, führe sie ins Verderben. Die CDU kritisierte unterdessen Kubickis Wortwahl in demselben Podcast, in dem er Bundeskanzler Merz als Eierarsch bezeichnet hatte. Für eine Partei, die dringend auf Koalitionsfähigkeit angewiesen ist, ist das eine komplizierte Ausgangsposition.
Kubicki: Lautstärke als Rückkehrstrategie
Kubicki war bis zum Ende der Ampelkoalition stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender und Vizepräsident des Bundestages. Sein politisches Profil ist das des zugespitzten Streiters, der kein Wort zurücknimmt und keine Kontroverse meidet. In einer Partei, die gerade aus allen Parlamenten gefallen ist und in der Öffentlichkeit kaum noch stattfindet, hat das einen nachvollziehbaren Reiz. Wer unsichtbar ist, braucht Stimmen die zitiert werden.
Kubicki plant, zunächst für ein Jahr zu kandidieren. Sein erklärtes Ziel: die FDP innerhalb dieses Jahres nahe an die Fünfprozenthürde heranführen. Nach der NRW-Wahl 2027 solle ein weiterer Parteitag folgen, bei dem über eine dauerhafte Führung entschieden wird. Laut einer Civey-Umfrage bewerten 42 Prozent der Befragten seine Kandidatur positiv, 29 Prozent negativ.
31. Mai: Kubicki ohne Gegner
Am 31. Mai tagt der Bundesparteitag mit 660 Delegierten in Berlin. Kubicki hat keinen ernsthaften Gegenkandidaten mehr. Die Abstimmung wird zeigen, wie geschlossen die Partei hinter ihm steht, aber ein Ergebnis das seinen Anspruch untergraben würde, gilt als unwahrscheinlich. Der erste echte Test unter Kubicki kommt mit der NRW-Landtagswahl 2027. Die bayerischen Kommunalwahlen fanden bereits am 8. März 2026 statt, noch vor Kubickis Antritt als Parteichef. Den ersten Bundestagsrauswurf hat die FDP überstanden. Ob das ein zweites Mal gelingt, ist offen, eine dritte Chance dürfte es nicht geben.
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