G7 in Évian: Hormuz, Zölle und Seltene Erden
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G7 in Évian: Hormuz, Zölle und Seltene Erden

Morgen beginnt der G7-Gipfel in Évian-les-Bains. Trump kommt ohne das Iranabkommen, das er sich zum Geburtstag versprochen hatte und mit einer Zollklippe im Gepäck, die am 24. Juli automatisch ausläuft.

14. Juni 2026, 20:40 Uhr 798 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Als US-Präsident Trump am gestrigen 80. Geburtstag ohne Iranabkommen dasteht und israelische Angriffe auf Beirut die Verhandlungen zu belasten beginnen, fliegt er zum G7-Gipfel ins französische Évian-les-Bains. Dort warten drei Krisen, die alle gleichzeitig auf eine Entscheidung zusteuern: das stockende Iranabkommen, eine Zollklippe am 24. Juli und chinesische Exportrestriktionen bei Seltenen Erden, die nach Schätzungen jede betroffene G7-Volkswirtschaft rund 1,5 Billionen Dollar gekostet haben.

Pakistan vermittelt, Israel stört

Der 14. Juni, Trumps 80. Geburtstag, war als Tag der Unterzeichnung geplant. Am Samstagabend hatte Trump auf Truth Social angekündigt, das Abkommen mit Iran sei für Sonntag zur Unterzeichnung bereit, danach öffne die Straße von Hormus sofort für alle. Irans Außenministerium widersprach innerhalb einer Stunde: Eine Unterschrift am Sonntag werde nicht stattfinden. Außenminister Abbas Araghchi erklärte dennoch, man sei „noch nie so nah dran” gewesen.

Was den Tag zusätzlich komplizierte: Israel griff Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut an. Iran drohte mit Gegenangriffen auf Israel. Trump verurteilte den israelischen Angriff scharf und sagte, er hätte nicht stattfinden dürfen, „besonders an einem besonderen Tag, an dem wir einem Friedensabkommen mit Iran so nahe sind”. Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf, der die iranische Verhandlungsdelegation leitet, erklärte, wenn die USA weder den Willen noch die Fähigkeit hätten, ihre Verpflichtungen einzuhalten, könne der diplomatische Weg nicht fortgesetzt werden.

Beide Seiten bestätigen dennoch, dass ein Memorandum mit 14 Punkten vorliegt. Es sieht die sofortige Öffnung der Hormusmeerenge, die Räumung aller Minen innerhalb von 30 Tagen sowie die Freigabe von 24 Milliarden Dollar eingefrorener iranischer Auslandsvermögen vor. Neben Pakistan vermittelt inzwischen auch Katar in Teheran. Trump will die Räumung der Meerenge in Évian als konkretes Thema einbringen.

Die Zollklippe am 24. Juli

Europa reist nach Évian mit einem Ablaufdatum im Gepäck. Am 24. Februar 2026 verhängte Trump einen pauschalen 15-Prozent-Importzoll auf nahezu alle US-Einfuhren, gestützt auf Section 122 des US-Handelsgesetzes von 1974. Das Gesetz setzt dieser Maßnahme eine harte Frist: 150 Tage ohne Genehmigung des Kongresses: Das ergibt den 24. Juli 2026.

Was nach diesem Datum kommt, ist offen. Eine Verlängerung durch den Kongress gilt als unwahrscheinlich, eine vollständige Rücknahme der Zölle noch unwahrscheinlicher. Wahrscheinlicher ist, dass die Trump-Administration den G7-Gipfel nutzt, um die Partner auf ein Nachfolgekonzept einzuschwören. Laufende Untersuchungen nach Section 301 zielen auf chinesische Industriesubventionen und könnten als Grundlage für ein koordiniertes Zollregime dienen, das alle G7-Staaten parallel anwenden.

Kanzler Friedrich Merz hatte Trumps Handelspolitik öffentlich kritisiert. Trump drohte daraufhin, US-Truppen aus Deutschland abzuziehen und erklärte, Merz wisse „nicht, wovon er redet”. Eine sachliche Einigung in Évian gilt als schwierig.

Chinas Seltene-Erden-Waffe

Hinter dem Streit um Zölle liegt ein strukturelles Problem: Europa bezieht 85 Prozent seiner leichten und 100 Prozent seiner schweren Seltenen Erden aus China. Als China in den vergangenen Monaten Exportlizenzen für diese Rohstoffe drastisch reduzierte, brachen die Magnetexporte nach Europa um rund drei Viertel ein. Automobilhersteller drosselten ihre Produktion. Nach Schätzungen hat die Krise jede betroffene G7-Volkswirtschaft rund 1,5 Billionen Dollar an direkten wirtschaftlichen Verlusten gekostet.

In Évian soll eine koordinierte Antwort ausgearbeitet werden. Auf dem Tisch liegt die Einrichtung eines gemeinsamen G7-Sekretariats für kritische Rohstoffe, das Förderabkommen mit Drittstaaten bündeln und Importabhängigkeiten abbauen soll. Deutschland, dessen Automobilindustrie durch den Einbruch bei Magneten besonders betroffen ist, hatte im Mai als erstes G7-Land öffentlich Alarm geschlagen. Macron hat „Reduzierung globaler Ungleichgewichte” als Schwerpunktthema ausgerufen. Die Seltene-Erden-Krise steht dabei im Mittelpunkt.

Selenskyj: Präsenz ohne bilateralen Handschlag

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reist am 16. Juni nach Évian, um an einem Arbeitstreffen unter dem Titel „Frieden und Sicherheit für die Ukraine und Europa aufbauen” teilzunehmen. Ein bilaterales Gespräch mit Trump ist nicht bestätigt. Selenskyj will auf dem Gipfel klären, wie nah die USA einer neuen Runde von Sanktionen gegen Russland sind.

Die fehlende bilaterale Begegnung ist ein Signal: Kiew hat in Washington an Priorität verloren, seit der Iran-Krieg die Agenda dominiert. Macron betonte am 10. Juni ausdrücklich, Selenskyjs Anwesenheit sei „sehr wichtig”, um den G7-Konsens für die Ukraine zu erhalten. Ohne ein sichtbares Ergebnis für Kiew riskiert der Gipfel das Signal, dass Europa die Ukraine-Unterstützung fortan alleine trägt.

Drei Tage für drei Krisen

Der Gipfel dauert bis zum 17. Juni. Trump reist am Montag nach Évian. Er verfolgte am Sonntagabend noch einen MMA-Kampf zu seinem Geburtstag, was auch die G7-Eröffnung um einen Tag nach hinten verschob.

Drei Fristen laufen aufeinander zu: Ein Iranabkommen, das theoretisch noch vor oder während des Gipfels unterzeichnet werden könnte, aber durch die Beirut-Angriffe erneut fraglich wurde. Die Zollklippe am 24. Juli, die jetzt eine politische Nachfolgelösung braucht. Und eine chinesische Rohstoffdrosselung, die anhält, solange keine koordinierte G7-Gegenstrategie Pekings Kalkül verändert. Ob drei Tage am Genfer See für alle drei Fragen eine Antwort liefern, ist offen. Aber alle drei verlangen eine Entscheidung.

Quellen (15)

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