
GRU-Agenten planten Anschlag auf Leipzig-Flughafen
Quellen (8)
- Tagesspiegel: GRU-Verbindungtagesspiegel.de
- t-online: DNA-Spur GRUt-online.de
- Tagesspiegel: Konsulat Bonn Schaltstelletagesspiegel.de
- ZDF: Goethe-Institut Schließungzdfheute.de
- Die Welt: Drohnen-Sabotage Rekonstruktionwelt.de
- Tagesschau: Drohnenvorfall Leipzigtagesschau.de
- n-tv: Kreml-Agenten Leipzign-tv.de
- Euronews: Drone attack Leipzig GRUeuronews.com
Am 4. August entschärften Beamte am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff beladene Drohne, die auf eine ukrainische Antonow-Frachtmaschine zielte. Sechs Wochen später haben deutsche Ermittler Spuren zu zwei Männern aus dem Umfeld des russischen Militärgeheimdienstes GRU gezogen. Die Konsequenz: Das russische Generalkonsulat in Bonn muss bis zum 18. September schließen.
Die Spur führt zum GRU
Der Anschlag am 4. August war präzise geplant. Eine mit Sprengstoff beladene Drohne wurde im gesicherten Bereich des Flughafens nahe einer ukrainischen Antonow-Transportmaschine entdeckt und entschärft. Eine zweite Drohne kollidierte nach Medienberichten möglicherweise mit einem DHL-Frachtflugzeug; eine offizielle Bestätigung steht aus, eine dritte wurde zusammen mit weiterem Sprengstoff in einem Feld in Sachsen-Anhalt sichergestellt.
Die Ermittlungen führen direkt zum russischen Militärgeheimdienst GRU. Laut Berichten von Tagesspiegel und Welt am Sonntag sind zwei Männer identifiziert: der Russe Oleg L. und der Weißrusse Andrei K. Oleg L. soll die Logistik des Anschlags organisiert haben und wird von deutschen Sicherheitsbehörden dem GRU zugerechnet. Er reiste über die Türkei nach Deutschland ein und verließ das Land kurz nach dem Anschlag über den Flughafen Berlin-Brandenburg in Richtung Serbien, obwohl den deutschen Behörden seine Verbindung zum GRU-Umfeld laut Medienberichten bereits bei der Einreise bekannt war.
An der Antennen-Konstruktion, die zur Steuerung der Drohne diente, fanden Forensiker Handschuhspuren mit DNA-Rückständen. Diese Spuren waren bereits in Finnland und Litauen registriert, wo Andrei K. Vorstrafen wegen Diebstahls und anderer Vergehen aufweist. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion.
Das Konsulat als Geheimdienstbasis
Deutschlands Reaktion auf die GRU-Verbindung fiel deutlich aus. Das Auswärtige Amt unter Außenminister Johann Wadephul schloss das russische Generalkonsulat in Bonn mit einer Frist bis zum 18. September 2026. Der Tagesspiegel berichtete, dass das Konsulat als Schaltstelle für Geheimdienstaktivitäten gedient habe: 15 bis 20 unter Diplomatendeckmantel operierende Agenten der Dienste SWR, FSB und GRU sollen dort tätig gewesen sein. Nach Angaben europäischer Diplomaten richtete sich die Arbeit des Konsulats gegen Benelux-Staaten, EU-Institutionen und das NATO-Hauptquartier in Belgien.
Außenminister Wadephul und Innenminister Alexander Dobrindt hatten Russland bereits Mitte August öffentlich für den Anschlag verantwortlich gemacht und den russischen Botschafter einbestellt. Die Schließung des Konsulats ist die bisher schärfste diplomatische Konsequenz, die Deutschland aus dem Anschlag zog.
Moskaus Gegenschlag: Goethe-Institute und Konsulat
Russland ließ die Schließung nicht ohne Antwort. Moskau ordnete die sofortige Schließung aller Goethe-Institute in Russland an und verpflichtete die Mitarbeiter zum Verlassen des Landes bis zum 13. September. Zusätzlich wurde das deutsche Generalkonsulat in Sankt Petersburg mit der gleichen Frist wie das Bonner Konsulat geschlossen. Die ZDF-Korrespondenz berichtete, dass Russland damit jahrzehntelange Kulturarbeit in einem Schritt beendet, die das Goethe-Institut als Brücke zwischen beiden Gesellschaften aufgebaut hatte.
Warum Leipzig? Der logistische Knotenpunkt
Dass der GRU ausgerechnet Antonow-Maschinen in Leipzig ins Visier nahm, ist kein Zufall. Der Flughafen Leipzig/Halle ist einer der zentralen Logistikknoten für westliche Militär- und Hilfslieferungen in die Ukraine. Die ukrainischen Frachtmaschinen werden genutzt, um Material für die Verteidigung zu transportieren. Der Anschlag hätte nicht nur Menschenleben gefährdet, sondern eine für die Ukraine militärisch bedeutsame Transportroute getroffen.
Der Fall Leipzig steht in einer Reihe von Sabotageaktionen, die russischen Diensten zugeschrieben werden: Brandstiftungen in Lagerhäusern, Störungen von Rüstungslieferketten und Infrastrukturschäden in mehreren europäischen Ländern. Zehn Ostseeanrainer gründeten Ende August eine gemeinsame Taskforce gegen genau dieses Muster.
Bis zum 18. September: Frist läuft
Für beide Konsulate läuft am 18. September die Schließungsfrist ab. Ob die diplomatische Eskalation damit endet, ist ungewiss. Deutschland signalisierte, dass weitere Maßnahmen möglich sind. Innenminister Dobrindt forderte engere europäische Koordination bei der Überwachung russischer Geheimdienstaktivitäten auf NATO-Gebiet.
Oleg L. und Andrei K. befinden sich nach aktuellem Stand nicht in deutschem Gewahrsam. Ob Auslieferungsbegehren an Serbien oder andere Staaten gestellt werden, teilten die Behörden nicht mit. Russland liefert eigene Staatsangehörige grundsätzlich nicht aus.
Aktualisierungen
Korrektur 17. September, 19:41 Uhr: Zwei Angaben präzisiert. Die Kollision einer Drohne mit einem DHL-Frachtflugzeug ist bislang nur von Medien berichtet und von Ermittlern nicht bestätigt; die Zuschreibung an Ermittlerangaben war zu fest. Ergänzend: Moskaus Schliessung der Goethe-Institute erfolgte als Reaktion auf das Aus für das Russische Haus in Berlin, nicht auf die Schliessung des Bonner Konsulats.
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