Grüne Meeresschildkröte nicht mehr gefährdet
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Grüne Meeresschildkröte nicht mehr gefährdet

Die IUCN hat die Grüne Meeresschildkröte von 'Gefährdet' direkt auf 'Nicht gefährdet' hochgestuft und dabei Zwischenstufen übersprungen. Die globale Population wuchs seit den 1970er Jahren um 28 Prozent. Der Erfolg basiert auf konsequentem internationalem Schutz über Jahrzehnte.

27. Mai 2026, 16:41 Uhr 520 Wörter · 3 Min. Lesezeit

Jahrzehntelang galten Grüne Meeresschildkröten als gefährdete Art, deren Überleben von konsequentem Schutz abhing. Ende 2025 zog die Weltnaturschutzunion IUCN die Konsequenz: Sie stufte die Art von "Endangered" direkt auf "Least Concern" herab und übersprang dabei die Zwischenstufen "Vulnerable" und "Near Threatened". Seit den 1970er Jahren ist die globale Population der Grünen Meeresschildkröte um 28 Prozent gewachsen. Dieser Stufensprung ist keine Selbstverständlichkeit: Die IUCN übersprang gleich zwei Kategorien, weil die Erholung als stabil und breit genug gilt.

Vom Rand des Aussterbens: ein halbes Jahrhundert Niedergang

Um 1900 bevölkerten Grüne Meeresschildkröten (Chelonia mydas) die tropischen und subtropischen Meere in großer Zahl. Im 20. Jahrhundert brachen die Bestände ein: Fleisch und Eier galten als Delikatesse, Brutstränder wurden bebaut, Schleppnetze fingen Schildkröten als ungewollten Beifang. In den 1970er Jahren zählten Wissenschaftler an wichtigen Brutstränden nur noch Bruchteile der historischen Nistdichten. Die IUCN stufte die Art als gefährdet ein, die USA listeten mehrere regionale Populationen 1978 unter dem Endangered Species Act. In Tortuguero an der Küste Costa Ricas, dem weltweit bedeutendsten Karibik-Brutstrand dieser Art, waren die Bestände auf historische Tiefststände gefallen.

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Die Wende: Schutzgesetze und ein entscheidendes Gerät

Das Umsteuern begann in den 1970ern mit internationalen Abkommen, die Handel und Jagd einschränkten. Der technisch bedeutendste Schritt kam 1989: Die USA machten sogenannte Turtle Excluder Devices (TEDs), Klappen in Schleppnetzen die Schildkröten passieren lassen, für heimische Trawler zur Pflicht. Laut NOAA-Daten reduzierten die Geräte die jährlichen Beifangverluste von rund 71.000 auf unter 4.600 Tiere, eine Senkung um 94 Prozent. Auf 97 Prozent schätzt NOAA die Effektivität der Klappen bei korrektem Einbau. Parallel wurden Brutstrände unter Schutz gestellt und bewacht sowie künstliches Licht, das Schildkröten beim Nisten stört, reguliert. An mexikanischen Brutstränden stieg die jährliche Nestanzahl zwischen 1984 und 2023 um 134 Prozent.

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Im Vergleich: Tier-Comebacks durch konsequenten Schutz

Das Comeback der Grünen Meeresschildkröte steht in einer Reihe mit anderen Arten, die durch gezielten Schutz vom Rand des Aussterbens zurückgebracht wurden. Der Iberische Luchs zählte 2002 noch weniger als 100 Individuen in Spanien und Portugal; 2024 waren es laut IUCN über 2.000. Der Bartgeier, in den Alpen 1913 ausgerottet, wird seit 1986 wiederangesiedelt; heute fliegen über 300 Tiere frei. Der Buckelwal erholte sich nach einem internationalen Walfangstopp 1986 ohne gezielte Wiederansiedlung: von schätzungsweise 5.000 auf heute über 80.000 Tiere. Was diese Erfolge verbindet: Der Schutz musste international koordiniert werden. Keine Schildkröte und kein Wal erholt sich, wenn ein wichtiges Transitland oder Nistland das Abkommen unterläuft.

Was den Erfolg noch gefährdet

Die IUCN-Herabstufung ist keine Entwarnung. Vier von elf regional definierten Populationssegmenten sind weiterhin rückläufig. Florida, das flächenmäßig bedeutendste US-Brutgebiet, listet seine lokale Population weiterhin als gefährdet unter dem Endangered Species Act. Drei strukturelle Risiken bleiben bestehen. Plastik in den Weltmeeren landet in Schildkrötenmägen und blockiert die Verdauung. Der Klimawandel erhöht die Sandtemperaturen an Brutstränden und verändert das Geschlechterverhältnis der Schlüpflinge: Wärmerer Sand produziert mehr Weibchen, bei starker Erwärmung droht eine einseitige Zusammensetzung, die langfristig das Reproduktionspotenzial senkt. Und Beifang in der Fischerei ist außerhalb US-regulierter Gewässer weiterhin kaum kontrolliert. Die Erholung ist real und messbar. Sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger staatlicher Regulierung und internationaler Zusammenarbeit, nicht eines einmaligen Eingriffs und sie bleibt fragil, sobald diese Rahmenbedingungen wegfallen.

Quellen (6)

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