Hormus: Frühestens Ende Juli wieder offen für Schiffe
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Hormus: Frühestens Ende Juli wieder offen für Schiffe

Das Friedensabkommen ist digital unterschrieben, doch an der Straße von Hormus hat sich noch nichts geändert. Experten schätzen die Minenräumung auf 40 bis 50 Tage Mindestdauer, das Pentagon intern auf bis zu sechs Monate. Kriegsrisikoversicherungen kosten zwanzigmal mehr als vor dem Krieg.

16. Juni 2026, 12:36 Uhr 1048 Wörter · 6 Min. Lesezeit

Der Ölpreis spürte das Abkommen bereits am nächsten Morgen: Brent Crude fiel am Montag um fast fünf Prozent auf unter 83 Dollar je Barrel. An der Meerenge änderte sich dagegen nichts. Trump hatte nach der elektronischen Unterzeichnung des Friedensmemorandums versprochen, die Straße von Hormus öffne vollständig am Freitag. Minenräumexperten sagen: Dafür braucht es 40 bis 50 Tage.

Was am Sonntag unterschrieben wurde

Trump und JD Vance signierten das Memorandum of Understanding am 15. Juni elektronisch von Washington aus; Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf unterzeichnete für die iranische Seite. Es handelt sich um eine rechtsverbindliche Signatur, keine symbolische Geste. Die formelle Übergabe mit physischer Unterschrift soll am Freitag, dem 19. Juni, in der Schweiz stattfinden. Vance soll erscheinen, Trump erklärte, er "könnte auch dabei sein".

Das Abkommen verpflichtet Iran, alle Minen aus der Straße von Hormus binnen 30 Tagen zu räumen, alle Militäroperationen sofort einzustellen und den Schiffsverkehr ohne Transitgebühren zu öffnen. Die USA heben die Seeblockade iranischer Häfen auf, lockern Sanktionen gegen iranische Ölexporte und geben eingefrorene Auslandsvermögen frei. Das Nuklearprogramm bleibt ausgeklammert; ein 60-tägiges Verhandlungsfenster soll es separat behandeln. Die offenste Frage dabei: rund 440 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran, das Iran vor Kriegsbeginn angehäuft hatte und das seitdem ohne IAEA-Kontrolle lagert.

Dreißig Tage Versprechen, 40 bis 50 Tage Minimum

An der Minenlage ändert das Abkommen zunächst nichts. Fünf westliche maritime Sicherheitsexperten, die gegenüber der Claims Journal und Reuters Stellung nahmen, schätzen, dass die Operation durch Räumboote und Unterwasserdrohnen 40 bis 50 Tage dauert, bevor Reedereien und Versicherungsgesellschaften genug Vertrauen hätten, ihre Schiffe durchzuschicken. Das Pentagon hatte dem Kongress im April in einem internen Lagebericht mitgeteilt, eine vollständige Räumung dauere selbst mit drei parallel eingesetzten Schiffen bis zu sechs Monate.

Rund 20 Minen werden derzeit in der Meerenge vermutet. Irans Minenvorrat zählte vor dem Krieg in die Tausende. Ob nach einer einseitigen iranischen Räumung wirklich alle Minen beseitigt sind, lässt sich nur durch unabhängige Überprüfungen feststellen. Das Memorandum regelt nicht, wer diese Überprüfung übernimmt, nach welchen Standards sie erfolgt und welche Konsequenzen Abweichungen haben.

Trump sagte am Sonntagabend, die Meerenge werde am Freitag für alle Schiffe vollständig geöffnet sein. Eine physikalische Minenräumung ist in vier Tagen nicht möglich. Der Rohölmarkt reagierte trotzdem: Brent Crude, das im Verlauf des Konflikts auf rund 109 Dollar geklettert war, fiel am Montag um fast fünf Prozent auf 82,97 Dollar je Barrel. Es war der tiefste Stand seit frühem März. Die Preisbewegung spiegelt politische Erwartungen, keine gelieferten Mengen.

Die Versicherungshürde: Zwanzigfach teurer als vor dem Krieg

Selbst wenn Minen geräumt und Korridore als sicher ausgewiesen wären, bliebe die Versicherungshürde. Kriegsrisikoprämien für Schiffe in der Region stiegen nach Angaben des Fachdienstes Investing Live von rund 0,25 Prozent des Schiffswertes vor dem Krieg auf bis zu 5 Prozent. Das ist eine Verzwanzigfachung. Versicherungsmärkte reagieren auf tatsächliche Schadensverläufe, nicht auf politische Erklärungen. Monate nachgewiesener sicherer Transits sind nötig, bevor Underwriter die Prämien deutlich zurückführen.

Das erzeugt ein strukturelles Problem: Reedereien warten auf günstigere Prämien, bevor sie Schiffe losschicken. Versicherer senken Prämien erst, wenn Schiffe unbeschadet durch die Meerenge gefahren sind. Dieser Kreislauf löst sich nicht in Tagen auf.

1.550 Schiffe, 22.500 Seeleute: Die Warteschlange

US-General Dan Caine, Vorsitzender der Generalstabschefs, bestätigte am 5. Mai auf einer Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Pete Hegseth, dass 1.550 kommerzielle Schiffe mit 22.500 Seeleuten in und rund um den Persischen Golf blockiert waren. Die Operation Project Freedom hatte bis Ende Mai einige Konvois befreit; eine aktualisierte Gesamtzahl wurde seitdem nicht öffentlich bekannt gegeben.

Durch die Straße von Hormus flossen in normalen Zeiten rund 20 Prozent des weltweiten Ölangebots, etwa 17 bis 21 Millionen Barrel täglich. Seit dem Kriegsbeginn am 28. Februar 2026 passierten nach Schätzungen nur 21 Tanker die Meerenge, verglichen mit 130 bis 140 Schiffen täglich zuvor. Matt Wright, leitender Frachtanalyst bei der Datenplattform Kpler, schätzt, dass in den ersten 30 Tagen nach einem glaubwürdigen Abkommen 12 Tanker täglich die Meerenge passieren könnten, etwa 50 Prozent des Vorkriegsniveaus. Lars Barstad, Vorstandschef des Öltankerkonzerns Frontline, hat selbst fünf Tanker im Persischen Golf festsitzen. Ein vollständiger Wiederanlauf auf Vorkriegsniveau werde in naher Zukunft nicht eintreten, sagte Barstad.

Ende Juli als frühestmöglicher Startpunkt

Wenn die iranische Minenräumung am 16. Juni beginnt und die vorsichtige Experteneinschätzung von 40 Tagen gilt, wäre Ende Juli der frühestmögliche Zeitpunkt, zu dem kommerzieller Schiffsverkehr wieder regulär durch Hormus fährt. Das setzt voraus, dass Iran vorbehaltlos und transparent räumt, unabhängige Beobachter die Ergebnisse bestätigen und die Versicherungsmärkte schneller reagieren als historisch üblich. Ein vollständiger Wiederanlauf auf Vorkriegsniveau erwarten Analysten erst gegen Ende 2026.

Beim G7-Gipfel in Évian-les-Bains, der noch bis Mittwoch andauert, ist Iran nicht vertreten. Wie die Überprüfung der Minenräumung praktisch organisiert wird, wer den Auftrag erhält und was bei Abweichungen passiert, sind Fragen, die das Memorandum offen lässt und die in Genf am Freitag oder in den folgenden 60 Tagen der Nukleargespräche geklärt werden müssen.

Update 17. Juni, 03:12 Uhr: Deutschland positioniert sich als möglicher Teilnehmer der Minenräumung: Außenminister Johann Wadephul erklärte, die Minenräumboote Fulda und Mosel seien bereits im östlichen Mittelmeer vorpositioniert und könnten in die Hormusregion verlegen. Eine Beteiligung sei an drei Bedingungen geknüpft: Sowohl die USA als auch Iran müssten einverstanden sein, außerdem brauche Deutschland eine internationale Rechtsgrundlage, entweder eine UN-Resolution oder einen EU-Beschluss, sowie ein Bundestagsmandat. Iran und USA planen, den offiziellen Beginn der Minenräumoperationen unmittelbar nach der physischen Unterzeichnung des Friedensabkommens am 19. Juni in Genf zu starten. Der libanesische Präsident Joseph Aoun begrüßte das Abkommen unterdessen in einem Telefonat mit Irans Außenminister Abbas Araghchi und äußerte die Hoffnung, es werde zu Stabilität in der Region und zur Wahrung der libanesischen Souveränität beitragen.

Update 17. Juni, 23:10 Uhr: Die formelle Unterzeichnungszeremonie in Genf am 19. Juni ist nach Angaben des iranischen Außenamtssprechers Esmail Baghaei abgesagt worden. Die Verhandlungsteams reisen dennoch in die Schweiz, um die technischen Gespräche der 60-tägigen Nachverhandlungsphase aufzunehmen. Das MoU gilt als rechtsgültig, da beide Seiten es bereits am 15. Juni elektronisch unterzeichnet haben. Zugleich entsteht eine Lücke in Trumps Versprechen abgabefreier Durchfahrt: Das Abkommen verbietet laut seinem offiziell veröffentlichten Text Transitgebühren, nicht jedoch Servicegebühren. Irans Parlament hat eine entsprechende Gebührenordnung für Navigation, Umweltschutz und Versicherungsleistungen bereits im März 2026 kodifiziert. Irans Außenminister Araghchi bestätigte, Iran werde Gebühren für erbrachte Dienstleistungen erheben. Reedereien müssen diese Kosten in ihre Kalkulationen einpreisen, wenn die Minenräumung abgeschlossen ist.

Quellen (15)

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