
Huthi-Offensive: Waffenstillstand im Jemen faktisch gebrochen
Quellen (10)
- Al Jazeeraaljazeera.com
- CNNcnn.com
- Bloombergbloomberg.com
- The War Zonetwz.com
- Long War Journallongwarjournal.org
- taztaz.de
- ORForf.at
- t-onlinet-online.de
- Tagesspiegeltagesspiegel.de
- Arab Center DCarabcenterdc.org
Am Donnerstagmorgen, dem 6. August 2026, feuerten Huthi-Einheiten aus der jemenitischen Provinz al-Dschauf acht ballistische Raketen und eine unbekannte Anzahl von Drohnen auf Lager der jemenitischen Regierungstruppen in den Provinzen Marib und Hadramaut. Nach Angaben des jemenitischen Verteidigungsministeriums wurden 17 Soldaten und Offiziere getötet, Dutzende weitere verletzt. Inoffizielle Quellen sprechen von bis zu 30 Toten. Es war die größte Einzeloperation der Huthis seit dem UN-Waffenstillstand vom April 2022. Zwei Tage später meldete der Huthi-Militärsprecher Jahja Saree, eine Drohne habe das Hauptradar des Flughafens Nadschran im Südwesten Saudi-Arabiens getroffen. Der Betrieb sei beeinträchtigt worden. Saudi-Arabien bestätigte den Angriff zunächst nicht.
Was der Waffenstillstand von 2022 überstanden hatte
Der UN-Waffenstillstand zwischen den Huthis und der saudi-arabisch geführten Koalition trat am 2. April 2022 in Kraft und wurde mehrfach verlängert. Er blieb in der Praxis funktionsfähig, obwohl beide Seiten ihn formal nie zu einem dauerhaften Frieden ausbauten. Das Abkommen überstand vier turbulente Jahre: die Beteiligung der Huthis am Angriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023, eine 18-monatige Kampagne gegen den Schiffsverkehr im Roten Meer, zwei US-Militärkampagnen im Jahr 2025 gegen Huthi-Stellungen und den Ausbruch des Irankriegs im Februar 2026.
Die Stabilität hatte pragmatische Gründe. Riad wollte aus einem Krieg heraus, den die Koalition trotz immensem Ressourceneinsatz nicht gewinnen konnte. Die Huthis wollten die saudi-arabische Seeblockade beendet, Beamtengehälter gezahlt und internationale Anerkennung ihrer Kontrolle über Nordjemen. Die gegenseitige Zurückhaltung war keine Zuneigung, sondern ein Erschöpfungsgleichgewicht.
Der Juli als Wendepunkt
Mit dem Ausbruch des Irankriegs im Februar 2026 und der darauffolgenden Sperrung der Straße von Hormus veränderte sich die Kalkulation der Huthis grundlegend. Als Irans bewaffneter Arm im Jemen wurden sie zum operativen Werkzeug einer breiteren Druckstrategie gegen Saudi-Arabien und den Westen. Am 20. Juli 2026 erklärten die Huthis eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien und griffen in den folgenden Wochen saudi-arabische Tanker und Ölanlagen an. Am 25. Juli traf eine Huthi-Drohne erstmals seit dem Wiederaufflammen des Konflikts eine Aramco-Raffinerie auf dem saudischen Festland: das Werk in Jazan mit einer Tageskapazität von 400.000 Barrel.
Saudi-Arabien reagierte mit Vergeltungsschlägen gegen Huthi-kontrolliertes Terrain, darunter den Hafen von Hudaida. Damit war die gegenseitige Zurückhaltung, die den Waffenstillstand vier Jahre lang getragen hatte, faktisch aufgegeben. Die Offensive vom 6. August war die militärische Bestätigung dieses Endes.
Warum Saudi-Arabien in der Zwickmühle steckt
Riad steht vor einem Dilemma, das durch den Irankrieg schärfer geworden ist. Saudi-Arabien hat kein Interesse daran, offen auf der Seite der USA und Israels in den Irankonflikt hineingezogen zu werden. Das Königreich unterhält Ölhandelsbeziehungen mit China, führt Gespräche mit Teheran über bilaterale Entspannung und fürchtet, dass eine frontale Parteinahme die internen politischen Spannungen schürt. Gleichzeitig kann Riad Huthi-Angriffe auf eigenes Territorium nicht unbeantwortet lassen, ohne das Ansehen der Monarchie intern zu beschädigen.
Laut Berichten des Long War Journal evaluiert Saudi-Arabien militärische Optionen, darunter eine Bodenoperation durch jemenitische Regierungskräfte, die von saudi-arabischer Luftunterstützung begleitet werden würde. Parallel dazu führt Riad nach Angaben informierter Quellen Gespräche mit den Huthis über den omanischen Vermittler, obwohl das Königreich solche Kontakte öffentlich bestreitet. Es ist das klassische Muster: nach außen hart, nach innen nach Auswegen suchen.
Was der Jemen für die Hormus-Verhandlungen bedeutet
Die Eskalation im Jemen ist kein isoliertes Phänomen. Die Huthis dienen Iran als strategisches Druckmittel in den Verhandlungen über die Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Solange Teheran keine befriedigende Einigung mit den USA erzielt hat, hat es einen Anreiz, die Huthis als aktiven Störfaktor zu halten. Katar, Pakistan und Oman vermitteln zwischen Washington und Teheran, aber die Verhandlungen stocken. Die Hormus-Straße ist seit Februar 2026 für den Großteil des internationalen Handels blockiert. Hinzu kommt die Meerenge Bab al-Mandab am Ausgang des Roten Meeres: Sollten die Huthis auch dort wieder systematisch Schiffe angreifen, käme es zu einer doppelten Blockade zweier der wichtigsten Schifffahrtskorridore der Welt.
Schätzungen der Internationalen Energieagentur zufolge passieren normalerweise rund 20 Millionen Barrel Öl täglich durch Hormus und sechs Millionen durch Bab al-Mandab. Beide gleichzeitig zu blockieren, wäre für die Weltwirtschaft eine Zäsur ohne modernen Präzedenzfall.
Bis zur nächsten Vermittlungsrunde in Maskat
Für die nächsten Tage ist eine weitere Gesprächsrunde zwischen Huthi-Vertretern und omanischen Vermittlern in Maskat geplant, wie mit der Situation vertraute Quellen Al Jazeera mitgeteilt haben. Ob Saudi-Arabien inoffiziell an diesem Format beteiligt ist, bleibt unklar. Der UN-Sondergesandte für Jemen, Hans Grundberg, rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf und warnte vor einer humanitären Eskalation in den ohnehin schon verheerend unterversorgten Gebieten Nordwestjemens. Die Antwort der Huthis bestand vorerst darin, weitere Angriffe auf saudi-arabische Ziele anzudrohen, sollte Riad die Drohnenflüge über Huthi-Territorium nicht einstellen.
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