Huthis erklären Seeblockade gegen Saudi-Arabien
Der Brent-Ölpreis kletterte am Montag auf 91,42 Dollar je Barrel, den höchsten Stand seit dem 11. Juni. Den Ausschlag gab eine Erklärung, die Huthi-Militärsprecher Yahya Saree früh am Morgen verbreitete: eine sofortige maritime Blockade gegen Saudi-Arabien, wirksam ab dem Augenblick der Ankündigung. Schließen die Rebellen die Meerenge Bab al-Mandeb, kämen zu den bereits bestehenden Hormuz-Störungen weitere sieben Prozent des globalen Ölangebots hinzu.
13. Juli: Der Flughafen von Sanaa
Die Eskalation begann mit einem präzisen Angriff am 13. Juli. Kräfte der jemenitischen Gegenregierung, die von Saudi-Arabien gestützt wird, griffen den Flughafen Sanaa an, als ein iranisches Flugzeug mit einer Huthi-Delegation im Anflug war. Die Delegation kehrte aus Teheran zurück, wo sie an den Trauerzeremonien für den im Februar getöteten Obersten Führer Ali Chamenei teilgenommen hatte.
Die Huthis machten Saudi-Arabien direkt verantwortlich. Ein Huthi-Funktionär formulierte die Konsequenz unmissverständlich: „Ihre Bereitschaft, den Flughafen Sanaa anzugreifen, gibt Jemen das Recht, ihre Flughäfen anzugreifen und sie zu belagern, genau wie sie es uns getan haben.“ Riad bestritt eine direkte Beteiligung; die jemenitische Gegenregierung reklamierte die Aktion als eigenständige Operation.
Die erste Reaktion: Raketen auf Abha
Noch in der Nacht auf den 14. Juli antworteten die Huthis mit ballistischen Raketen und Drohnen auf den Flughafen Abha im Süden Saudi-Arabiens. Nasruddin Amer, stellvertretender Leiter des Huthi-Medienbüros, kündete auf X an, die Meerenge Bab al-Mandeb werde als Reaktion auf Riads „ungerechte Blockade Jemens seit über zehn Jahren“ gesperrt. Laut The Times of Israel war dies die schwerste Huthi-Aktion gegen Saudi-Arabien seit Jahren und markierte das faktische Ende der Deeskalationsphase, die seit dem Waffenstillstand 2023 gehalten hatte.
Zwischen dem 14. und dem 20. Juli wiederholten Huthi-Sprecher die Drohung in mehreren Statements. Yahya Saree ließ am Montag in einer Videobotschaft keinen Spielraum: „Wir bekräftigen das Recht unseres Volkes, die Blockade mit einer Blockade zu beantworten.“ Die maritime Sperre gegen Saudi-Arabien gelte ab sofort. Gleichzeitig warnte Amer Fluggesellschaften davor, saudi-arabischen Luftraum zu nutzen, bis die „Blockade des Flughafens Sanaa“ aufgehoben sei.
20. Juli: Sofortige maritime Blockade
Was genau gesperrt werden soll, beschrieb Saree präzise: Schiffe unter saudischer Flagge oder mit Kurs auf saudische Häfen. Ob und wie die Huthis eine solche Blockade an Bab al-Mandeb praktisch durchsetzen können, bleibt eine offene Frage. Die Rebellen haben in den vergangenen Jahren wiederholt Schiffe im Roten Meer beschossen und geentert, ohne vollständige maritime Kontrolle der Meerenge zu besitzen.
Unabhängig von der praktischen Durchsetzbarkeit ist die Signalwirkung erheblich. Die Ankündigung trifft auf Reedereien, die nach Monaten unter Druck im Iran-USA-Konflikt bereits auf alternative Routen ausgewichen sind. Zusätzliche Risiken im Roten Meer könnten zu weiteren Umleitungen über Kap der Guten Hoffnung führen, was Lieferzeiten nach Europa um zwei bis drei Wochen verlängert.
Bab al-Mandeb: Saudi-Arabiens letzte funktionierende Ölroute
Bab al-Mandeb ist 26 Kilometer breit und liegt zwischen Jemen und Dschibuti. Täglich passiert nach NBC News ein Anteil von rund zwölf Prozent des gesamten Welthandels durch diese Meerenge. Saudi-Arabiens Exportterminal Yanbu am Roten Meer hängt von dieser Route ab: Schätzungsweise 70 bis 75 Prozent von Riads Rohölexporten laufen über Bab al-Mandeb.
Die Drohung kommt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt für die Märkte. Durch den seit Februar 2026 anhaltenden Krieg zwischen USA und Iran passieren nach MarineTraffic-Daten noch sechs Handelsschiffe täglich die Straße von Hormus; vor dem Krieg waren es täglich rund 110. CNBC schätzte die damit verbundene Einschränkung bereits auf zehn Prozent der globalen Ölversorgung. FXStreet bezeichnete die Saudi-Route über Bab al-Mandeb als „die letzte noch voll funktionierende Exportroute“ der Region. Eine vollständige Sperrung beider Meerengen zusammen käme nach NBC-Berechnungen auf eine kombinierte Einschränkung von 17 Prozent.
Zwischen Sanaa und dem 16. August
Saudi-Arabien veröffentlichte bis Montagabend keine offizielle Stellungnahme. Diese Zurückhaltung spiegelt Riads Lage: Das unter chinesischer Vermittlung 2023 ausgehandelte Abkommen hat die direkten Kämpfe mit den Huthis beendet; eine offene Reaktion würde diesen Waffenstillstand gefährden. Der Ölmarkt reagierte deutlich schneller als die Diplomatie: Brent stieg auf 91,42 Dollar je Barrel, bevor Berichte über mögliche Wiederaufnahme von US-Iran-Verhandlungen den Kurs auf 88,28 Dollar drückten.
Die USA setzten derweil ihre Luftschläge gegen den Iran fort: neun aufeinanderfolgende Nächte, nach iranischer Zählung 50 Tote im Juli. Das Islamabad-Memorandum, das einen endgültigen Frieden bis zum 16. August ermöglichen sollte, bezeichnet Iran in Reaktion auf die US-Schläge als „suspendiert“. Wer zwischen Saudi-Arabien und den Huthis vermitteln könnte, ist unklar. Oman hat in der Vergangenheit wiederholt zwischen den Jemen-Kriegsparteien interveniert; ob das unter den jetzigen Umständen ausreicht, ist zweifelhaft.
Für Saudi-Arabien bedeutet die Huthi-Erklärung eine erzwungene Wahl: eskalieren oder verhandeln. Auf eine Eskalation fehlt der politische Wille seit 2023. Auf eine rasche Deeskalation fehlt bislang der Vermittler.
Aktualisierungen
Update 22. Juli, 05:07 Uhr: Die am 21. Juli angekündigte Seeblockade ist seither in Kraft. Huthi-Vertreter teilten mit, innerhalb von 24 Stunden sechs Handelsschiffe zur Umkehr gezwungen zu haben; eine unabhängige Bestätigung dieser Angabe liegt nicht vor. Die Kriegsrisikoversicherung für Schiffe im Roten Meer stieg nach Branchenangaben auf rund 0,75 Prozent des Schiffswerts, von zuvor rund 0,3 Prozent vor der Blockade-Ankündigung. Saudi-Arabien bezeichnete die Aktion als flagranten Verstoß gegen das Völkerrecht und als Piraterie. Reedereien bereiten nach Medienberichten Routenanpassungen über das Kap der Guten Hoffnung vor, die Lieferzeiten nach Europa um bis zu drei Wochen verlängern könnten.
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