85-Jähriger Deutscher stirbt in US-Abschiebehaft
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85-Jähriger Deutscher stirbt in US-Abschiebehaft

Ein 85-jähriger Deutscher mit Demenz starb am 24. Juni nach zehn Monaten in US-Immigrationshaft. Es ist der erste deutsche Todesfall unter den ICE-Häftlingen in diesem Jahr. Human Rights Watch dokumentiert, dass die Sterberate unter Trumps zweiter Amtszeit auf fast das Vierfache gestiegen ist.

4. Juli 2026, 12:44 Uhr 771 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Im August 2025 wollte Adrian Andreas F. über einen texanischen Grenzübergang aus Mexiko in die USA einreisen. Er war 85 Jahre alt und besaß keine gültigen Reisedokumente. Was folgte, waren zehn Monate US-Immigrationshaft: erst in einer Reha- und Pflegeeinrichtung, dann im Valley Baptist Medical Center in Harlingen, Texas. Am 24. Juni 2026 starb er dort. Er ist der erste bekannte deutsche Staatsangehörige und der 21. Todesfall in Haft der Einwanderungsbehörde ICE in diesem Jahr.

Was ICE-Gewahrsam bedeutet

ICE steht für Immigration and Customs Enforcement, die US-Behörde, die für die Kontrolle der Einwanderung und die Durchsetzung von Abschiebungsregeln zuständig ist. Wer ohne gültige Dokumente oder mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus aufgegriffen wird, kann in ICE-Gewahrsam genommen werden, auch wenn ein Abschiebungsverfahren noch läuft oder unklar ist, wohin jemand abgeschoben werden soll.

ICE unterhält in den USA rund 200 Hafteinrichtungen, darunter speziell ausgewiesene Detention Centers, aber auch Verträge mit privaten Gefängnissen und Pflegeeinrichtungen. Wer in ICE-Haft sitzt, ist formal nicht verurteilt; die Haft gilt als administrativ, nicht als strafrechtlich. Trotzdem kann sie Monate oder Jahre dauern. Für ältere, kranke oder pflegebedürftige Menschen ist diese Situation besonders gefährlich: Medizinische Überwachung, Entscheidungsstrukturen und Zugangswege zu einer Entlassung unterscheiden sich erheblich von regulärer Gesundheitsversorgung.

Was im Fall von Adrian Andreas F. bekannt ist

Adrian Andreas F. versuchte im August 2025, über einen Grenzübergang in Texas aus Mexiko in die USA einzureisen, ohne gültige Dokumente. Ob er früher in den USA gelebt hatte oder was ihn nach Mexiko geführt hatte, ist aus den verfügbaren Berichten nicht hervorgegangen. ICE verweigerte zunächst die Einreise und behielt ihn in Gewahrsam. Ab dem 4. November 2025 wurde er ins Valley Baptist Medical Center eingeliefert; als dokumentierte Diagnosen wurden Demenz, Bluthochdruck, kognitive Beeinträchtigung und Magengeschwüre festgestellt.

Bis zu seinem Tod am 24. Juni 2026 blieb er formal unter ICE-Gewahrsam, auch wenn er sich in einem Krankenhaus befand. Er ist der 21. Todesfall in ICE-Haft im Jahr 2026 und der erste bekannte deutsche Staatsangehörige in dieser Statistik. ICE hat eine Obduktion angeordnet, deren Ergebnis noch aussteht. Die deutschen Behörden haben sich öffentlich nicht zu dem Fall geäußert.

Verdoppelt, vervierfacht: Die Sterberate unter Trump

Human Rights Watch hat am 25. Juni 2026 einen Bericht zur Entwicklung der Todesfälle in US-Immigrationshaft veröffentlicht. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Sterberate unter Trumps zweiter Amtszeit ist nahezu viermal so hoch wie unter Biden und mehr als zweieinhalbmal so hoch wie in Trumps erster Amtszeit. In den 500 Tagen zwischen dem 20. Januar 2025 und dem 4. Juni 2026 starben 52 Menschen in ICE-Haft.

Die Behörde war in den vergangenen Jahren wiederholt wegen unzureichender medizinischer Versorgung, fehlender Überwachung von Hochrisikopatienten und systematischer Verzögerungen bei der Entlassung kranker Häftlinge kritisiert worden. ICE bestreitet diese Vorwürfe. Die aktuelle Regierung hat die Kapazitäten des ICE-Gewahrsams erheblich ausgebaut: Zum Amtsantritt Trumps im Januar 2025 waren rund 38.000 Menschen in ICE-Haft; Berichte aus dem Frühjahr 2026 sprachen von über 100.000. Das Risiko, in dieser deutlich vergrößerten Infrastruktur ohne ausreichende medizinische Betreuung zu sterben, steigt mit der Auslastung.

Am 4. Juli: Was der Unabhängigkeitstag heute nicht feiert

Der 4. Juli, der 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeitserklärung, ist ein Staatsfeiertag mit Paraden, Feuerwerk und Reden über Freiheit und Menschenwürde. Papst Leo XIV., der erste in den USA geborene Papst, verbrachte den Tag bewusst auf Lampedusa, dem zentralen Anlandepunkt für Migranten im Mittelmeer und zelebrierte dort eine Messe für die Toten, die auf dem Seeweg nach Europa gestorben sind. In einem Brief an die Amerikaner schrieb er, der Schutz des Lebens bedeute auch, Migranten zu empfangen und zu unterstützen, deren Hoffnungen und Beitrag die Geschichte dieses Landes von Beginn an mitgeprägt hätten.

Adrian Andreas F. wird in keiner Rede vorkommen. Er starb zehn Tage vor dem Jubiläum als 21. Todesfall einer Behörde, die in 500 Tagen 52 Menschen verlor. Seine Geschichte ist in deutschen Regionalmedien dokumentiert, kaum in amerikanischen. Die Obduktion steht noch aus.

Quellen (7)

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