Funny-frisch kauft Amerika: 2,9 Milliarden Dollar für Utz Brands
Wirtschaft

Funny-frisch kauft Amerika: 2,9 Milliarden Dollar für Utz Brands

Der Kölner Snackkonzern Intersnack übernimmt den US-Hersteller Utz Brands für rund 2,9 Milliarden Dollar. Mit dem Kauf von Marken wie Utz, Zapp's und Golden Flake wagt Intersnack den ersten Einstieg in den amerikanischen Markt.

22. Juli 2026, 11:04 Uhr 659 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Intersnack, das Kölner Unternehmen hinter Marken wie funny-frisch, Chio und Pom-Bär, übernimmt den US-amerikanischen Snackhersteller Utz Brands und geht dabei tief in die Tasche: 14,25 Dollar je Aktie, insgesamt ein Unternehmenswert von rund 2,9 Milliarden Dollar, ein Aufschlag von 91 Prozent auf den Schlusskurs vom Vortag. Es ist der erste Schritt eines deutschen Mittelstandsunternehmens in den amerikanischen Snackmarkt auf dieser Größenordnung. Der Deal macht Intersnack schlagartig zu einem transatlantischen Konzern.

Wer ist Utz Brands?

Utz wurde 1921 von Bill und Salie Utz in Hanover, Pennsylvania, gegründet, als Kartoffelchips-Manufaktur für den Hausgebrauch. Hundert Jahre später ist daraus eine börsennotierte Holdinggesellschaft geworden: Utz Brands (NYSE: UTZ) erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von rund 1,45 Milliarden Dollar, beschäftigt rund 3.200 Mitarbeiter und verfügt über eine starke Präsenz im Nordosten und Südosten der USA.

Das Markenportfolio ist erheblich breiter als der Name vermuten lässt: Neben der Kernmarke Utz gehören Zapp's (ein Spezialist für Cajun-Chips aus Louisiana), Golden Flake (Süd-USA), On The Border (mexikanische Snacks), Boulder Canyon (Premium-Chips), Hawaiian Kettle Style und die Lizenzmarken TGI Friday's Snacks sowie Bachman zum Konzern. Utz war 2020 über eine SPAC-Transaktion an die Börse gegangen, die Gründerfamilien Rice und Lissette hatten dabei bedeutende Anteile behalten.

Aufschlag von 91 Prozent: die Logik des Deals

Der Aufschlag von 91 Prozent auf den Vorabkurs klingt außergewöhnlich hoch, spiegelt aber eine Marktentwicklung wider: Utz Brands hatte in den vergangenen Jahren mit gestiegenen Rohstoffkosten und hartem Wettbewerb durch PepsiCo und Frito-Lay zu kämpfen, die zusammen rund ein Drittel des US-Snackmarktes kontrollieren. Die Aktie handelte weit unter dem ursprünglichen SPAC-Ausgabepreis. Intersnack zahlte damit nicht 91 Prozent über dem fairen Wert, sondern 91 Prozent über einem deprimierten Börsenkurs.

Die Struktur des Deals ist ein sogenanntes Going Private: Intersnack übernimmt alle ausstehenden börsennotierten Aktien. Die Gründerfamilien Rice und Lissette bleiben als Gesellschafter beteiligt. Dylan Lissette übernimmt nach dem Abschluss den Posten des Executive Chair. Die Aktionäre der Gründerfamilien haben zugesagt, rund 42 Prozent ihrer Stimmrechte für die Transaktion zu votieren. Die Abwicklung soll im vierten Quartal 2026 abgeschlossen sein, sobald Aktionäre und US-Regulierer zugestimmt haben.

Was Intersnack antreibt

Intersnack ist Teil der Pfeifer & Langen-Gruppe, einem Kölner Familienunternehmen, das traditionell in der Zuckerproduktion verwurzelt ist. Mit einem Umsatz von rund 4,29 Milliarden Euro und rund 13.800 Mitarbeitern ist Intersnack die Nummer zwei im europäischen Salzsnackmarkt, hinter PepsiCo. Die Stärken liegen klar in Europa: Tyrrells in Großbritannien, Chio und funny-frisch in der DACH-Region, Whole Earth im Naturkostsegment.

Der US-Markt blieb bislang komplett außen vor. Der amerikanische Snackmarkt gilt als der weltgrößte seiner Klasse und ist entsprechend umkämpft. Eine organische Expansion in den USA aufzubauen dauert Jahre und erfordert Milliardeninvestitionen in Produktion und Logistik. Die Utz-Übernahme gibt Intersnack sofort Produktionskapazitäten, eine etablierte Vertriebsstruktur in US-Supermärkten und ein Markenportfolio, das in regionalen Kernmärkten seit Jahrzehnten verankert ist.

Kritisch einzuwenden ist, dass der US-Markt strukturell anders funktioniert als der europäische: Handelsmarken spielen in den USA eine geringere Rolle, dafür dominiert der Direktvertrieb an große Lebensmittelketten. Utz hat diesen Kanal aufgebaut, muss ihn aber gegen PepsiCo-Frito-Lay verteidigen, die deutlich mehr Marketingbudget einsetzen können. Der US-Gewerkschaftsdachverband UFCW, der im Lebensmittelhandel und in der Lebensmittelproduktion verhandelt, wird bei einem deutschen Eigentümer genau beobachten, ob Arbeitsbedingungen und Tarifverträge erhalten bleiben.

Q4 2026: Aktionäre und Regulierer entscheiden

Die Transaktion steht noch unter einem doppelten Vorbehalt: Die US-amerikanischen Wettbewerbshüter von FTC oder DOJ müssen den Deal genehmigen, was bei einem Marktanteil von Utz von unter fünf Prozent am US-Snackmarkt keine große Hürde sein dürfte. Außerdem müssen die Minderheitsaktionäre von Utz dem Angebot zustimmen; angesichts des Aufschlags von 91 Prozent gilt das als sicher.

Für Intersnack ist der Abschluss mehr als eine Akquisition: Er markiert den Übergang von einem europäischen Nischenführer zu einem globalen Snackkonzern mit Umsätzen auf beiden Seiten des Atlantiks. Die kombinierte Gruppe käme auf einen Pro-forma-Umsatz von rund sieben Milliarden Dollar. Ob Marken wie funny-frisch oder Chio irgendwann im amerikanischen Einzelhandel landen werden, ist noch unklar. Ob die Gründerfamilien in Hanover, Pennsylvania, irgendwann funny-frisch ins Regal stellen werden, bleibt die offene Frage hinter dem Deal.

Quellen (8)

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