USA bomben Brücken und Wasser in Iran: MoU suspendiert
In der Nacht zum 18. Juli bombardierten US-Streitkräfte sechs Brücken in der iranischen Provinz Hormozgan. Acht Menschen starben, zwanzig wurden verletzt. Noch in derselben Nacht traf Raketenbeschuss die Trinkwasseranlage Bonji in der Hafenstadt Jask und schnitt 10.000 Menschen von der Wasserversorgung ab. Iran erklärte das Islamabad-Memorandum für suspendiert und lehnte weitere Verhandlungen ab, solange Angriffe andauerten.
Vom Islamabad-Memorandum zum Infrastrukturkrieg
Am 17. Juni hatten USA und Iran in Islamabad ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, das als erster Schritt zu einem Waffenstillstand galt. Es hielt weniger als vier Wochen. Am 7. Juli beschoss die Iranische Revolutionsgarde (IRGC) erneut Handelsschiffe in der Straße von Hormus: Kreuzfahrtraketen trafen die emiratischen Öltanker Mombasa und Al Bahiyah. Ein indisches Besatzungsmitglied starb, acht weitere wurden verletzt.
Trump erklärte das Memorandum am 8. Juli für beendet und ordnete sofortige Gegenschläge an. CENTCOM führte noch in derselben Nacht Luftangriffe auf über 80 iranische Ziele durch: Küstenradarsysteme, Kommandozentralen der Revolutionsgarde und mehr als 60 Schnellboote. Am 14. Juli reaktivierte die US-Marine die Seeblockade iranischer Häfen, die im Juni kurz aufgehoben worden war. Über das Kharg-Terminal laufen etwa 90 Prozent der iranischen Ölexporte. Die Blockade trifft direkt die staatlichen Einnahmen Teherans.
Brücken in Hormozgan, Wasser in Jask
Trump hatte am 14. Juli in einem Fox-News-Interview angekündigt, in der Woche ab dem 20. Juli iranische Kraftwerke und Brücken zu bombardieren. Er wartete nicht so lange. In der Nacht zum 18. Juli griff CENTCOM sechs Brücken an, die mehrere Städte nahe der Hafenstadt Bandar Abbas miteinander verbinden. Bandar Abbas ist die wichtigste iranische Hafenstadt am Persischen Golf. Acht Menschen starben, zwanzig wurden verletzt, meldete die iranische Staatsagentur IRNA.
Am 18. Juli folgten Angriffe auf die Wasserentsalzungsanlage Bonji in Jask. Die Anlage versorgte 20 Dörfer und Stadtteile. Laut einem lokalen Beamten gegenüber Reuters wurden Pumpen und Versorgungsleitungen so schwer beschädigt, dass die Reparatur Wochen dauern werde.
Für Völkerrechtler markiert das eine bedeutsame Grenze. Angriffe auf zivile Infrastruktur können nach dem humanitären Völkerrecht als Kriegsverbrechen gewertet werden, wenn der Schaden außer Verhältnis zum militärischen Zweck steht. UN-Generalsekretär António Guterres hatte bereits nach Trumps Ankündigung gewarnt, solche Angriffe träfen unweigerlich die Zivilbevölkerung. Die Bundesregierung hat bislang keine öffentliche Stellungnahme veröffentlicht.
Irans Vergeltung und die Monats-Bilanz
Die Revolutionsgarde reagierte mit Drohnen- und Raketenangriffen auf US-Stützpunkte in Bahrain, Kuwait und Jordanien. In Kuwait traf ein Drohnenangriff ebenfalls eine Wasserentsalzungsanlage und schnitt zeitweise 10.000 Haushalte von der Versorgung ab. Teheran warnte, der Krieg werde sich ausweiten.
Laut iranischen Behörden wurden seit dem Ende des Islamabad-Memorandums mindestens 38 Menschen durch US-Angriffe getötet, über 400 verletzt. Seit Kriegsbeginn Ende Februar beziffert Teheran die Gesamtopferzahl auf über 580 Tote auf iranischer Seite. CENTCOM bestätigt diese Zahlen nicht und erklärt, ausschließlich militärische Ziele anzugreifen.
Auch die Golfstaaten geraten unter Druck. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten auf Deeskalation gedrängt, weil die Hormusblockade ihren eigenen Seehandel beeinträchtigt. Die Drohnenangriffe auf kuwaitische Infrastruktur belasten diese Gespräche zusätzlich.
Kein Verhandlungskanal in Sicht
Der iranische Verhandlungsführer Ali Bagheri-Kani erklärte am 18. Juli, das Islamabad-Memorandum sei suspendiert und Iran werde so lange nicht verhandeln, wie Angriffe andauerten. Trump hat keinen neuen Vermittler benannt. Für Ende Juli sind informelle Gespräche auf Schweizer Vermittlung in Genf geplant, bei denen USA und Iran nicht direkt miteinander verhandeln, sondern getrennt mit den Vermittlern.
Ob diese Gespräche nach den Brücken- und Wasserangriffen noch stattfinden werden, ist offen. Was klar ist: Die Angriffe auf zivile Infrastruktur in der bevölkerten Küstenprovinz Hormozgan markieren eine neue Phase. Seit Kriegsbeginn hatte CENTCOM primär militärische Einrichtungen und Schiffskapazitäten im Visier. Zivile Versorgungsanlagen in bewohnten Städten sind ein anderes Eskalationsniveau, das auch die strategische Kalkulation europäischer Partner verändern dürfte.
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