Chamenei begraben: USA wollen weiter mit Iran reden
International

Chamenei begraben: USA wollen weiter mit Iran reden

Ali Chamenei wurde am Samstag in Maschhad begraben, vier Monate nach seiner Tötung. Die USA erklärten unmittelbar danach, trotz jüngster Eskalation weiter mit Iran verhandeln zu wollen. Beides beschreibt denselben Krieg: einen, in dem gleichzeitig geschossen und verhandelt wird.

11. Juli 2026, 21:00 Uhr 931 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Vier Monate und dreizehn Tage nach seiner Tötung ist Ajatollah Ali Chamenei am Samstag begraben worden. Die Zeremonie fand im Imam-Reza-Schrein in seiner Heimatstadt Maschhad im Nordosten des Iran statt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Noch am selben Tag erklärte ein US-Regierungsbeamter, die technischen Gespräche mit Iran liefen weiter. "So stellt sich die Lage dar: Die USA haben in dieser Woche über 80 iranische Militärziele bombardiert, Iran hat drei Tanker in der Straße von Hormus beschossen und gleichzeitig läuft eine diplomatische Frist, die am 16. August ausläuft."

Die Bestattung, auf die vier Monate gewartet wurde

Ajatollah Ali Chamenei wurde am 28. Februar 2026 getötet, als US-amerikanische und israelische Streitkräfte seinen Amtssitz in Teheran angriffen. Neben ihm starben seine Tochter Boshra Chamenei, deren Tochter Zahra Mohammadi Golpayegani, sein Schwiegersohn Mesbah Bagheri Kani und seine Schwiegertochter Zahra Haddad-Adel. Mehr als vier Monate vergingen bis zur Bestattung. Warum so lange: Die Umstände der Beerdigung, der Ort und der Zeitpunkt waren offenbar politisch heikel. Chamenei wurde schließlich im Imam-Reza-Schrein in Maschhad beigesetzt, einem der bedeutendsten schiitischen Wallfahrtsorte im Iran, unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Irans neuer Oberster Führer ist Mojtaba Chamenei, der Sohn des Getöteten. Er soll bei den Angriffen im Februar verwundet worden sein. Seit seiner Ernennung ist er nicht öffentlich aufgetreten und hat ausschließlich über schriftliche Statements kommuniziert. Was er politisch vorhat, ist von außen kaum zu beurteilen. Er führt einen Krieg, den er geerbt hat, aus einer Position heraus, die durch seine Verletzungen und sein Abtauchen geprägt ist.

Das Islamabad-Memorandum und seine 60-Tage-Frist

Am 17. Juni 2026 unterzeichneten Iran und die USA in Islamabad ein Rahmenabkommen, das Memorandum of Understanding. Es sah zwei Dinge vor: eine Absenkung der militärischen Aktivitäten rund um die Straße von Hormus und eine 60-tägige Verhandlungsphase für die härtesten Punkte. Zu diesen Punkten gehören die vollständige Wiederöffnung der Hormusstraße für den internationalen Schiffsverkehr und das iranische Atomprogramm.

Die 60-Tage-Frist läuft am 16. August 2026 aus. Katar und Pakistan vermitteln aktiv. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Axios sind die Vermittler der Ansicht, dass in früheren Gesprächsrunden tatsächlich Fortschritte erzielt wurden, auch wenn das nach außen nicht sichtbar ist. Sie wollen verhindern, dass das Memorandum endgültig scheitert. Nach Chameneis Bestattung sollen jetzt die härtesten Verhandlungspunkte in Angriff genommen werden.

Die Woche, die das Memorandum erschütterte

Am 7. Juli beschoss Irans Revolutionsgarde drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus, darunter den Flüssiggastanker "al-Rekajat" aus Katar. Bloomberg bezeichnete es als den größten Tag militärischer Angriffe auf Schiffe seit Abschluss des Waffenstillstands. Das katarische Außenministerium bestellte Irans Vize-Botschafter Mohsen Ghanei ein und erklärte, Iran trage die volle juristische Verantwortung für den Angriff.

Die USA antworteten mit Luftangriffen auf mehr als 80 iranische Militärziele, darunter Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen und mehr als 60 Boote der Revolutionsgarde in oder nahe der Straße von Hormus. Am 8. Juli erklärte Präsident Donald Trump beim NATO-Gipfel in Ankara, die Waffenruhe sei vorbei. Israelischer Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bekräftigte, der Krieg sei noch nicht vorbei. Verteidigungsminister Israel Katz kündigte an, die Armee sei bereit, Iran ein drittes Mal zu schlagen, mit noch größerer Wucht. Am 10. Juli passierten nur noch 13 Tanker die Hormusstraße, gegenüber 125 bis 140 vor der Krise.

Warum beide Seiten trotzdem weiter reden

Ein US-Regierungsbeamter sagte am Samstag, die Vereinigten Staaten setzten sich weiterhin für eine Lösung ein und die technischen Gespräche liefen weiter. Das ist keine Formel. Die USA haben ein strukturelles Problem: Militärische Schläge allein lösen die Hormusfrage nicht. Iran kann die Meerenge durch Minen, Drohnen und Schiffsraketen immer wieder gefährden, solange keine politische Einigung existiert. Für Washington ist die Diplomatie kein Zeichen von Schwäche, sondern die einzige Route zu einer dauerhaften Lösung.

Iran seinerseits braucht die Verhandlungen, um wirtschaftliche Erleichterungen zu erreichen. Am 17. Juli läuft die US-Sanktionsausnahme für iranisches Öl aus. Ohne Verlängerung würde der Ölexport, eine der wichtigsten Einnahmequellen der Islamischen Republik, massiv eingeschränkt. Dass Iran trotz des laufenden Memorandums weiter schießt, kann als Verhandlungsstrategie gelesen werden: Stärke demonstrieren, um aus einer Position der Stärke heraus zu verhandeln.

Katar ist in diesem Konflikt in einer einzigartigen Lage: gleichzeitig Vermittler und Angriffsziel. Iran beschoss einen katarischen Tanker, Katar bestellte den iranischen Vize-Botschafter ein und vermittelt gleichzeitig aktiv zwischen Washington und Teheran. Für Doha ist das keine Wahl zwischen zwei Optionen. Auf katarischem Boden liegt die US-Luftwaffenbasis Al Udeid, die größte amerikanische Militäranlage im Nahen Osten. Katar kann sich weder aus dem Konflikt heraushalten noch einen der Beteiligten offen vor den Kopf stoßen.

Bis Mitte August: Die härtesten Punkte stehen noch aus

Die Verhandlungen nach der Bestattung sollen nach Angaben von Vermittlern die bislang ausgeklammerten Punkte angehen: vollständige Öffnung der Hormusstraße und das Atomprogramm. Beides betrifft die Kerninteressen aller Beteiligten. Beides wurde in den bisherigen Runden bewusst zurückgestellt.

Eine Komplikation ist Israels Position. Netanjahu hat kein Interesse an einem US-Iran-Deal, der Iran als Regionalmacht stärkt oder das Atomprogramm nur einschränkt, statt es zu beenden. Israel agiert außerhalb des Memorandums und kann die Dynamik durch eigene Militäraktionen jederzeit verändern.

Was geschieht, wenn die Frist am 16. August ohne Ergebnis ausläuft, hat bislang keine Seite klar definiert. Die technischen Gespräche laufen, Chamenei ist begraben und die Straße von Hormus bleibt faktisch geschlossen.

Update 11. Juli, 23:07 Uhr: Nach der Bestattung seines Vaters hat Irans Oberster Führer Mojtaba Chamenei erstmals eine klare Stellungnahme zu seinen politischen Absichten abgegeben. In einem Brief, der im iranischen Staatsfernsehen verlesen wurde, schwor er Rache für den Tod Ali Chameneis und aller Märtyrer der "beiden Kriege" gegen Israel und die USA. Der Brief nennt Berichten zufolge namentliche Zielpersonen. Es ist Chameneis erste öffentliche Aussage mit konkreter Richtungsangabe seit seiner Ernennung zum Obersten Führer im März. Er hatte sich zuvor ausschließlich über kurze schriftliche Erklärungen geäußert.

Quellen (12)

Kommentare