Hormus: Iran billigt 60-Tage-Deal mit Oman
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Hormus: Iran billigt 60-Tage-Deal mit Oman

Die USA, Iran und Oman stehen kurz vor einem 60-Tage-Abkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Revolutionsführer Mojtaba Khamenei hat dem Deal zugestimmt. Er gibt Iran formell mehr Kontrolle über die Meerenge als vor dem Krieg. Trump zögert.

Quellen (18)
  1. Axiosaxios.com
  2. Al Jazeeraaljazeera.com
  3. Euronewseuronews.com
  4. CNNcnn.com
  5. t-onlinet-online.de
  6. Israel Hayom / Axiosisraelhayom.com
  7. Global Village Spaceglobalvillagespace.com
  8. Ynetnewsynetnews.com
  9. The Nationalthenationalnews.com
  10. ZDF Heutezdfheute.de
  11. Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
  12. Handelsblatthandelsblatt.com
  13. CNBCcnbc.com
  14. tagesschautagesschau.de
  15. CNBC: Bessent Iran deal closecnbc.com
  16. ABC News: Iran Oman framework finalizedabcnews.com
  17. Bloombergbloomberg.com
  18. NBC Newsnbcnews.com
5. August 2026, 22:01 Uhr1065 Wörter · 6 Min. Lesezeit

Der DAX kletterte am Mittwoch auf ein neues Rekordniveau, Brent-Rohöl fiel um mehr als fünf Prozent. Der Grund: Iran und Oman haben nach Wochen indirekter Verhandlungen einen 60-Tage-Plan zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus ausgearbeitet, dem Revolutionsführer Mojtaba Khamenei am Dienstag seine Zustimmung gab. Was den Plan politisch heikel macht: Er würde erstmals vertraglich festschreiben, dass Schiffe die nördliche Einfahrtsspur durch iranische Hoheitsgewässer nutzen müssen. Iran ginge damit mit mehr formalem Einfluss über die Meerenge hervor als vor dem Krieg.

Was der Entwurf konkret vorsieht

Das Abkommen teilt die 39 Kilometer breite Meerenge in zwei Spuren. Eingehende Schiffe, die in den Persischen Golf wollen, sollen eine nördliche Route durch iranische Hoheitsgewässer nutzen. Ausgehende Schiffe nehmen eine südliche Route durch omanische Gewässer, koordiniert mit Teheran. Transitgebühren sollen während der 60-tägigen Übergangsphase nicht erhoben werden, obwohl Iran ursprünglich auf solchen Abgaben bestand. Parallel sollen die im Krieg gelegten Seeminen aus dem mittleren Fahrwasser binnen 30 Tagen geräumt werden, um danach einen dauerhaften Zwei-Wege-Betrieb zu ermöglichen.

Irans Führung hat dem Entwurf am Dienstag zugestimmt. Außenminister Abbas Araghchi hatte den Plan bereits am Wochenende grundsätzlich gebilligt, die formelle Zustimmung von Revolutionsführer Mojtaba Khamenei folgte laut Axios-Bericht erst am Dienstag. Khamenei wurde nach der Tötung seines Vaters Ali Khamenei bei US-israelischen Luftangriffen im Februar 2026 zum neuen Obersten Führer Irans ernannt. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen sieht es derzeit nicht nach einer Ankündigung noch am Mittwoch aus.

Das Netz der Vermittler

Die Verhandlungen führten drei Akteure direkt: Trumps Sonderbeauftragter Steve Witkoff, Irans Außenminister Abbas Araghchi und Omans Außenminister Badr bin Hamad Al Busaidi. Oman nimmt dabei eine Doppelrolle ein: Als Nachbarstaat ist es gleichzeitig Verhandlungspartner und geografischer Garant des südlichen Korridors. Im Hintergrund waren Katar, Pakistan und Saudi-Arabien als zusätzliche Vermittler aktiv.

Bemerkenswert ist die Parallelstruktur der Gespräche. Teheran hat durchgängig betont, ausschließlich mit Oman und nicht direkt mit Washington zu verhandeln. Diese Konstruktion ermöglicht beiden Seiten innenpolitische Gesichtswahrung: Trump kann darstellen, Iran zu Zugeständnissen gezwungen zu haben. Khamenei kann erklären, man habe nicht direkt mit dem Feind verhandelt. Ob diese Logik auf Dauer trägt, ist eine andere Frage.

Was Iran aus dem Deal gewinnt

Vor dem Krieg kontrollierten Irans Revolutionsgarden die Straße von Hormus faktisch, ohne dass dies international formalisiert war. Das 60-Tage-Abkommen würde erstmals vertraglich festschreiben, dass eingehende Schiffe iranische Hoheitsgewässer durchqueren müssen. Die Nachrichtenagentur Axios formulierte das direkt: Iran würde aus dem Deal mit mehr formeller Kontrolle über die Meerenge hervorgehen als vor dem Krieg.

Das ist der Kern von Trumps Widerstand. In öffentlichen Äußerungen lehnte er iranische Kontrolle über die Meerenge und jegliche Transitgebühren ab. Der vorliegende Entwurf enthält keine Gebühren, aber er enthält die nördliche Route durch iranische Gewässer, die Teheran faktisch Vetomacht über den eingehenden Verkehr gibt. CNN analysierte die Situation nüchtern: Ein Abkommen für Hormus nehme Gestalt an, aber nicht jenes, das Trump angestrebt habe. Obwohl die Einigung in Trumps Interesse an sinkenden Energiepreisen läge, müsste er erklären, warum er Iran Kontrollrechte über eine internationale Meerenge einräumt.

Was die Einigung an Märkten und Zapfsäulen bewirkt

Allein die Aussicht auf eine baldige Einigung hat in den vergangenen Tagen deutliche Marktreaktionen ausgelöst. Der DAX kletterte auf ein neues Rekordhoch, angetrieben von der Erwartung sinkender Energiekosten. Brent-Rohöl, das noch Anfang August nahe 86 Dollar je Barrel notierte, fiel um mehr als fünf Prozent. Reiseunternehmen und Automobilhersteller profitierten überproportional, während Energiekonzerne unter Druck gerieten.

Für deutsche Verbraucher würde eine stabile Hormuseröffnung die seit Februar anhaltende Hochpreisphase bei Diesel und Heizöl abschwächen. Super E10 kostet derzeit 2,15 Euro je Liter, Diesel 2,18 Euro. Ob und wann Ölpreisrückgänge bei deutschen Verbrauchern ankommen, ist jedoch eine politische Frage: Beim vorherigen Preisrückgang im April 2026 gaben die Mineralölkonzerne die Kostenentlastung kaum weiter. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und der ADAC haben bereits angekündigt, die Branche diesmal stärker unter Beobachtung zu stellen.

Bis zum Ende der 60 Tage

Das 60-Tage-Abkommen ist, wie der Name sagt, ein Übergang. In dieser Zeit sollen parallel ein dauerhaftes Öffnungsregime und die Wiederaufnahme des nuklearen Dialogs zwischen Teheran und Washington verhandelt werden. Das Atomdossier blieb formal ausgeklammert, ist aber der eigentliche Streitpunkt des Konflikts.

Die kritischste Frist liegt innerhalb der 60 Tage: Binnen 30 Tagen müssen die Minen aus dem mittleren Fahrwasser geräumt werden. Laut Berichten aus israelischen Medien erwägt Iran, europäische Minenräumer einzusetzen, was die Verhandlungen weiter kompliziert. Trumps Berater wiederum bestehen darauf, dass US-Sanktionen gegen Iran während der gesamten Phase bestehen bleiben, was Teheran als Widerspruch zum Geist des Abkommens betrachtet. Was passiert, wenn die 60 Tage ablaufen ohne dauerhaftes Arrangement, ist nicht geregelt. Die Erfahrung der vergangenen Monate zeigt: Jede Frist wurde bislang zur Ausgangslage der nächsten Krise.

Update 6. August, 13:11 Uhr: US-Finanzminister Scott Bessent erklärte am 4. August im CNBC-Interview, er halte eine Einigung zur Öffnung der Straße von Hormus möglicherweise noch am selben Tag oder einen Tag später für möglich. Die Aussage löste einen neuen DAX-Rekord von 26.232 Punkten aus, Brent-Rohöl fiel erstmals seit Wochen unter 80 US-Dollar je Barrel. Katar bestätigte, die Vermittlungsbemühungen seien sehr weit fortgeschritten, machte aber deutlich, dass direkte Gespräche zwischen Washington und Teheran bislang nicht stattgefunden haben. Katar, Pakistan und Oman tauschen weiterhin Vertragsentwürfe zwischen den Parteien aus. Das ursprünglich für Mittwoch erhoffte Abkommen ist laut Berichten aus Verhandlungskreisen auf Ende der Woche verschoben worden.

Update 6. August, 22:30 Uhr: Iran hat die Einigung mit Oman über den Transitrahmen für die Straße von Hormus als grundsätzlich vereinbart bezeichnet. Vize-Außenminister Kazem Gharibabadi stellte klar, dies bedeute nicht die vollständige Wiederöffnung der Meerenge für den gesamten Schiffsverkehr. Eine vollständige Normalisierung sei an die Aufhebung der US-Seeblockade iranischer Häfen geknüpft. US-Präsident Trump erklärte, die Fortschritte seien sehr weitreichend und deutete eine baldige formelle Bekanntgabe an. Rohölpreise reagierten mit einem weiteren Rückgang: Brent notierte zeitweise unter 78 US-Dollar je Barrel.

Update 8. August, 16:06 Uhr: US-Finanzminister Scott Bessent bekräftigte am Freitagabend in einem CNBC-Interview seine Erwartung einer baldigen Einigung: Er rechne mit einer 30- bis 60-tägigen Waffenstillstandsvereinbarung, die Hormusstraße ohne Durchfahrtsgebühren öffnen würde. Zur Verhandlungsposition Irans sagte Bessent: „Wir haben sie bei der Kehle” und verwies auf eine Lebensmittelinflation von 150 bis 180 Prozent. Am Samstag meldete Reuters, Iran und Oman hätten ihre bilateralen Verhandlungen formal abgeschlossen; Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei bestätigte, das gemeinsame Statement befinde sich in abschließender Redaktion. IRGC-Sprecher General Hossein Mohebbi hielt dem entgegen: Die Wiedereröffnung der Hormusstraße sei „vollständig unabhängig” von den Iran-Oman-Gesprächen und allein an Bedingungen geknüpft, die Iran selbst festlege. Eine umfassende USA-Iran-Einigung liegt am Samstagmittag weiterhin nicht vor.

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