Trump verhängt Seeblockade und verlangt Hormus-Maut
Die USA verhängen eine formelle Seeblockade gegen alle iranischen Häfen, Ölterminals und Küstenbereiche. Sie tritt am Dienstag um 22 Uhr MESZ in Kraft. Zusätzlich verlangt Washington künftig zwanzig Prozent des Frachtwertes von Schiffen, die durch Hormus fahren. Nach der größten Angriffsnacht des bisherigen Konflikts mit rund 140 iranischen Militärzielen markiert das eine neue Phase: Die USA agieren nicht mehr reaktiv, sie beanspruchen die Meerenge als eigene wirtschaftliche Zone.
Was die Blockade bedeutet und wer zahlt
CENTCOM bestätigte am Montag, die Blockade gelte für alle Schiffe, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen wollen, unabhängig von Flagge und Nationalität der Reederei. Schiffe, die sich der Kontrolle entziehen, können abgefangen, umgeleitet und beschlagnahmt werden. Ausgenommen sind der allgemeine Transit durch Hormus zu Zielen außerhalb Irans sowie humanitäre Lieferungen mit Sondergenehmigung.
Die zwanzig Prozent Maut ist das eigentlich Neue. Bei einem typischen Supertanker mit zwei Millionen Barrel Rohöl zu aktuellen Preisen von rund achtzig Dollar je Barrel entspricht das einem Frachtwert von rund 160 Millionen Dollar: Die Maut betrüge dann 32 Millionen Dollar allein für eine Fahrt. Zum Vergleich: Die normalen Transitgebühren durch den Suezkanal liegen je nach Schiffsgröße zwischen 300.000 und 700.000 Dollar. Trump bezeichnete die USA als „Hüter der Straße von Hormus“ und begründete die Maut damit, dass Amerika die Sicherheit in dieser „äußerst volatilen Region“ finanziere.
Chinas Außenministeriumssprecher Guo Jiakun hatte den ersten Blockade-Beschluss im April als „gefährlichen und unverantwortlichen Akt“ bezeichnet. Pekings Verteidigungsminister Dong Jun ließ damals verlauten: „Die Straße von Hormus ist für uns offen.“ China ist der weltgrößte Abnehmer iranischen Öls und hat erklärtes Interesse daran, die Meerenge zugänglich zu halten. Wie Peking auf die Wiederinkraftsetzung reagiert, ist noch offen. Das internationale Seerecht kennt keine Gebührenpflicht für Transitpassagen durch Meerengen, die als internationale Wasserstraßen gelten.
140 Ziele und die ersten maritimen Drohnen
In der Nacht von Sonntag auf Montag traf das US-Militär rund 140 iranische Militärziele, die bisher größte Angriffswelle des Konflikts. Getroffen wurden Raketendepots, Drohnenbasen, Kommunikationsinfrastruktur und Marineanlagen entlang der Golfküste. Zum ersten Mal setzte das US-Militär maritime Drohnen ein: Ein iranisches U-Boot und ein Wartungsgelände am Marinehafen Bandar Abbas wurden damit angegriffen. CENTCOM ergänzte am Montag die Nachtoperationen mit weiteren Schlägen auf Buschehr und Kangan.
Diese vierte Angriffswelle folgt auf die dritte vom 12. Juli mit 90 Zielen und auf zwei vorangegangene, kleinere Wellen. Das Muster zeigt eine konsistente Steigerung. Iran antwortete mit Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Stützpunkte in Jordanien, Bahrain und Kuwait. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, Hormus bleibe „bis auf Weiteres und bis zum Ende der amerikanischen Interventionen“ für alle Schiffe gesperrt.
Das Kernkraftwerk als nukleares Risiko
Am 9. Juli trafen US-Projektile die Umzäunung des iranischen Atomkraftwerks Buschehr, des einzigen aktiven Reaktors des Landes. Die Anlage wird von russischen Technikern des Staatsunternehmens Rosatom betrieben. Iran hat die Internationale Atomenergiebehörde bislang über vier Vorfälle in der Nähe des Reaktors unterrichtet.
IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi bezeichnete die Angriffe als Annäherung an die „röteste Linie“ der nuklearen Sicherheit. Im UN-Sicherheitsrat erläuterte Grossi das Risiko: Ein Treffer auf die Hochspannungsleitungen, die den Reaktor mit Kühlstrom versorgen, könnte einen Kühlungsausfall und damit die Freisetzung von Cäsium-137 auslösen. Dieses Isotop kontaminiert Boden, Wasser und Nahrungskette für Jahrzehnte. Die Reichweite folgt dem Wind und kann mehrere hundert Kilometer betragen, was die Küsten des Persischen Golfs einschlösse. Bislang wurde keine erhöhte Strahlungskonzentration gemessen, der Reaktorbetrieb läuft nach iranischen Angaben normal weiter.
Zwanzig Prozent der Weltölversorgung ohne Alternative
Durch die Straße von Hormus fließen rund zwanzig Prozent der weltweiten Ölversorgung und etwa rund zwanzig Prozent des globalen Flüssiggashandels. Der Schiffsdaten-Dienstleister Kpler meldet, Passagen durch Hormus seien binnen einer Woche um mehr als fünfzig Prozent eingebrochen. Brent-Rohöl kostete am Montag zwischen 78 und 82 Dollar je Barrel, nach einem Tief von rund 74 Dollar während der kurzen Waffenstillstandsphase im Juni.
Alternativen existieren, sind aber unzureichend. Saudi-Arabien verfügt über eine Ost-West-Pipeline mit einer Kapazität von rund sieben Millionen Barrel täglich, deutlich weniger als die typischen zwanzig Millionen Barrel, die täglich durch Hormus fließen. Japan, Südkorea und Australien, die strukturell auf Hormus-Flüssiggas angewiesen sind, haben keine realistische Umleitungsoption.
Bis Dienstagabend 22 Uhr MESZ
Das Islamabad-Memorandum vom 17. Juni, das eine 60-tägige Verhandlungsphase vorsah, ist faktisch außer Kraft. Trump teilte dem Kongress offiziell mit, die Kämpfe mit Iran hätten wieder begonnen. Das ist im Rahmen des War Powers Act eine formale Mitteilung, die den Präsidenten zu militärischen Operationen ohne Kongressgenehmigung für sechzig Tage ermächtigt.
Schiffe, die am Dienstag nach 22 Uhr MESZ iranische Häfen anlaufen oder verlassen wollen, benötigen eine US-Genehmigung oder müssen ihre Route ändern. Wie Washington Schiffe unter russischer oder chinesischer Flagge behandeln wird, die Blockade nicht anerkennen, ist noch nicht geregelt. Trump kündigte an, in der nächsten Nacht erneut „sehr hart“ zu treffen. Die nächsten zwölf Stunden entscheiden, ob aus Maut-Ankündigung und Blockade-Beschluss ein globaler Schiffskonflikt in der engsten Öl-Meerenge der Welt wird.
Aktualisierungen
Update 14. Juli, 17:01 Uhr: Während die Blockade auf ihren Start um 22 Uhr MESZ zusteuert, meldet sich die Schifffahrtsbranche. VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger erklärte, kein Staat dürfe den Zugang zu einer internationalen Wasserstraße einseitig von Gebühren abhängig machen: „Das wäre rechtlich auch nicht zulässig." Kröger verwies darauf, dass seit Ende Februar keine sichere Schifffahrt durch Hormus mehr gewährleistet sei. Die Vereinigten Arabischen Emirate reagieren mit einer Gegenstrategie: DP World plant einen neuen Großhafen in Fujairah am Golf von Oman, der Schiffe vollständig an Hormus vorbeileiten soll. UAE-Handelsminister Thani Al Zeyoudi gab als Ziel aus: „vollständige Unabhängigkeit von Hormus". Eine zweite ADNOC-Pipeline nach Fujairah ist bereits zur Hälfte fertiggestellt und soll 2027 in Betrieb gehen. Sie würde die derzeitige Exportkapazität von rund 1,8 Millionen Barrel täglich verdoppeln. Militärisch bestätigte CENTCOM in der dritten aufeinanderfolgenden Angriffsnacht eine fünfstündige Mission gegen Küstenverteidigung, Raketen- und Drohnenlager in sechs Standorten. Iran konterte mit Raketenangriffen auf zwei VAE-Öltanker in der Straße von Hormus.
Update 14. Juli, 19:00 Uhr: Die 20-Prozent-Maut, die Trump am Montag als Kern seines Wächter-von-Hormus-Konzepts angekündigt hatte, hielt weniger als 24 Stunden. Am Dienstagnachmittag erklärte Trump via Truth Social, er habe die Gebühr nach hochproduktiven Gesprächen mit der Führung des Nahen Ostens durch Handels- und Investitionsdeals der Golfstaaten ersetzt. Die UN-Seefahrtsorganisation IMO hatte den Plan als völkerrechtswidrig zurückgewiesen, Großbritannien, Australien und die EU hatten ihre Ablehnung signalisiert. Die Seeblockade selbst bleibt in Kraft. Brent-Rohöl, das am Montag um 9,6 Prozent auf 83,30 Dollar gestiegen war, notierte am Dienstag bei 84,95 Dollar je Barrel. Chinas Außenministeriumssprecher Lin Jian forderte in Peking die schnellstmögliche Wiederherstellung der normalen Durchfahrt durch Hormus; eine direkte Konfrontation chinesischer Schiffe mit der US-Navy blieb vorerst aus. Iran hält laut Berichten über die Vermittlerstaaten Katar, Pakistan und Oman den diplomatischen Kanal offen.
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