Yangtze-Delfin: Erste Trendumkehr nach 70 Jahren
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Yangtze-Delfin: Erste Trendumkehr nach 70 Jahren

Nach sieben Jahrzehnten Rückgang zählt der Jangtse-Flussdelfin erstmals wieder mehr Tiere: 1426 Exemplare 2026 gegenüber 1012 im Jahr 2017. Chinas totales Fangverbot hat die Fischbiomasse im Fluss um 209 Prozent gesteigert.

23. Mai 2026, 9:02 Uhr 621 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Der Jangtse-Flussdelfin stand kurz vor dem Aussterben. 2017 lebten nur noch 1012 Exemplare des kleinen Zahnwals in Chinas längstem Fluss und seinen Nebengewässern, ein Tiefstand nach sieben Jahrzehnten kontinuierlichem Rückgang. Jetzt zeigt die erste vollständige Populationszählung seit dem chinesischen Fangverbot von 2021 eine Trendumkehr: 1426 Individuen wurden 2026 gezählt, 41 Prozent mehr als neun Jahre zuvor.

Sieben Jahrzehnte Niedergang

Der Jangtse-Flussdelfin (Neophocaena asiaeorientalis orientalis) lebte seit Jahrtausenden in Chinas längstem Fluss, eine der letzten verbliebenen Süßwasserdelfinarten der Welt. Seit den 1950er Jahren setzten intensive Fischerei, dichter Schiffsverkehr, Unterwasserlärm und Wasserverschmutzung der Population zu. Bei jeder Expedition wurden die Zählungen schlechter.

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Was passieren kann, wenn die Warnzeichen ignoriert werden, zeigte der Baiji-Delphin: Der weiße Jangtse-Delphin wurde 2006 nach einer systematischen Suchexpedition für ausgestorben erklärt. Die Forscher fanden kein einziges Tier mehr. Für den Jangtse-Flussdelfin schienen sich dieselben Muster zu wiederholen. Laut einer Studie im Wissenschaftsmagazin Science, veröffentlicht Anfang 2026 von Forschern der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, war die Fischbiomasse im Hauptstrom bis 2020 auf ein kritisches Minimum gesunken. Mit dem Fischbestand kollabierte die Nahrungsgrundlage des Delfins.

Die chinesische Regierung hatte seit den 1970er Jahren versucht, mit Schutzgebieten und partiellen Fischereiregeln gegenzusteuern. Keiner dieser Ansätze funktionierte. Der Unterschied ab 2021: kein partielles Verbot mehr, sondern ein totaler Stopp.

Was das Fangverbot ausgelöst hat

Am 1. Januar 2021 verhängte China ein totales Fangverbot auf dem gesamten Jangtse, sieben Nebenflüssen sowie dem Dongting-See und Poyang-See bis Ende 2030. Eine der beiden Zahlen auf denselben Wert korrigieren, z.B. durchgehend 'rund 230.000' oder durchgehend 'rund 280.000'. Das Ausmaß des Eingriffs war historisch: Der Jangtse ist die bedeutendste Binnenfischerei des Landes.

Die Wirkung war innerhalb weniger Jahre messbar. Die Science-Studie dokumentiert einen Anstieg der Fischbiomasse um median 209 Prozent zwischen 2021 und 2023 gegenüber dem Zeitraum vor dem Verbot. Der Artenreichtum der Fischfauna stieg um 13 Prozent. Größere Fische, die Hauptnahrung des Delfins, zeigten die stärkste Erholung.

Die Delfin-Zählung 2026, die erste vollständige Erhebung seit dem Verbot, ergab 1426 Exemplare: 445 im Hauptstrom, 457 im Poyang-See, 110 im Dongting-See und der Rest in Nebenflüssen. Das WWF bezeichnete das Ergebnis als erste dokumentierte Trendumkehr in der Geschichte der Art.

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Womit sich die Trendumkehr vergleichen lässt

Die Erholung am Jangtse reiht sich in eine Reihe ähnlicher Erfolge ein, die ein gemeinsames Muster aufweisen: Ein konsequentes Schutzregime kann Arten zurückbringen, die nahezu ausgerottet waren.

Der Iberische Luchs galt 2001 als am stärksten bedrohtes Katzenraubtier der Welt: 62 ausgewachsene Tiere in Spanien und Portugal. Durch Zuchtprogramme, Wiederansiedlung und den Schutz der Kaninchenpopulation, seiner Hauptnahrung, stieg die Zahl auf über 2000 Individuen im Jahr 2024 (IUCN). Die Weltnaturschutzorganisation stufte ihn von 'vom Aussterben bedroht' auf 'gefährdet' zurück, einen Schritt in Richtung Erholung auf der Roten Liste, der selten vorkommt.

Der Wolf in Deutschland folgt einem ähnlichen Muster: 2000 zog das erste Rudel nach über 150 Jahren Abwesenheit in Sachsen ein. 2024 zählte das Bundesamt für Naturschutz 209 bestätigte Rudel mit 1601 Individuen. Der Jangtse-Flussdelfin liegt mit 1426 Exemplaren absolut noch darunter, aber der entscheidende Unterschied ist: Sein Abwärtstrend ist nach sieben Jahrzehnten erstmals umgekehrt.

Die offenen Risiken bis 2030

Der Erfolg ist real, aber nicht gesichert. Das Fangverbot läuft Ende 2030 aus. Die politische Entscheidung über eine Verlängerung ist noch nicht gefallen und die 280.000 umgesiedelten Fischer könnten eine Rückkehr zur Fischerei fordern. Dazu kommt die langsame Biologie des Delfins: Ein Weibchen bringt alle zwei Jahre ein Kalb zur Welt. Selbst bei fortgesetztem Wachstum dauert es Jahrzehnte, bis eine stabil reproduzierende Population aufgebaut ist.

Drittens bleibt die Schifffahrt auf dem Jangtse intensiv, er gehört zu den verkehrsreichsten Binnenwasserstraßen der Welt. Unterwasserlärm und Kollisionen mit Schiffen sind reguliert, aber nicht gestoppt. Die Forscher der Chinesischen Akademie der Wissenschaften betonen: Der aktuelle Anstieg belegt, dass das Schutzregime funktioniert. Er ist kein Signal, es zu lockern.

Quellen (7)

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