Iran-Krieg: USA greifen erstmals tagsüber an
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Iran-Krieg: USA greifen erstmals tagsüber an

Am fünften aufeinanderfolgenden Tag der US-Angriffe auf Iran startete CENTCOM erstmals auch tagsüber eine Operation, zweimal innerhalb weniger Stunden. Iran beschoss Kuwait, Bahrain und Jordanien und erklärte, nicht verhandeln zu wollen.

15. Juli 2026, 22:41 Uhr 748 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Am Mittwoch überschritten die US-Streitkräfte im Irankrieg eine neue Schwelle: Das US-Zentralkommando CENTCOM startete erstmals seit Beginn der jüngsten Angriffsserie auch tagsüber Operationen, in zwei getrennten Wellen innerhalb weniger Stunden. Es ist der fünfte aufeinanderfolgende Tag amerikanischer Luftangriffe auf iranische Militärstandorte. Gleichzeitig eskaliert Teheran den Konflikt in die Breite: Kuwait, Bahrain und Jordanien meldeten Raketeneinschläge auf ihrem Territorium.

17. Juni: Das Abkommen, das keinen Monat hielt

Am 17. Juni unterzeichneten die USA und Iran ein Memorandum of Understanding, das den Konflikt innerhalb von 60 Tagen formal beenden sollte. Es war das Ergebnis wochenlanger Vermittlung, die unter anderem über Abu Dhabi und Pakistan gelaufen war, nachdem die USA und Israel am 28. Februar mit der Operation Epic Fury koordinierte Großangriffe auf Iran gestartet hatten. Der Angriff hatte Obersten Geistlichen Führer Ali Khamenei getötet und Irans Militärinfrastruktur erheblich beschädigt.

Das Abkommen vom Juni hielt nicht einmal vier Wochen. Iran griff erneut Handelsschiffe in der Hormuzstraße an. Trump erklärte den Waffenstillstand für beendet und verhängte wieder eine vollständige Seeblockade iranischer Häfen. Seit Anfang Juli greift CENTCOM in jeder Nacht iranische Militärziele an.

11. bis 14. Juli: Vier Nächte in Folge

Die Nachtangriffe folgten einem Schema: sieben bis acht Stunden, mehrere Standorte gleichzeitig, Fokus auf Küstenverteidigung, Raketenstellungen und Marineinfrastruktur. CENTCOM bestätigte Einschläge unter anderem in Bandar Abbas, Buschehr und auf der Insel Kisch. Die USA beteiligten nach eigenen Angaben mehr als 20 Kriegsschiffe und Hunderte Militärflugzeuge an der Gesamtoperation.

Der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus, über die vor Kriegsbeginn täglich rund 55 Schiffe fuhren und durch die 25 Prozent des weltweiten Rohöltransports sowie 20 Prozent der globalen Flüssiggasexporte liefen, ist auf ein bis zwei Schiffe täglich kollabiert. Brent-Rohöl notiert bei rund 84 Dollar pro Barrel, nach einem Sprung von fast zehn Prozent allein am vergangenen Montag.

15. Juli: Erstmals am Tag, erstmals regional

In der Nacht des 14. auf den 15. Juli folgte die vierte aufeinanderfolgende Nachtoperation. Wenige Stunden nach dem CENTCOM-Briefing am Morgen startete eine zweite Welle: erstmals bei Tageslicht, um 15 Uhr US-Ostküstenzeit. Das Iranische Gesundheitsministerium bezifferte die Verletzten aus den Angriffen der vergangenen Tage auf mehr als 260. Die USA und Iran nennen abweichende Zahlen zu Todesopfern.

Das entscheidend neue Element des 15. Juli ist die geografische Ausweitung der iranischen Antwort: Kuwait, Bahrain und Jordanien meldeten Raketen- oder Drohnenangriffe. Es handelt sich um Länder, die US-Militärinfrastruktur beherbergen. Kuwait ist Standort mehrerer tausend US-Soldaten, Bahrain ist Sitz der US-Fünften Flotte, die Marineoperationen im Persischen Golf koordiniert. Mit Angriffen auf diese Länder setzt Teheran ein klares Signal: Die Kosten des Krieges sollen auch jene Staaten treffen, die der US-Militärpräsenz Gastrecht gewähren.

Iran drohte zudem mit Angriffen auf Entsalzungsanlagen in Bahrain, Kuwait und Katar, die Millionen Menschen im Persischen Golf mit Trinkwasser versorgen. Auf der Insel Keschm hatten Angriffe bereits im März einige solcher Anlagen außer Betrieb gesetzt.

Wo der Konflikt jetzt steht

Irans Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei erklärte am Mittwoch, sein Land habe "derzeit keine Pläne für Verhandlungen" und sei auf die "Verteidigung des Landes konzentriert." Teheran liest die US-Luftangriffe nicht als Verhandlungsanreiz, sondern als Anlass für Gegenschläge.

Trump hatte am Dienstag auf Fox News angekündigt, in der Woche ab dem 20. Juli iranische Kraftwerke und Brücken zu bombardieren, falls Teheran nicht an den Verhandlungstisch zurückkehre. UN-Generalsekretär António Guterres reagierte umgehend: Angriffe auf zivile Infrastruktur sind unter dem humanitären Völkerrecht verboten und können Kriegsverbrechen darstellen. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot schloss sich dieser Einschätzung an. Rund 30 Millionen Iraner sind auf die Entsalzungsanlagen der Golfküste für ihre Wasserversorgung angewiesen.

Das Muster der vergangenen fünf Tage zeigt eine beschleunigte Eskalation: Mehr Angriffe, erstmals auch bei Tag, Iran weitet die Gegenschläge auf Drittstaaten aus und Trump kündigt zivile Ziele für die kommende Woche an. Teheran schließt Gespräche aus, Washington erhöht den Einsatz. Einen Mechanismus, der das bremst, ist derzeit nicht erkennbar.

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