Kuhestak: US-Angriff trifft Hochzeitsfeier, fünf Tote
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Kuhestak: US-Angriff trifft Hochzeitsfeier, fünf Tote

Am 1. September bombardierten US-Streitkräfte das iranische Kuhestak. Lenkbomben trafen eine Hochzeitsfeier: Fünf Menschen starben, darunter ein vierjähriger Junge, 68 wurden verletzt. Drei Tage später griffen Irans Streitkräfte US-Stützpunkte in Kuwait an.

Quellen (8)
  1. Middle East Eyemiddleeasteye.net
  2. ABC Newsabcnews.com
  3. Euronewseuronews.com
  4. Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
  5. tagesschautagesschau.de
  6. NPRnpr.org
  7. Washington Timeswashingtontimes.com
  8. Spiegel Auslandspiegel.de
5. September 2026, 6:49 Uhr810 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Am Abend des 1. September 2026 versammelten sich rund 350 Gäste in Kuhestak, einer Kleinstadt an der Südküste der iranischen Provinz Hormozgan, zur Hochzeit von Maryam Mallahi und Ziaeddin Khoshrish. Gegen 21 Uhr schlugen US-Lenkbomben ein. Fünf Menschen starben, darunter ein vierjähriger Junge und ein 16-Jähriger. 68 Gäste wurden verletzt, 19 davon Kinder unter zehn Jahren. Auf die Frage, was Washington zur Untersuchung des Vorfalls zu sagen habe, antwortete Vizepräsident JD Vance: „We never target civilians in combat but. Sometimes things happen.“

Die Nacht von Kuhestak

Kuhestak liegt im Landkreis Sirik, nahe der Küste nördlich der Straße von Hormuz. Die Feier folgte lokaler Tradition: Männer und Frauen feierten getrennt in zwei Häusern. Rund 150 Frauen und Kinder warteten im Haus der Mallahi-Familie auf die Ankunft der Braut. Gegen 21 Uhr traf eine Explosion direkt den Festsaal. Der zurückgebliebene Krater maß rund 1,5 Meter Tiefe.

„Überall war Blut und alle versuchten verzweifelt, den Verletzten zu helfen“, schilderte eine Überlebende in einem Bericht von Middle East Eye. Eine weitere Zeugin: „Jeder Teppich im Haus war blutgetränkt.“ An den Laternen der Ortseinfahrt hingen später Plakate der Getöteten: ein vierjähriger Junge, ein 16-Jähriger und zwei Frauen. Eine fünfte Person starb zwei Tage später im Krankenhaus.

Waffenexperten identifizierten die Überreste der Munition als JSOW (Joint Standoff Weapon) und GBU-39, beides von der Luft abgeworfene amerikanische Lenkbomben mit Gleiteigenschaften, die Ziele aus mehreren Kilometern Entfernung präzise treffen sollen. Die Identifikation lieferten Fachleute, die Munitionsfragmente vor Ort der Associated Press zur Auswertung überließen.

CENTCOM und der Streit um Verantwortung

Das US-Zentralkommando CENTCOM erklärte, die Angriffswelle vom 1. September habe sich gegen Radaranlagen und Kommunikationsanlagen des Iran gerichtet. Welche spezifischen Anlagen in oder bei Kuhestak gemeint waren, ließ CENTCOM offen. Anwohner und Augenzeugen schilderten, unmittelbar neben dem getroffenen Gebäude seien keine Militäreinrichtungen vorhanden.

Vizepräsident JD Vance kündigte an, Washington untersuche den Vorfall. Zugleich relativierte er: Iranische Staatsmedien seien kein „zuverlässiger Chronist des Geschehens“. CENTCOM-Sprecher ergänzten, die US-Streitkräfte richteten sich „nie gegen Zivilisten, anders als die IRGC“. Eine inhaltliche Antwort auf die Frage, warum Bomben das Wohngebäude trafen, blieb aus.

Die Angriffswelle vom 1. September war eine der flächendeckendsten US-Aktionen im Irankrieg: Neben Kuhestak wurden Bandar Abbas, Qeshm, Jask, Sirik, Konarak und Chabahar getroffen. Laut US-Angaben starben in der Nacht insgesamt 19 Menschen.

Irans Reaktion auf Golfstaaten ausgedehnt

Am 4. September schlugen Irans Streitkräfte zurück. Ziele waren die Ahmed-al-Jaber-Luftwaffenbasis in Kuwait und die Al-Minhad-Basis in den Vereinigten Arabischen Emiraten, auf denen US-Truppen stationiert sind. Kuwait bestätigte den Abfang einer Rakete und einer Drohne und bezeichnete den Angriff als „schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht“. Die VAE erklärten, es habe auf ihrem Territorium keinen Angriff gegeben.

Irans Strategie zielt seit Beginn des Konflikts darauf ab, die Auseinandersetzung in die Golfstaaten zu tragen, die den USA Stützpunkte überlassen haben. Das erzeugt Druck auf Kuwait und die VAE: Als Gastgeber amerikanischer Streitkräfte sind sie de facto Teil des Konflikts, ohne formell Kriegspartei zu sein. Kuwait hat mehrfach erklärt, neutral bleiben zu wollen.

Humanitäre Bilanz und Versorgungslage

Amnesty International und Human Rights Watch haben beide Kriegsparteien mehrfach aufgefordert, Angriffe auf die Einhaltung des humanitären Völkerrechts zu prüfen. Eine systematische öffentliche Offenlegung, welche Militärziele bei welchem Schlag getroffen wurden, hat weder CENTCOM noch Irans Streitkräfte vorgelegt.

Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums wurden seit Kriegsbeginn am 28. Februar 2026 mehr als 3.400 iranische Zivilisten getötet und mehr als 26.500 verletzt. Für die US-amerikanische Seite werden keine vergleichbaren Gesamtstatistiken veröffentlicht.

Für die Bevölkerung der Region hat der Krieg auch eine wirtschaftliche Dimension: Die Durchfahrten von Handelsschiffen durch die Straße von Hormuz, über die rund 20 Prozent des globalen Ölhandels laufen, sind seit Kriegsbeginn von 25 auf fünf Schiffe pro Tag eingebrochen. Das macht sich in Treibstoffpreisen weltweit bemerkbar.

Neue Angriffe am 5. September

Am 5. September meldete der Deutschlandfunk neue gegenseitige Angriffe zwischen USA und Iran. Das Muster der ersten Septemberwoche: US-Angriff, iranische Gegenmaßnahme auf Golfstaaten, kurze Pause, nächste Runde. Ein Verhandlungsrahmen, der die Kämpfe systematisch eindämmen könnte, ist derzeit nicht erkennbar.

Der Fall Kuhestak zeigt, warum das so bleibt: Solange USA und Iran über dieselben Ereignisse grundlegend verschiedene Narrative verbreiten und keine unabhängige Untersuchung stattfindet, fehlt die Grundlage für Gespräche. Beide Seiten bedienen ihre jeweilige Öffentlichkeit, ohne Rechenschaft ablegen zu müssen.

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