Iran-Pause: Ziele erschöpft, Oman bietet Schifffahrtsdeal
Dreizehn aufeinanderfolgende Nächte bombardierte das US-Zentralkommando CENTCOM iranische Militäranlagen rund um die Straße von Hormus, bis am Freitag, 24. Juli, die Angriffe aufhörten. Das Ende der Bombardierung war nicht allein eine diplomatische Entscheidung: CENTCOM-Kommandeur Admiral Brad Cooper informierte das Weiße Haus, das Pentagon und den Vorsitzenden der Joint Chiefs of Staff, dass rund 80 Prozent der designierten Ziele bereits beschossen worden seien. Eine Fortsetzung ohne Entscheid zur Ausweitung auf einen Großkampfeinsatz brächte keinen taktischen Mehrwert mehr.
Dreizehn Nächte und ein Militärrat
Am 8. Juli hatte US-Präsident Donald Trump das im Juni ausgehandelte Memorandum of Understanding mit dem Iran für beendet erklärt, nachdem iranische Kräfte erneut Handelsschiffe im Persischen Golf angegriffen hatten. Was folgte, war eine der intensivsten US-Bombardierungskampagnen seit dem Irakkrieg: In dreizehn aufeinanderfolgenden Nächten beschoss CENTCOM Stellungen der Iranischen Revolutionsgarden, Luftabwehrsysteme, Raketenlager und Einrichtungen, die zur Sperrung der Meerenge genutzt wurden. Irans Gegenangriffe auf US-Militärbasen in Kuwait und Bahrain folgten.
Bis Freitag, 24. Juli, waren laut einem Axios-Bericht rund 80 Prozent der vorab geplanten Ziele getroffen. Admiral Cooper machte dazu eine Prognose, die militärisch wenig Spielraum ließ: Wer die verbleibenden 20 Prozent treffen wolle, müsse sich zu einer wesentlichen Ausweitung der Kampfoperationen bekennen. Nadelstiche seien keine Option mehr. Cooper empfahl daher, die Bombardierungskampagne vorerst zu stoppen.
General Dan Caine, Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff, schlug in dieselbe Kerbe. Caine hatte intern vor einem ernsten Problem gewarnt: Die intensiven Kampagnen der vergangenen Wochen belasteten die US-Munitionsarsenale in einem Maß, das bei einer Wiederaufnahme von Großkampfoperationen Risiken schaffe. US-Vizepräsident JD Vance teilte diese Sorge.
Was Coopers Einschätzung für die Strategie bedeutet
Die Empfehlung von Admiral Cooper ist für das Verständnis der Lage wichtiger als Trumps diplomatische Rhetorik. Sie besagt im Kern: Die USA haben die Phase der kontrollierten Bombardierung eines begrenzten Zielkatalogs hinter sich. Wer jetzt weiterkämpft, braucht eine politische Entscheidung zum Großeinsatz mit erheblich mehr Ressourcen und höherem Eskalationsrisiko. Diese Entscheidung hat Trump bislang nicht getroffen.
Das unterscheidet die aktuelle Pause von früheren Unterbrechungen des Konflikts. Das MoU vom 17. Juni war ausgesetzt worden, weil Iran die Bedingungen brach. Die aktuelle Pause entstand, weil das US-Militär selbst keine weitere Bombardierung empfahl. Das ist ein anderer Ausgangspunkt für Verhandlungen.
Trump formulierte seinen Optimismus entsprechend vorsichtig. An Bord der Air Force One sagte er, man führe "sehr freundliche Gespräche" und er denke, es gebe "eine gute Chance, dass etwas passiert". Gleichzeitig ließ er keinen Zweifel: Falls keine Einigung zustande komme, kehre man zu den Maßnahmen der vergangenen Tage zurück.
Iran dementiert Direktgespräche, hält sich aber an ihre Logik
Der Iran hat öffentlich bestritten, direkte Gespräche mit den USA zu führen. Faktisch verhält sich Teheran jedoch nach dem Prinzip, das es selbst formuliert hat: "Angriff für Angriff." Solange keine US-Angriffe kommen, kommen auch keine iranischen Gegenangriffe. Drei Tage Stille haben das bestätigt.
Irans Außenminister Abbas Araghchi traf sich am 28. Juli mit seinen omanischen und saudischen Amtskollegen in Teheran. Offiziell ging es dabei um die Sicherheit der Straße von Hormus. Saudi-Arabien hatte zu Beginn der Krise eine neutrale Position eingenommen, zeigt sich jetzt aber aktiver in den Vermittlungsbemühungen. Ob US-Positionen in diesen Gesprächen indirekt eingeflossen sind, ist nicht bestätigt.
Das Oman-Modell und sein zentraler Streitpunkt
Oman legte dem Iran einen Plan vor, der von den Golfstaaten mitgetragen wird: Schiffe würden durch die Straße von Hormus auf der Grundlage freiwilliger Beiträge transitieren, ähnlich dem Mechanismus, der seit Jahrzehnten für die Straße von Malakka gilt. Dort zahlen Nutzer in einen gemeinsamen Fonds für Navigation, Umweltschutz und Seenotrettung, ohne dass ein einzelnes Land Kontrolle über den Seeweg ausübt.
Der Knackpunkt: Der Iran hatte vor der Krise darauf bestanden, verbindliche Durchfahrtsgebühren erheben zu dürfen, die ihm faktisches Souveränitätsrecht über eine internationale Meerenge gegeben hätten. Das Oman-Modell bietet freiwillige Beiträge statt verbindlicher Abgaben und sieht keine iranische Alleinsteuerung vor. Ob Teheran das als ausreichend akzeptiert, ist offen. Iran und Oman sind in einigen Kernfragen noch weit voneinander entfernt.
Die 20 Prozent, die noch nicht beschossen wurden
Was Trumps Drohung, zur Militäraktion zurückzukehren, in der Praxis bedeutet, hat Cooper indirekt beschrieben: Es geht um die verbleibenden 20 Prozent der designierten Ziele, verbunden mit einer Entscheidung zu Großkampfoperationen. Das wäre eine qualitative Eskalation, keine bloße Fortsetzung der bisherigen Kampagne.
Der Ölpreis zeigt, was die Märkte der Pause zutrauen: Brent fiel von seinem Höchststand von 100,36 Dollar je Barrel am 24. Juli auf rund 87 Dollar am 28. Juli. Das entspricht einem Rückgang von 13 Prozent in vier Tagen. Händler rechnen offenbar mit einer Einigung, wissen aber auch, dass jede Wiederaufnahme der Kämpfe die Notierung sofort wieder nach oben treiben würde. Araghchis Gespräche am 28. Juli in Teheran mit Maskat und Riad könnten die Basis für eine Einigung legen, die den Tankerverkehr durch Hormus noch in dieser Woche wieder in Gang setzt. Gelingt das nicht, steht die Drohung mit den verbleibenden 20 Prozent im Raum.
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