Iran-Abkommen vollzogen: Unterzeichnung am Freitag
Ein israelischer Luftangriff auf Beirut hat am Sonntagmorgen beinahe das Friedensabkommen zwischen den USA und Iran gesprengt. Trump rief danach Netanyahu an und sagte ihm laut dem US-Portal Axios, er habe kein Urteilsvermögen: 'He has no fucking judgment.' Das Abkommen überstand die Krise. Pakistans Premier Shehbaz Sharif verkündete am Sonntagabend auf X, die Einigung zwischen den USA und der Islamischen Republik Iran sei vollzogen. Trump bestätigte es kurz darauf auf Truth Social und ordnete an, die US-Seeblockade der iranischen Häfen sofort aufzuheben. Die formelle Unterzeichnung ist für Freitag, den 19. Juni, in der Schweiz geplant.
Was das Abkommen enthält
Das von Pakistan vermittelte Abkommen sieht laut der pakistanischen Ankündigung Sharifs und Berichten von CNBC und PBS vor, alle Kampfhandlungen auf allen Fronten sofort und dauerhaft einzustellen, einschließlich des Konflikts im Libanon zwischen Israel und der Hisbollah. Die Straße von Hormus soll ohne Durchfahrtgebühren für alle Schiffe geöffnet werden. Iran verpflichtet sich, alle Minen aus der Meerenge binnen 30 Tagen zu räumen. Die US-Marine hebt die Blockade der iranischen Häfen auf, die USA lockern die Sanktionen gegen iranische Ölexporte und geben eingefrorene iranische Auslandsvermögen frei.
Das Nuklearprogramm bleibt im Abkommen ausgeklammert. Ein 60-tägiges Verhandlungsfenster soll es separat regeln. Was mit den rund 440 Kilogramm hochangereicherten Urans passiert, das Iran seit Kriegsbeginn im Februar ohne IAEA-Aufsicht produziert hat, ist die heikelste offene Frage. Washington und Jerusalem bestehen auf Abtransport oder Vernichtung des Materials, Teheran schlägt Verdünnung auf iranischem Boden vor. Eine Einigung dazu fehlt. Sie ist das Kernthema der geplanten Atomgespräche.
Wie Israel das Abkommen beinahe scheitern ließ
Israelische Kampfflugzeuge griffen am Sonntagmorgen die Beiruter Vorstadt Dahiyeh an, eine Hochburg der Hisbollah. Laut libanesischen Angaben starben drei Menschen, fünfzehn wurden verwundet. Israel begründete den Angriff mit Drohnenangriffen der Hisbollah auf Nordisrael, bei denen es keine Opfer gegeben hatte.
Trump schrieb auf Truth Social, der Angriff hätte nicht stattfinden dürfen, 'besonders an einem besonderen Tag, an dem wir einem Friedensabkommen mit Iran so nahe sind.' Gegenüber Axios sagte Trump über Netanyahu: 'He has no fucking judgment.' Laut Axios verzögerte der Beiruter Angriff die Verkündung der Einigung um einige Stunden. Iran reagierte umgehend: Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte, wenn die USA weder den Willen noch die Fähigkeit hätten, ihre Verpflichtungen einzuhalten, könne der diplomatische Weg nicht fortgesetzt werden. Trump hatte Netanyahu bereits Anfang Juni laut Axios gedrängt, israelische Angriffe im Libanon einzustellen, nachdem Iran mit einem Rückzug aus den Verhandlungen gedroht hatte.
Ghalibaf als Unterzeichner: Signal an die Revolutionsgarden
Iran lässt das Abkommen durch Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf unterzeichnen, für die USA zeichnet Vizepräsident JD Vance. Ghalibaf ist ehemaliger Luftwaffenkommandeur der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC). Teheran signalisiert damit, dass das Abkommen nicht nur diplomatisches Papier ist, sondern auch in den Streitkräften Rückhalt genießt.
Ob das der Realität entspricht, ist die entscheidende Unbekannte. Seit dem Tod von Oberstem Führer Ali Khamenei im Februar 2026 ist die Kommandobeziehung zwischen Zivilregierung und IRGC institutionell ungeklärt. Eine frühere Waffenruhe im April 2026 scheiterte, weil IRGC-Einheiten weiter Drohnen auf Handelsschiffe feuerten und Minen legten, während Diplomaten eine Pause vereinbart hatten. Ghalibaf verhandelte das Abkommen. Ob das IRGC-Marinekommando es umsetzt, ist eine andere Frage.
Libanon: Teil des Abkommens oder nicht
Sharif schrieb in seiner X-Ankündigung, das Abkommen enthalte die 'sofortige und dauerhafte Einstellung aller Militäroperationen auf allen Fronten, einschließlich im Libanon.' Das würde den Konflikt zwischen Hisbollah und Israel in das Abkommen einschließen. Netanyahu hatte öffentlich bestritten, dass Libanon Teil des Abkommens sei. Eine gemeinsame Erklärung Israels und der USA zu diesem Punkt liegt bisher nicht vor.
Die Hisbollah ist formell kein Vertragspartner. Ob die Organisation, die im Verlauf des Konflikts ihre Führung verloren hat, durch das Abkommen zu einer dauerhaften Einstellung ihrer Operationen gebracht werden kann, ist ungeklärt. Der Angriff auf Dahiyeh am Sonntagmorgen geschah, während das Abkommen kurz vor seiner Verkündung stand.
Der erste Tanker entscheidet mehr als das Papier in Genf
Trump reist am Montag zum G7-Gipfel nach Évian-les-Bains am Genfer See, wo der Irankonflikt auf der Tagesordnung steht. Die formelle Unterzeichnung des Abkommens folgt Freitag in der Schweiz. US-Vizepräsident Vance soll für Washington unterschreiben, Ghalibaf für Teheran.
Die wirtschaftliche Tragweite ist erheblich. Durch die Straße von Hormus flossen vor Kriegsbeginn täglich rund 34 Prozent des weltweit gehandelten Rohöls. Seit Februar ist die Meerenge gesperrt, der Brentölpreis liegt rund 45 Prozent über dem Vorkriegsniveau. Für deutsche Verbraucher bedeutete das seit Monaten höhere Spritkosten und Heizkosten sowie Preisdruck über die gesamte Lieferkette. Ob die Meerenge sich tatsächlich öffnet, entscheidet sich nicht in Genf. Das überzeugendste Signal wäre der erste Tanker, der ungehindert durch die Straße fährt. Iran hat dafür 30 Tage Zeit.
Aktualisierungen
Update 15. Juni, 17:00 Uhr: Beim G7-Gipfel in Évian-les-Bains bezeichnete Bundeskanzler Friedrich Merz das Abkommen als „diplomatischen Durchbruch“. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien erklärten gemeinsam ihre Bereitschaft, an einer rein defensiv ausgerichteten Militärmission zur Sicherung der Straße von Hormus teilzunehmen. Die Bundeswehr bereitet sich laut Merz seit Wochen auf einen solchen Einsatz vor; der Bundestag könnte die Mission bereits in der kommenden Woche genehmigen. An den Finanzmärkten sorgte das Abkommen für messbare Erleichterung: Der DAX überschritt am Montagmorgen erstmals seit zehn Tagen die Marke von 25.000 Punkten, Brent-Rohöl fiel um mehr als vier Prozent auf 83 US-Dollar je Barrel, den niedrigsten Stand seit Anfang März.
Update 15. Juni, 23:20 Uhr: US-Vizepräsident JD Vance räumte in einem CNBC-Interview ein, beim Atomdossier gebe es "noch viele Details" auszuhandeln; die USA hätten dabei "alle Karten in der Hand". Zum Streitpunkt des 440 Kilogramm hochangereicherten Urans nannte er keine Frist. Parallel zeigen Schifffahrtsexperten, wie groß die Lücke zwischen dem 30-Tage-Versprechen und der Realität in der Meerenge ist: Rund 600 Handelsschiffe, darunter 250 Öl- und Flüssigerdgas-Tanker, warten derzeit im Persischen Golf. Vor Kriegsbeginn passierten täglich 120 bis 140 Schiffe die Meerenge, aktuell sind es 12 bis 15. Jakob Larsen vom Reedereiverband BIMCO betonte, bevor Tanker wieder regulär fahren könnten, müssten "minenfreie Routen festgelegt und glaubwürdige Garantien beider Seiten gegeben werden". Das Pentagon schätzt, dass eine vollständige Minenräumung bis zu sechs Monate dauern könnte. Das Abkommen sieht 30 Tage vor.
Update 16. Juni, 13:10 Uhr: Irans Außenminister Abbas Aragtschi hat erklärt, das Abkommen schließe den Abzug israelischer Truppen aus dem Libanon ein und mache ihn zur Bedingung für das endgültige Kriegsende. Gegenüber ausländischen Diplomaten in Teheran sagte er: „Das Ende des Krieges im Libanon ist ein untrennbarer Teil des vollständigen Kriegsendes.“ Ein US-Regierungsvertreter widersprach dieser Darstellung umgehend: Das Abkommen enthalte eine solche Klausel nicht. Israels Premierminister Benjamin Netanyahu bekräftigte, Israel werde in einer Pufferzone im Südlibanon verbleiben, „so lange wie nötig“. Die Diskrepanz zwischen iranischer und amerikanischer Auslegung des Abkommens ist die erste ernsthafte Belastungsprobe seit der Einigung am Sonntagabend. Die physische Unterzeichnung ist für Freitag, den 19. Juni, in Genf geplant.
Update 17. Juni, 20:00 Uhr: Das Memorandum of Understanding wurde am 17. Juni unterzeichnet, zwei Tage früher als geplant und an einem anderen Ort: Trump unterschrieb beim G7-Abendessen im Schloss Versailles, Irans Präsident Masoud Pezeschkian gleichzeitig in Teheran. Nicht Parlamentspräsident Ghalibaf, sondern der Präsident selbst unterzeichnete das Abkommen. Die USA veröffentlichten den vollständigen 14-Punkte-Text: Iran darf Öl sofort wieder exportieren, die Straße von Hormus ist für 60 Tage gebührenfrei für alle Schiffe geöffnet und das angereicherte Uran wird mindestens durch Verdünnung vor Ort unter IAEA-Aufsicht behandelt. Die USA und regionale Partner sollen einen Wiederaufbauplan für Iran im Wert von mindestens 300 Milliarden Dollar entwickeln. Strittig ist die von Iran geforderte Freigabe von 24 Milliarden Dollar in eingefrorenen Vermögenswerten: Vizepräsident Vance wies eine Vorabauszahlung öffentlich zurück.
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