Trumps Iranabkommen: Einig, aber kein Datum
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Trumps Iranabkommen: Einig, aber kein Datum

Trump verkündete am Samstagabend auf Truth Social, das Abkommen mit Iran sei für Sonntag geplant. Iran widersprach sofort, beide Seiten bestätigen aber ein 14-Punkte-Memorandum, das den Krieg beenden und die Hormusmeerenge öffnen soll.

14. Juni 2026, 3:07 Uhr 780 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Am Sonntag, dem 14. Juni, ist der Tag, den Trump versprochen hatte. Am Samstagabend schrieb er auf Truth Social: Das Abkommen mit Iran sei für morgen zur Unterzeichnung geplant, danach öffne die Straße von Hormus sofort für alle. Irans Außenministerium widersprach innerhalb einer Stunde: Eine Unterzeichnung werde am Sonntag nicht stattfinden. Was beide Seiten nicht bestreiten: Ein Memorandum mit 14 Punkten liegt vor, auf das sich Diplomaten im Grundsatz geeinigt haben. Drei strukturelle Hindernisse verhindern bisher die Unterschrift.

Ein Memorandum, zwei Lesarten

Pakistan übernimmt in diesem Konflikt die Rolle des Hauptvermittlers. Premierminister Shehbaz Sharif teilte am Freitag mit, ein endgültiger, von allen Seiten abgestimmter Text liege vor. Iran veröffentlichte seinen Entwurf über die staatliche Nachrichtenagentur Mehr News: Kernpunkte sind die sofortige Öffnung der Hormusmeerenge ohne Durchfahrtgebühren, die Räumung aller Minen innerhalb von 30 Tagen, die Freigabe von 24 Milliarden Dollar eingefrorener iranischer Auslandsvermögen sowie die Aufhebung der US-Ölsanktionen. Das Nuklearprogramm wird ausgeklammert: In einem 60-tägigen Verhandlungsfenster nach Unterzeichnung soll es getrennt verhandelt werden.

Trump widersprach der iranischen Darstellung scharf. Was der iranische Staatsrundfunk über das Abkommen verbreite, habe nichts mit den tatsächlich vereinbarten Bedingungen zu tun. Außenminister Abbas Araghchi erklärte dennoch: Wir waren noch nie so nah dran. Ein Moment, der die Lage treffend beschreibt: Beide Seiten behaupten, kurz vor der Einigung zu stehen, streiten aber über den Inhalt dessen, worin die Einigung besteht.

Drei Hindernisse auf dem Weg zur Unterschrift

Das erste Hindernis ist das Nuklearprogramm. Das Memorandum schiebt die eigentliche Atomfrage auf, löst sie aber nicht. Der IAEA-Gouverneursrat verpflichtete Iran am 10. Juni mit einer Resolution zur Offenlegung von 440 Kilogramm hochangereicherten Urans. Seit Kriegsbeginn am 28. Februar hat kein internationaler Inspektor iranische Nuklearanlagen betreten. Teheran schlägt vor, das Material auf iranischem Boden auf niedrigere Anreicherungsniveaus zu verdünnen. Washington und Israel bestehen auf Abtransport oder Vernichtung. Das Verhandlungsfenster von 60 Tagen verschiebt diesen Widerspruch, löst ihn nicht. Israel ist nicht Partei des Memorandums und hat signalisiert, einem Abkommen nur zuzustimmen, das Urananreicherung dauerhaft beendet.

Das zweite Hindernis ist die Kommandostruktur der Islamischen Revolutionsgarden. Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf soll das Abkommen für Teheran unterzeichnen. Ghalibaf ist ehemaliger IRGC-Luftwaffenkommandeur; die Logik hinter seiner Wahl ist, dass er glaubwürdiger als ein Diplomat signalisieren kann, die Revolutionsgarden würden die Vereinbarung einhalten. Ob das stimmt, ist unbewiesen. Seit dem Tod des Obersten Führers Ali Khamenei im Februar 2026 ist die Kommandobeziehung zwischen Zivilregierung und IRGC institutionell ungeklärt. Araghchi verhandelt das Abkommen. Wer die Minen in der Meerenge räumt und die Drohnenangriffe auf Handelsschiffe einstellt, entscheidet das IRGC-Marinekommando.

Das dritte Hindernis ist die Finanzfrage. Irans veröffentlichter Entwurf enthielt ein US-mitfinanziertes Wiederaufbauprogramm in dreistelliger Milliardenhöhe. Trump distanzierte sich explizit von dieser Zahl und bezeichnete sie als iranische Erfindung, die keine Grundlage in den Verhandlungen habe. Ohne Zustimmung des US-Kongresses wäre ein solches Programm in Washington ohnehin nicht umsetzbar.

Montag in Évian als implizite Frist

Am Montag beginnt in Évian-les-Bains am Genfer See der G7-Gipfel unter französischem Vorsitz. Der Irankonflikt steht auf der Tagesordnung. Eine Unterzeichnung noch vor Gipfelbeginn würde Trump erlauben, das Dokument als eigenen diplomatischen Durchbruch in das Treffen der G7-Staaten einzubringen. US-Finanzminister Scott Bessent nannte Montag als möglichen Termin für den Abschluss. Vizepräsident JD Vance soll das Abkommen für Washington unterzeichnen; für Iran ist Ghalibaf vorgesehen. Genf war in Diplomatenkreisen als möglicher Unterzeichnungsort gehandelt worden; Teheran dementierte das.

ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa berichtete aus Teheran, Iran trete bewusst auf die Bremse. Teherans Botschaft an Washington lautet: Den Zeitplan bestimmt nicht das Weiße Haus allein. Pakistan, das als Hauptvermittler fungiert, erklärte, es arbeite eng mit beiden Seiten zusammen, um die nächsten Schritte zu finalisieren.

Ob das Papier die Meerenge öffnet

Die entscheidende Frage stellt sich nach einer möglichen Unterzeichnung, nicht davor. Frühere Waffenruhen im Irankonflikt scheiterten daran, dass IRGC-Einheiten weiter Drohnen auf Handelsschiffe feuerten, während Diplomaten Pausen vereinbart hatten. NBC News berichtete, Diplomaten beider Seiten hielten eine Unterzeichnung innerhalb von Tagen für das realistischste Szenario.

Das Memorandum würde formal den Krieg beenden und die Hormusmeerenge öffnen, durch die vor Kriegsbeginn täglich rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Rohöls flossen. Das überzeugendste Signal wäre nicht das Dokument selbst, sondern der erste Tanker, der ungehindert hindurchfährt.

Quellen (8)

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