Wind und Solar liefern erstmals mehr als Gaskraft
Im April 2026 produzierten Wind- und Solaranlagen weltweit mehr Strom als sämtliche Gaskraftwerke zusammen. Das Analyseinstitut Ember dokumentiert: 531 Terawattstunden aus Wind und Solar standen 477 Terawattstunden aus Erdgas gegenüber. Vor fünf Jahren hatte Gas das Doppelte der erneuerbaren Erzeugung geliefert. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass Wind und Solar allein, ohne Wasserkraft, eine fossile Energiequelle im Monatsvergleich hinter sich lassen.
Von 245 auf 531 Terawattstunden in fünf Jahren
Die Größenordnung des Wandels lässt sich an zwei Aprilmonaten ablesen. Im April 2021 produzierten Wind und Solar zusammen 245 Terawattstunden weltweit, Gaskraftwerke lieferten 476 Terawattstunden. Das Verhältnis war fast zwei zu eins zugunsten von Gas. Im April 2026 ist das Verhältnis umgekehrt: 531 zu 477 Terawattstunden für die Erneuerbaren. Windkraft und Solar haben ihre Erzeugung in fünf Jahren mehr als verdoppelt, Gas liegt nahezu unverändert.

Der Anteil von Wind und Solar am weltweiten Strommix kletterte im April 2026 auf 22 Prozent, Gas fiel auf 20 Prozent. Das Wachstum im Vergleich zum April 2025 betrug global 13 Prozent. Am stärksten legte Großbritannien zu, mit plus 35 Prozent, gefolgt von Chile mit 24 Prozent und Australien mit 17 Prozent. China wuchs um 14 Prozent, die EU um 13 Prozent. Die USA lagen mit plus 8 Prozent unter dem globalen Schnitt.
Warum ausgerechnet der April
Kostantsa Rangelova, Energieanalytikerin bei Ember, nennt zwei Gründe: einen saisonalen und einen strukturellen. Saisonal liegt der April günstig für Erneuerbare: Zwischen Heiz- und Kühlsaison ist die Nachfrage nach Strom niedriger, während Frühjahrswind und längere Sonnentage die Erzeugung beflügeln. Gaskraftwerke fahren in dieser Schwachlastzeit geringere Kapazitäten. Strukturell hingegen beschreibt Rangelova einen Prozess, der seit Jahren läuft: "Länder auf der ganzen Welt haben sich für Wind und Solar entschieden, weil sie günstig, heimisch und sicher sind."
Die Energiekrise nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat diesen Trend noch verstärkt. Gas wurde teurer und politisch riskant, während Solar und Wind günstiger als je zuvor bauen ließen. Europäische Regierungen beschleunigten ihre Ausbauprogramme, um die Abhängigkeit von Importgas zu verringern. Was 2022 als Notreaktion begann, ist heute strukturelle Realität: April 2026 ist nicht das Ergebnis einer Ausnahmesituation, sondern das Ergebnis von Jahren konsequenten Ausbaus.

Im Vergleich: Wendepunkte der Energiewende
Der April-Meilenstein reiht sich in eine Serie von Wendepunkten ein, die Dynamik der Energiewende beschreiben. 1976 kostete ein Watt Solarleistung rund 100 US-Dollar; 2024 lag der Preis unter 0,30 US-Dollar, eine Preissenkung um 99,7 Prozent in fünfzig Jahren. Die Kapazität explodierte entsprechend: 2010 waren weltweit etwa 40 Gigawatt Solarleistung installiert, 2025 über 4.000 Gigawatt, ein Faktor von 100 in fünfzehn Jahren.
Dänemark veranschaulicht, wie schnell struktureller Wandel möglich ist: In den 1980er Jahren bezog das Land nahezu seinen gesamten Strom aus Öl und Kohle; 2024 stammten mehr als 80 Prozent der dänischen Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen, vor allem Windkraft. 2025 übertraf der globale Anteil erneuerbarer Energien erstmals den von Kohle im Jahresschnitt, wie Ember im Global Electricity Review 2026 dokumentiert. Der April 2026 bringt nun den nächsten Schritt: Wind und Solar allein, ohne die Unterstützung von Wasserkraft, übertreffen Gas in einem einzelnen Monat.
Wenn auch Herbst und Winter folgen
Der Jahressieg über Gas liegt noch einige Jahre entfernt. Im Winter, wenn kurze Tage die Solarausbeute drücken und Heiznachfrage Gaskraftwerke antreibt, wird Gas voraussichtlich noch länger die Nase vorn haben. Aber der Abstand wird kleiner. Bei einem Wachstum von 13 Prozent pro Jahr verdoppelt sich die Erzeugung aus Wind und Solar in etwa sechs Jahren. Gas hingegen wächst kaum. Wenn die Kapazitäten weiter im gegenwärtigen Tempo zunehmen, werden nach dem April bald auch die Frühjahrs- und Sommermonate kippen. Dann folgen Herbstmonate. Der Jahresdurchschnitt ist nur eine Frage der Zeit.
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