Iran-Krieg: Vier US-Tote, zehn Nächte, kein Endpunkt
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Iran-Krieg: Vier US-Tote, zehn Nächte, kein Endpunkt

In zehn aufeinanderfolgenden Nächten haben US-Streitkräfte den Iran bombardiert. Vier US-Soldaten sind seit dem 17. Juli getötet worden, doch einen öffentlich definierten Kriegsausgang hat Washington bisher nicht formuliert.

21. Juli 2026, 6:58 Uhr 1057 Wörter · 6 Min. Lesezeit

Am 23. Juli werden vier US-Soldaten in einem würdigen Transfer zur Dover Air Force Base überführt. Sie starben durch iranische Angriffe in zwei Wochen, in denen das US-Zentralkommando CENTCOM zehn Nächte in Folge den Iran bombardierte. Einen öffentlich kommunizierten Endpunkt für den Krieg hat Washington bisher nicht formuliert.

Zehn Nächte, vier Tote

Nachdem Trump das Islamabad-Memorandum am 8. Juli für gescheitert erklärt hatte, griff das US-Zentralkommando CENTCOM in jeder folgenden Nacht iranische Militärziele an. In der zehnten Nacht, in der Nacht auf den 21. Juli, meldeten iranische Staatsmedien Explosionen in Bandar Abbas, in Sirik, auf Qeschm sowie in Shiraz und Isfahan. CENTCOM nannte als Ziele Raketenabschussanlagen, Luftabwehrsysteme, Küstenüberwachungsanlagen und Kommunikationsnetze. US-Streitkräfte veröffentlichten Aufnahmen der Angriffe.

Die Opferbilanz hat sich in den vergangenen Tagen erheblich verschlechtert. Am 18. Juli tötete ein iranischer Drohnenangriff zwei US-Soldaten auf der Basis Al Azraq im Osten Jordaniens. Noch am selben Tag starb ein dritter US-Soldat in Nordostiraq: CENTCOM bestätigte, er sei bei der kontrollierten Sprengung einer abgeschossenen iranischen Kamikaze-Drohne ums Leben gekommen. Wenige Tage später erlag ein vierter Soldat seinen Verletzungen nach einem iranischen Angriff. Das Pentagon gab bekannt, alle vier würden am 23. Juli in einem würdigen Transfer zur Dover Air Force Base überführt. Die Gesamtzahl der US-Gefallenen im seit Februar andauernden Irankrieg stieg damit auf 17.

Parallel zu den US-Luftangriffen weiteten die iranischen Revolutionsgarden ihre Gegenschläge auf US-Stützpunkte in der Region aus. Kuwait fing in der Nacht zum 21. Juli feindliche Objekte ab, in Bahrain heulten Sirenen, Jordaniens Militär schoss nach eigenen Angaben iranische Raketen ab. Iran greift seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe Stützpunkte in Kuwait, Bahrain und Jordanien gleichzeitig an.

Trumps Strategie: keine Fristen, kein Endpunkt

Auf die Frage, ob er Iran ein zeitliches Ultimatum setzen werde, sagte Trump laut The Hill: „I don't like giving deadlines, but they pretty much know; they know the story… they better behave.“ Eine Strategie, die den Krieg zu einem definierten Punkt führt, hat die Administration öffentlich nicht kommuniziert.

Hinter den Kulissen bereitet Washington nach Informationen der Washington Post mehr vor als Nachtbombardements. Ein US-Regierungsbeamter, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte dem Blatt: „The U.S. is planning for a wider war.“ Präsident Trump hatte noch in der Nacht, in der die US-Soldaten in Jordanien starben, auf seiner Social-Media-Plattform angekündigt, die Antwort werde „swift and powerful“ sein. CENTCOM startete danach die achte aufeinanderfolgende Angriffsnacht.

Der strategische Kern des Problems bleibt ungelöst. Nach Angaben von US-Admiral Brad Cooper vor dem Kongress haben die USA über 85 Prozent der iranischen Verteidigungsindustrie zerstört. Trotzdem feuert Iran weiter auf Tanker und greift US-Stützpunkte in drei Ländern an. Militärischer Druck hat Irans Kapazitäten verringert, aber nicht seine Bereitschaft, die Straße von Hormus zu blockieren. Das Time-Magazin fasste die Lage nach fünf Monaten Krieg so zusammen: „A War Neither America Nor Iran Can Win.“

Im Kongress gibt es seit Wochen Unruhe über die rechtliche Grundlage der Operationen. Das Repräsentantenhaus votierte am 3. Juni mit 215 zu 208 Stimmen für eine nicht bindende Kriegsvollmacht-Resolution, der Senat folgte mit 50 zu 48 Stimmen. Beide Beschlüsse sind rechtlich wirkungslos. Die Administration argumentiert, die Waffenruhe vom 17. Juni habe den War-Powers-Takt zurückgesetzt: Nicht 150 Tage Krieg, sondern wieder Tag eins seit dem 7. Juli. Demokraten nennen das Etikettenschwindel. Mehrheitsführer John Thune verlangte nach dem Tod der US-Soldaten in Jordanien eine formale Unterrichtung nach dem War Powers Act innerhalb von 48 Stunden.

Was der Krieg amerikanische Autofahrer kostet

Das spürbarste innenpolitische Signal liefern die Zapfsäulen. Der nationale Benzindurchschnitt in den USA erreichte am Montag laut AAA-Daten 4,003 Dollar je Gallone, zum ersten Mal seit mehr als einem Monat wieder über vier Dollar. Das sind 86 Cent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres und 13 Cent mehr als in der Woche zuvor. In Kalifornien liegt der Preis bereits bei rund 5,50 Dollar. Diesel, der Treibstoff für den gesamten Gütertransport, notiert bei 5,11 Dollar je Gallone, einem Plus von 23 Cent gegenüber der Vorwoche. UBS-Chefstratege Bhanu Baweja warnte, die wirtschaftliche Schwerkraft werde US-Haushalte einholen: Die genaue Zeitverzögerung sei offen, die Richtung nicht.

Für europäische Verbraucher und Unternehmen bleibt Brent-Rohöl unterhalb der April-Spitzen von über 100 Dollar je Barrel, notiert aber bei rund 76 bis 80 Dollar. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus liegt weiterhin bei rund 30 Prozent des normalen Niveaus; rund 2.000 Handelsschiffe mit 20.000 Seeleuten sitzen im Persischen Golf fest. Jedes Schiff, das über die Umgehungsroute entlang der omanischen Küste fährt, legt erheblich längere Strecken zurück und treibt damit Frachtraten und Versicherungsprämien in die Höhe.

Bis zum 16. August: der letzte formale Rahmen

Pakistan und Qatar haben am 20. Juli gemeinsam eine Zehn-Tage-Feuerpause vorgeschlagen, um das zerbrochene Islamabad-Memorandum zu beleben. Der Vorschlag setzt voraus, dass beide Seiten zu den Positionen vom 9. Juli zurückkehren, also zu dem Stand vor dem iranischen Tankerangriff, der Trump veranlasste, das Memorandum für gescheitert zu erklären. Ein ranghoher iranischer Vertreter bestätigte Reuters, Vermittler arbeiteten aktiv an der Deeskalation. Irans Außenamtssprecher Esmail Baghaei sprach von laufenden Kommunikationskanälen. Eine Reaktion Washingtons auf das konkrete Zehntage-Angebot war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels nicht bekannt.

Das Islamabad-Memorandum vom 17. Juni läuft formal bis zum 16. August. Nach diesem Datum existiert kein unterzeichnetes Verhandlungsformat mehr, das die Intensität der militärischen Operationen auch nur nominell begrenzt. Außenminister Marco Rubio signalisierte Gesprächsbereitschaft, knüpfte sie aber an die Bedingung einer freien Hormus-Durchfahrt. Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte, sein Land werde nicht verhandeln, solange die USA weiterbombierten. Der Zehntage-Waffenstillstand wäre der einzige Weg, diesen Knoten zu lösen, bevor der formale diplomatische Rahmen am 16. August ausläuft.

Update 21. Juli, 11:00 Uhr: In der Nacht auf Dienstag griff Iran erneut einen Tanker in der Straße von Hormuz an: Der kuwaitische Tanker Kaifan, beladen mit Öl und Chemikalien, wurde nahe dem östlichen Ausgang der Meerenge am Heck getroffen; die Besatzung musste das Schiff verlassen. Parallel erklärte Irans Außenministerium, Teheran werde das Islamabad-Memorandum nicht implementieren, solange Washington weiter bombardiere. Das widerspricht der Verhandlungsbereitschaft, die Außenamtssprecher Baghaei noch am Montag signalisiert hatte. Trumps Verhandlungsteam aus Vizepräsident JD Vance, Jared Kushner, Sondergesandtem Steve Witkoff und Außenminister Marco Rubio soll die Gespräche laut CNBC dennoch am Samstag, dem 25. Juli, in Maskat fortsetzen.

Update 21. Juli, 15:00 Uhr: Irans Angriffe treffen Kuwaits Wasserversorgung direkt. Zum vierten aufeinanderfolgenden Tag beschossen Revolutionsgarden kuwaitische Kraftwerke und Entsalzungsanlagen; das Elektrizitätsministerium bestätigte Brände in mehreren Einrichtungen und laufende Reparaturarbeiten. Kuwait gewinnt rund 90 Prozent seines Trinkwassers durch Meerwasserentsalzung. Die Regierung forderte die Bevölkerung auf, Wasserverbrauch und Stromverbrauch zu senken und verurteilte die Angriffe als gottlose Aggression.

Quellen (20)

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