US-Lehrerstress: Erste messbare Verbesserung seit 2021
Jede zweite Lehrkraft an amerikanischen öffentlichen Schulen berichtet häufigen berufsbedingten Stress. Das ist zu viel. Aber es ist weniger als im Vorjahr. Die RAND Corporation hat im Rahmen ihrer jährlichen State of the American Teacher-Erhebung 2026 gemessen, dass der Anteil von 62 Prozent (2025) auf 55 Prozent sank. Es ist die erste messbare Trendumkehr seit dem Krisenpeak in der Pandemie.
Sieben Prozentpunkte in einem Jahr
Elizabeth D. Steiner, Seniorforscherin bei RAND und Leiterin der Studie, formuliert das Ergebnis nüchtern: „Das Wohlbefinden der Lehrkräfte hat sich seit dem schlimmsten Punkt der Pandemie stabilisiert und verbesserte sich in diesem Jahr leicht. Aber Lehrkräfte schneiden bei jedem Wohlbefindens-Indikator schlechter ab als vergleichbare Berufsgruppen.” Das ist eine Trendumkehr, keine Entwarnung.

Ein zweiter Indikator fällt noch deutlicher aus: Der Anteil der Lehrkräfte, die Schwierigkeiten bei der Stressbewältigung berichteten, sank von 21 Prozent (2025) auf 15 Prozent (2026). Das zweite Ergebnis ergänzt den ersten Befund: Nicht nur erleben weniger Lehrkräfte häufigen Stress, mehr von ihnen geben zudem an, besser damit umgehen zu können.
55 Prozent gegenüber 34 Prozent: Der Abstand zur Allgemeinbevölkerung
Unter vergleichbaren Erwerbstätigen mit Hochschulabschluss berichten laut RAND-Studie rund 34 Prozent häufigen berufsbedingten Stress. Lehrkräfte liegen mit 55 Prozent also noch immer deutlich darüber. Der Abstand hat sich zwar verringert, ist aber weit davon entfernt, geschlossen zu sein.
Die Hauptquellen des Stresses haben sich laut RAND-Studie 2026 nicht grundlegend verändert: Schülerverhalten, zu geringes Gehalt, zu viele Überstunden jenseits der Vertragsstunden und administrativer Aufwand außerhalb des Unterrichts. Diese Faktoren sind strukturell und lassen sich durch einzelne Schulprogramme nicht dauerhaft lösen. Der Anteil der Lehrkräfte, die ihren Job verlassen wollen, lag 2026 bei 18 Prozent, gesunken gegenüber den Vorjahren, aber weiterhin hoch.
Im Vergleich: Wie andere Länder mit Lehrerstress umgehen
Die USA sind kein Sonderfall. In England gaben laut einer Erhebung der National Education Union 72 Prozent der befragten Lehrkräfte an, den Berufsausstieg in Betracht zu ziehen; als Hauptgrund nannten sie den Druck durch das Schulinspektionssystem Ofsted. Im Schuljahr 2022/23 verließen rund 40.000 Lehrkräfte den staatlichen Schuldienst aus anderen Gründen als dem Renteneintritt, 8,8 Prozent der Belegschaft.

Länder mit systematisch niedrigeren Stresswerten bei Lehrkräften teilen bestimmte Merkmale: geringere Gesamtarbeitszeit (finnische Lehrkräfte arbeiten nach OECD-TALIS-Daten rund 32 Stunden pro Woche, US-Lehrkräfte rund 45 Stunden), mehr eingeplante Vorbereitungszeit und kooperative Entwicklungszeit im Stundenplan sowie weniger administrativer Druck durch verpflichtende standardisierte Tests. Diese Strukturunterschiede lassen sich nicht durch Stressbewältigungsprogramme ersetzen; sie erfordern politische Entscheidungen, die Jahre brauchen.
Drei offene Risiken für die Trendumkehr
Drei Faktoren können den positiven Trend kippen bevor er sich stabilisiert.
Erstens: Bundeskürzungen im Bildungsbereich. Die Trump-Regierung hat seit 2025 Bundeszuschüsse für Schulprogramme reduziert, die das Wohlbefinden von Lehrkräften gezielt fördern, darunter Mentoringprogramme und schulpsychologische Beratungsangebote. Schuldistrikte, die auf diese Mittel angewiesen waren, bauen entsprechende Stellen ab.
Zweitens: der Lehrermangel selbst. Rund 411.500 Stellen sind im Schuljahr 2024/25 entweder unbesetzt oder von nicht vollständig qualifizierten Lehrkräften übernommen worden, schätzt das Learning Policy Institute. Wenn weniger Kolleginnen und Kollegen eine Schule führen müssen, verteilt sich die Last auf weniger Schultern. Sinkende Stresszahlen können auch bedeuten, dass die am stärksten Belasteten aufgehört haben, nicht dass die Strukturen besser geworden sind.
Drittens: politische Unsicherheit über Schulfinanzierung und Lehrerstatus. Mehrere Bundesstaaten überprüfen derzeit Schulfinanzierungsmodelle mit direkten Konsequenzen für Gehälter und Klassengrößen. Wenn Lehrergehälter in wichtigen Bundesstaaten stagnieren oder die Klassengrößen steigen, dreht sich der Trend schnell wieder um. Die Trendumkehr von 2026 ist real und willkommen. Sie braucht strukturelle Unterstützung um zu halten.
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