47 Länder malariafrei: Globaler Fortschritt mit Lücken
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47 Länder malariafrei: Globaler Fortschritt mit Lücken

Seit dem Jahr 2000 wurden weltweit 14 Millionen Malariatode verhindert. 47 Länder sind heute offiziell malariafrei. Der Mekong ist fast eliminiert. Doch 95 Prozent der Last liegt weiterhin in Afrika, wo täglich Kinder sterben.

23. Juni 2026, 17:04 Uhr 767 Wörter · 4 Min. Lesezeit

2024 starben noch 610.000 Menschen an Malaria, die überwiegende Mehrheit Kinder unter fünf Jahren in Afrika. Gleichzeitig gelten heute 47 Länder offiziell als malariafrei, zertifiziert von der Weltgesundheitsorganisation. Seit dem Jahr 2000 wurden 14 Millionen Todesfälle und 2,3 Milliarden Erkrankungen verhindert. Diese Zahl zeigt beides: wie weit die Menschheit in einem Vierteljahrhundert gekommen ist und wo die entscheidende Lücke bleibt.

Von 108 auf 80 endemische Länder

Am Beginn des Jahrtausends war Malaria in 108 Ländern endemisch. Heute sind es 80. Der Rückgang geht auf eine koordinierte globale Strategie zurück, die ab dem Jahr 2000 Fahrt aufnahm: mit Insektizid imprägnierte Bettnetze, Artemisinin-basierte Kombinationstherapien und flächendeckende Surveillance-Systeme wurden in die einkommensschwächsten Regionen gebracht, finanziert von Staaten, dem Global Fund, der Gates-Stiftung und nationalen Gesundheitsministerien.

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Die WHO-Zertifizierung als malariafreies Land setzt voraus, dass ein Staat mindestens drei aufeinanderfolgende Jahre lang keine durch lokale Übertragung verursachten Fälle nachgewiesen hat und zugleich ein System betreibt, das neue Fälle erkennen und behandeln kann. 2024 erreichten zwei Länder diesen Status, 2025 kamen drei weitere hinzu. Insgesamt führt die WHO heute 47 zertifizierte Länder und ein Territorium, darunter weite Teile Europas, Nordafrikas und Südostasiens.

Der Mekong als Beweis der Möglichkeit

Die eindrücklichsten Zahlen kommen aus Südostasien. In der Greater Mekong Subregion, also Kambodscha, China (Provinz Yunnan), Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam, sank die Zahl der Malariafälle zwischen 2012 und 2022 um 77 Prozent, die Sterblichkeit um 97 Prozent. Laut dem Weltmalariabericht 2025 setzte sich dieser Rückgang bis 2024 fort, auf insgesamt 70 Prozent weniger Fälle gegenüber dem Stand von 2012.

Einzelne Länderdaten sind noch konkreter: Laos meldete 2024 nur noch 328 Malariafälle, eine Reduktion von mehr als 99 Prozent. Kambodscha und Vietnam erreichten Rückgänge von 99 beziehungsweise 98 Prozent. Was in der Region funktioniert, ist grenzüberschreitende Koordination: gemeinsame Surveillance-Systeme, gezielte Überwachung von Artemisinin-Resistenz und abgestimmte Reaktion auf Ausbrüche über Grenzen hinweg. Das WHO-Mekong Malaria Elimination Programme dokumentiert diese Schritte seit 2012 in regelmäßigen Epidemiologieberichten.

95 Prozent der Last liegt in Afrika

Der Fortschritt in Asien, Europa und Teilen Lateinamerikas verdeckt, wo Malaria noch immer tötet. 95 Prozent aller Fälle und 95 Prozent aller Todesfälle entfallen auf die WHO-Region Afrika. Von den 610.000 Toten 2024 war die überwiegende Mehrheit Kinder unter fünf Jahren. Über die Hälfte der Sterblichkeit im afrikanischen Raum konzentriert sich auf drei Länder: Nigeria trägt allein 31,9 Prozent der Todesfälle, die Demokratische Republik Kongo 11,7 Prozent und Niger 6,1 Prozent.

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Der WHO-Weltmalariabericht 2025 benennt drei Risikofaktoren, die den Fortschritt bedrohen. Erstens wachsende Resistenzen des Malariaerregers Plasmodium falciparum gegen Artemisinin-Therapien, besonders in Teilen Afrikas. Zweitens der Klimawandel, der Überträgermücken in neue Höhenlagen und Regionen treibt, die bisher nicht betroffen waren. Drittens Kürzungen internationaler Gelder, die Surveillance-Systeme schwächen und Bettnetze-Programme ausdünnen. Ohne verlässliche Finanzierung ist selbst zertifizierte Malariafreiheit reversibel.

Im Vergleich: Was Pocken und Polio lehrten

Malaria wäre, wenn die Eliminierungsstrategie aufgeht, die zweite menschliche Infektionskrankheit, die global ausgerottet wird. Die erste waren die Pocken. 1967 registrierte die WHO noch zehn bis 15 Millionen Pockenfälle weltweit. Am 8. Mai 1980 erklärte die Weltgesundheitsversammlung die Krankheit für ausgerottet: das einzige Mal in der Geschichte der Menschheit, dass eine Infektionskrankheit vollständig verschwand.

Polio zeigt, wie nah und wie fern Ausrottung sein kann. 1988 zählte die WHO noch 350.000 Poliofälle jährlich in 125 endemischen Ländern. Heute sind es weniger als 200 Fälle in zwei verbliebenen Endemiegebieten, Pakistan und Afghanistan: eine Reduktion um mehr als 99 Prozent. Beide Beispiele lehren dasselbe. Eliminierung braucht globale Koordination, verlässliche Finanzierung über Jahrzehnte und politischen Willen auch dann, wenn die Fallzahlen schon sehr niedrig sind und die Krankheit für reiche Länder keine Priorität mehr hat.

90 Prozent bis 2030: Was dieses Ziel bedeutet

Die WHO hat für 2030 klare Zielwerte definiert: 90 Prozent Reduktion der Inzidenz und der Malariasterblichkeit gegenüber dem Stand von 2015, verbunden mit einem Rückgang der endemischen Länder von heute 80 auf unter 40. Nach den Daten des Weltberichts 2025 liegt der Fortschritt hinter diesem Tempo. Klimaextreme und internationale Finanzierungseinbrüche haben Lücken hinterlassen.

Was den Rückstand aufholen könnte: Seit 2024 läuft der erste zugelassene Malariaimpfstoff RTS,S in 25 afrikanischen Ländern im regulären Kinderschutzprogramm. Ein zweiter Impfstoff, R21, der in frühen Studien eine Wirksamkeit von über 75 Prozent erreichte, befindet sich in der Ausweitung. Die WHO-Kampagne 2026 lautet: "Driven to End Malaria: Now We Can. Now We Must." Der Satz klingt wie eine Parole. Er ist auch eine Frage der Finanzierung.

Quellen (9)

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