Mpox in Afrika: Wie die koordinierte Reaktion die Wende schaffte
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Mpox in Afrika: Wie die koordinierte Reaktion die Wende schaffte

In der Demokratischen Republik Kongo sank die Mpox-Fallzahl von rund 590 auf 60 Fälle pro Woche, ein Rückgang um 90 Prozent. Wie eine koordinierte Reaktion mit 1,1 Milliarden Dollar und fünf Millionen Impfdosen die Trendwende in einem der schwersten Ausbrüche Afrikas herbeiführte.

22. Juni 2026, 16:43 Uhr 780 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Infektionen beim Gesundheitspersonal in der Demokratischen Republik Kongo gingen seit November 2024 um 50 Prozent zurück. Infizierte Gesundheitsarbeiter hatten als eine der größten Übertragungsquellen gegolten, in einem Gesundheitssystem das unter massivem Personalmangel leidet. Dass ihre Infektionsrate halbiert ist, gehört zu den klarsten Belegen für die Wirksamkeit der koordinierten Krisenreaktion, die mehr als 1,1 Milliarden Dollar mobilisierte, fünf Millionen Impfdosen einsetzte und die wöchentlichen Fallzahlen im Kongo von rund 590 auf etwa 60 senkte.

Vom lokalen Ausbruch zur kontinentalen Krise

Die Mpox-Epidemie, die seit 2022 zunehmend eskalierte, erreichte 2024 ihren Höhepunkt. Allein in der Demokratischen Republik Kongo, dem Epizentrum des Ausbruchs, wurden zwischen Januar und August 2024 mehr als 14.000 Verdachtsfälle in 23 der 26 Provinzen gemeldet. Das New England Journal of Medicine dokumentierte die entscheidende epidemiologische Verschiebung: Anders als beim globalen Ausbruch 2022, der vor allem Männer in Europa und Amerika betraf und durch den milderen Clade-II-Stamm ausgelöst wurde, verbreitet sich der in Afrika dominante Clade-I-Stamm vor allem über Haushaltskontakte und in Gesundheitseinrichtungen. Das macht ihn schwerer einzudämmen.

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Im August 2024 erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus den Ausbruch erneut zum internationalen Gesundheitsnotstand. Africa CDC rief eine kontinentale Notlage aus. Die Mitgliedstaaten einigten sich auf eine gemeinsame Krisenreaktion, die in diesem Umfang bislang kaum einem afrikanischen Gesundheitsnotstand zugutegekommen war.

Was die koordinierte Reaktion erreichte

Auf die Notstandserklärungen folgte eine beispiellose Ressourcenmobilisierung. Nach Angaben von Africa CDC und WHO wurden mehr als 1,1 Milliarden US-Dollar für die Krisenreaktion mobilisiert. Über fünf Millionen Impfdosen wurden in 33 afrikanischen Ländern eingesetzt, koordiniert durch WHO, Africa CDC, CEPI, Gavi und UNICEF.

Ein bislang kaum beachtetes Ergebnis der Kampagne: Die Impfakzeptanz stieg in gezielten Interventionsgebieten von 44 auf 87 Prozent. Dahinter steckt intensive Aufklärungs- und Gemeinschaftsarbeit. In der DRK griffen verbesserte Schutzmaßnahmen in Gesundheitseinrichtungen besonders schnell: Infektionen beim Gesundheitspersonal gingen laut WHO seit November 2024 um 50 Prozent zurück. Infizierte Gesundheitsarbeiter hatten als eine der wichtigsten Übertragungsquellen gegolten.

Am 5. September 2025 erklärte Tedros den internationalen Gesundheitsnotstand für beendet. Die WHO begründete das mit anhaltenden Rückgängen in den am stärksten betroffenen Ländern: der DRK, Burundi, Sierra Leone und Uganda. Der aktuellste WHO-Situationsbericht (Nummer 65, Stand 30. April 2026) zeigt die Entwicklung in Zahlen: In den sechs Wochen zuvor wurden in der DRK 367 bestätigte Clade-I-Fälle gemeldet, in Madagaskar 332, in Guinea 104, in Liberia 96 und in Ghana 50. Auf Wochenbasis entspricht das im Kongo einem Rückgang von rund 90 Prozent gegenüber dem Höhepunkt 2024.

Zwei frühere Ausbrüche als Maßstab

Der globale Mpox-Ausbruch 2022 betraf 111 Länder und rund 87.000 Menschen, vor allem in Europa und Nordamerika. Die WHO erklärte ihn am 23. Juli 2022 zum Notstand. Impfkampagnen und gezielte öffentliche Aufklärung zeigten rasch Wirkung. Knapp zehn Monate später, am 11. Mai 2023, wurde der Notstand aufgehoben. Insgesamt 140 Todesfälle wurden verzeichnet, ein vergleichsweise niedriger Wert angesichts der globalen Ausbreitung. Der entscheidende Unterschied zur Afrikakrise: Der Ausbruch von 2022 betraf Länder mit starker Gesundheitsinfrastruktur und einfachem Impfstoffzugang.

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Der Ebola-Ausbruch 2014 bis 2016 in Westafrika verlief gegensätzlich. Er tötete rund 11.325 Menschen in mehr als zwei Jahren, weil die internationale Reaktion zunächst zu spät und zu fragmentiert kam. Erst als Ressourcen in großem Maßstab mobilisiert wurden und lokale Gesundheitssysteme Unterstützung erhielten, kehrte sich die Kurve um. Die WHO erklärte den Ausbruch im Juni 2016 für beendet.

Die afrikanische Mpox-Krise der Jahre 2023 bis 2026 liegt zwischen beiden Szenarien: schwerer als der globale Ausbruch 2022, aber mit deutlich koordinierterer Reaktion als beim Ebola-Ausbruch 2014.

Neue Hotspots und alte Finanzierungslücken

Trotz der Fortschritte hält Africa CDC die kontinentale Notlage aufrecht. Der WHO-Lagebericht zeigt weshalb: Liberia, Ghana und Guinea melden steigende Fallzahlen und sind zu neuen Hotspots geworden. Besonders besorgniserregend ist, dass Clade-Ib-Fälle ohne erkennbare Reiseverbindung nach Afrika inzwischen in sechs Ländern bestätigt wurden, darunter Italien, die Niederlande und die USA.

Wissenschaftler warnen in Nature Communications vor einem strukturellen Risiko: Ohne einen globalen Mpox-Impfstoffvorrat, finanziert durch nachhaltige und transparente Mechanismen, drohe die Versorgung neu aufflammender Hotspots zu versagen. Das Lancet Global Health dokumentierte, wie Mittelkürzungen und verzögerte internationale Reaktionen neue Epizentren erst möglich machen.

Die bisherigen Fortschritte sind real und messbar. Ob der Rückgang anhält, entscheidet sich in den kommenden Monaten vor allem dort, wo neue Hotspots entstehen: in Ländern mit schwächerer Gesundheitsinfrastruktur und begrenztem Zugang zu Impfstoffen.

Quellen (11)

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