DAX
S&P 500
NASDAQ
Dow Jones
MSCI World
Gold
Silber
Brent
BTC
Apple
Microsoft
NVIDIA
Amazon
Alphabet
Meta
Berkshire
Broadcom
Tesla
TSMC
← Zurück zur Übersicht
International
London warnt Moskau: Britische Marine deckt russische U-Boot-Operation auf

London warnt Moskau: Britische Marine deckt russische U-Boot-Operation auf

Großbritannien und Norwegen haben drei russische U-Boote über einen Monat lang im Nordatlantik verfolgt, die sich über kritischen Unterseekabeln und Pipelines manövrierten. Verteidigungsminister John Healey warnte Moskau explizit: Jeder Versuch, diese Infrastruktur zu beschädigen, werde ernste Konsequenzen haben.

9. April 2026, 15:24 Uhr 721 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Das britische Verteidigungsministerium hat heute eine mehr als einmonatige verdeckte Operation öffentlich gemacht: Großbritannien und Norwegen haben drei russische U-Boote im Nordatlantik aufgespürt, verfolgt und abgedrängt. Die russischen Fahrzeuge hatten sich direkt über kritischen Unterseekabeln und Pipelines positioniert, durch die 99 Prozent des internationalen Datenverkehrs und 50 Prozent des britischen Erdgases fließen. Verteidigungsminister John Healey richtete eine direkte Warnung an Moskau: "Wir sehen eure Aktivität über unseren Kabeln und Pipelines und ihr solltet wissen, dass kein Versuch, sie zu beschädigen, toleriert werden wird."

Die Operation

An der Operation waren drei russische Unterseeboote beteiligt: ein Angriffsunterseeboote der Akula-Klasse sowie zwei Spionage-U-Boote der russischen Hauptverwaltung für Tiefseeforschung (GUGI), die auf Unterwassersabotage und Kabelvermessung spezialisiert ist. Das Einsatzgebiet war der Nordatlantik nördlich der britischen Inseln, innerhalb der britischen ausschließlichen Wirtschaftszone.

Großbritannien setzte mehrere Kriegsschiffe ein: HMS St Albans, HMS Somerset und HMS Mersey, unterstützt von den Versorgungsschiffen RFA Tidespring und RFA Tideforce sowie Merlin- und Wildcat-Hubschraubern. RAF-P8-Patrouillenflugzeuge absolvierten mehr als 450 Flugstunden. Insgesamt waren rund 500 britische Soldaten beteiligt. Norwegen koordinierte seinen Beitrag über das Lunna House Agreement, einen bilateralen U-Jagd-Vertrag vom Dezember 2025.

Premierminister Keir Starmer erklärte: "Unsere Streitkräfte gehören zu den besten der Welt und die britische Bevölkerung sollte nicht daran zweifeln, dass diese Regierung alles tun wird, um unsere nationale und wirtschaftliche Sicherheit zu schützen." Im November 2025 war der russische Spion-Trawler Yantar bereits nahe schottischer Gewässer beim systematischen Kartieren von Kabel- und Pipelinerouten beobachtet worden.

Was auf dem Spiel steht

Durch den Nordatlantik verlaufen Glasfaserkabel, über die 99 Prozent des internationalen Telekommunikations- und Datenverkehrs zwischen Europa und Nordamerika transportiert werden. Dazu kommen Pipelines, durch die ein erheblicher Teil der britischen und europäischen Gasversorgung fließt. NATO-Vertreter James Appathurai bezeichnete russische Angriffe auf diese Infrastruktur als die aktivste Bedrohung für die westliche Infrastruktur derzeit.

Die NATO reagierte bereits im Februar 2026 mit der Mission Arctic Sentry, einer Überwachungsoperation im Hohen Norden unter britischer Führung. Als Teil des britischen Programms Atlantic Bastion investiert London zusätzlich 100 Millionen Pfund in P8-Patrouillenflugzeuge sowie in autonome Unterseesysteme für die U-Jagd.

Eine Serie von Vorfällen

Die enttarnte Operation ist kein Einzelfall. Im September 2022 wurden Nord Stream 1 und 2 durch Unterwasserexplosionen nahe Bornholm beschädigt, die Ermittlungen blieben ohne abschließendes Ergebnis. Im Oktober 2023 wurde die Balticconnector-Pipeline zwischen Finnland und Estland durchtrennt, ein chinesisches Schiff geriet in Verdacht. Im November 2024 wurden gleichzeitig das Kabel zwischen Schweden und Litauen sowie das C-Lion1-Kabel zwischen Finnland und Deutschland gekappt. Damaliger Verteidigungsminister Boris Pistorius sagte: "Das ist kein Zufall." Im Dezember 2024 wurden das Stromkabel Estlink 2 sowie vier weitere Internetkabel an Weihnachten beschädigt, ein Schiff mit russischen Verbindungen geriet in Verdacht.

Die GUGI-Einheit, die zwei der drei jetzt identifizierten U-Boote betreibt, gilt als russisches Spezialprogramm für Tiefseesabotage. Sie operiert von der Basis Olenya Guba auf der Kola-Halbinsel und setzt neben U-Booten auch Tauchboote der Loscharik-Klasse sowie unbemannte Unterwasserfahrzeuge ein.

Was folgt

Die britische Regierung hat die Offenlegung der Operation bewusst gewählt: Sie dient als öffentliche Abschreckungsmaßnahme und als Signal an Verbündete. Ob Russland seine Aktivitäten daraufhin reduziert, ist unklar. NATO-Mitglieder diskutieren seit den Vorfällen von 2024 über erweiterte Schutzmaßnahmen, darunter permanente Überwachungsflüge entlang kritischer Kabeltrassen und maritime Schnelleingreifkräfte. Die nächste formale NATO-Beratung über Infrastrukturschutz ist für den NATO-Außenministergipfel Ende April angesetzt.

KI-gestützt erstellt

Weitere Artikel

Good News

Fast 10.000 Wisente: Europas größter Landsäuger kehrt zurück

Vor zehn Jahren lebten nur rund 2.500 Europäische Wisente frei in der Wildbahn, heute sind es fast 10.000. Die Rückkehr des größten Landsäugers Europas überrascht auch als Klimaschutzbeitrag.

6 Quellen 3 Min. Lesezeit
International Aktualisiert

Slowakei: Fico will Briefwahl aus dem Ausland abschaffen, 60.000 protestieren

Robert Fico plant, die Briefwahl für im Ausland lebende Slowaken abzuschaffen. Wer wählen will, soll künftig zur Botschaft reisen oder in die Slowakei zurückkehren. Die betroffene Wählergruppe, junge, gebildete Slowaken in der EU, wählt geschlossen pröuropäisch. 60.000 Menschen gingen dagegen auf die Straße.

7 Quellen 4 Min. Lesezeit
International

Drei Jahre Krieg, eine Konferenz: Berlin ringt um Hilfe für Sudans vergessene Katastrophe

Genau drei Jahre nach Ausbruch des Bürgerkriegs im Sudan treffen sich in Berlin Vertreter aus mehr als 50 Staaten zur dritten internationalen Sudankonferenz. Fast 34 Millionen Menschen benötigen Nothilfe, der internationale Hilfsplan 2026 ist zu 84 Prozent nicht gedeckt.

8 Quellen 4 Min. Lesezeit
Gesellschaft

Kerkeling und die letzten Zeugen: Buchenwald erinnert an 81 Jahre Befreiung

Hape Kerkeling hielt zur Gedenkfeier in Buchenwald eine Rede, die persönliche Familiengeschichte mit einer Warnung vor antidemokratischen Kräften verband. Sein Großvater saß dort drei Jahre als politischer Häftling. Zwei Überlebende des Lagers, 98 und 99 Jahre alt, waren anwesend.

6 Quellen 4 Min. Lesezeit
International

Brüssel streicht Ölimportverbot von der Agenda: Irankrieg gibt Russland Zeit

Die EU-Kommission hat den für den 15. April geplanten Gesetzentwurf für ein dauerhaftes Ölimportverbot gegen Russland still gestrichen. Der Irankrieg liefert den Gegnern des Verbots das Argument, das sie brauchten: Brent-Rohöl steht noch immer über 100 US-Dollar, ein weiterer Angebotsschock gilt als politisch nicht vertretbar.

6 Quellen 4 Min. Lesezeit
Unterstütze uns!