NATO Ankara: Trump stoppt Handel mit Spanien
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NATO Ankara: Trump stoppt Handel mit Spanien

Donald Trump hat beim NATO-Gipfel in Ankara alle Handelsbeziehungen mit Spanien eingefroren, weil Madrid die USA während des Irankriegs aus Militärbasen ausgesperrt und den Luftraum gesperrt hatte. Dahinter steckt ein neuer Maßstab: Für Trump sind gute NATO-Partner künftig jene, die auch in US-Konflikten außerhalb des Bündnisgebiets mitmachen.

8. Juli 2026, 10:38 Uhr 940 Wörter · 5 Min. Lesezeit

'Ich wollte sehen, ob sie für uns da sein würden', sagte Donald Trump am zweiten Tag des NATO-Gipfels in Ankara. Sie waren es nicht. Deutschland, Frankreich und Italien hatten der US-Armee im Irankrieg die Unterstützung verweigert. Spanien hatte noch mehr getan: Ministerpräsident Pedro Sánchez sperrte US-Basen in Andalusien und den spanischen Luftraum für amerikanische Kampfjets. Trumps Reaktion am Mittwoch: Er wies Finanzminister Scott Bessent an, alle Handelsbeziehungen mit Spanien einzustellen. Gleichzeitig einigte sich das Bündnis auf Rüstungsaufträge im Wert von mehr als 50 Milliarden Dollar und zusätzlich 70 Milliarden Euro Militärhilfe für die Ukraine.

Die Abrechnung mit den Verbündeten

Trump machte aus seiner Frustration kein Geheimnis. "Ich war sehr enttäuscht von der Nato", sagte er bei seiner Ankunft in Ankara. Dann wurde er konkreter: "Italien hat uns abgewiesen, Deutschland hat uns abgewiesen, Frankreich hat uns abgewiesen." Die Begründung: Kein europäisches NATO-Mitglied habe die USA bei den Luftangriffen auf iranische Atomanlagen im Februar 2026 militärisch unterstützt. "Warum geben wir Hunderte Milliarden Dollar aus und sie sind nicht für uns da? Wir waren immer für sie da", sagte er.

Was wie ein gewohnter Trump-Ausfall wirkt, hat eine ungewöhnliche Dimension. Artikel 5 des NATO-Vertrags gilt für Angriffe auf Bündnisgebiet, nicht für Kriege, die ein einzelnes Mitglied aus eigener Initiative führt. Europäische Regierungen hatten den Irankrieg nicht mitgetragen: weder militärisch noch politisch. Frankreich, Deutschland und viele andere hatten bereits im Januar öffentlich vor einem US-Angriff auf Iran gewarnt. Trump behandelt die Weigerung dennoch als Pflichtverletzung und kündigt Konsequenzen an.

Spanien ist der Extremfall. Sánchez hatte den USA nicht nur Unterstützung verweigert, sondern aktiv die Nutzung von US-Militärbasen auf spanischem Territorium verboten und den Luftraum gesperrt. Trump nannte Spanien einen "schrecklichen Nato-Partner" und ordnete den vollständigen Stopp aller Handelsbeziehungen an. Ob das rechtlich durchzusetzen ist, ist offen: Spanien als EU-Mitglied ist durch europäisches Handelsrecht geschützt, das bilaterale US-Maßnahmen gegen einzelne Mitglieder erheblich erschwert. Politisch ist die Ansage dennoch eine Eskalation ohne Präzedenz in der 77-jährigen Geschichte der Allianz.

50 Milliarden in Verträgen, 70 Milliarden für die Ukraine

Neben der politischen Eskalation brachte der Gipfel konkrete Rüstungsbeschlüsse. Der größte Einzelauftrag: Kanada bestellt bis zu zwölf Unterseeboote der Klasse 212CD vom Kieler Hersteller TKMS. Die 212CD-Klasse ist wasserstoffbetrieben, nahezu lautlos und für Küsteneinsätze ausgelegt. Es wäre einer der größten Rüstungsaufträge der deutschen Marinegeschichte. Rheinmetall und Lockheed Martin unterzeichneten eine Absichtserklärung für die gemeinsame Produktion von ATACMS-Kurzstreckenraketen auf europäischem Boden. Hinzu kommen der gemeinsame NATO-Kauf von zehn schwedischen Saab-Frühwarnflugzeugen und die Einrichtung eines neuen NATO-Wartungszentrums für Patriot-Abfangraketen in Europa. Alle Verträge zusammen übersteigen nach Angaben der Allianz 50 Milliarden Dollar.

In die Drohnenabwehr will die NATO in den nächsten fünf Jahren mehr als 40 Milliarden Dollar investieren. Die Ausbildungskapazitäten für Drohnenpersonal sollen bis Ende 2027 verfünffacht werden. Für die Ukraine garantierten die europäischen Mitglieder und Kanada 70 Milliarden Euro Militärhilfe für 2026 und erneut 70 Milliarden für 2027. Die USA beteiligen sich an dieser Zusage nicht. Bundeskanzler Friedrich Merz gab die politische Richtung vor: "Der Kreml darf langsam klar sein, dass Russland seine Kriegsziele nicht erreichen wird."

Erdoğan als Gewinner des Gipfels

Die Türkei profitiert konkret vom Gastgeberstatus. Trump signalisierte Präsident Recep Tayyip Erdoğan bei ihrem bilateralen Treffen, er sei bereit, der Türkei Kampfjets des Typs F-35 zu verkaufen. Das Angebot war unter Trump und Biden seit 2019 blockiert, nachdem Ankara das russische Luftabwehrsystem S-400 gekauft hatte. Eine formelle Entscheidung liegt noch nicht vor, aber der Richtungswechsel ist deutlich. Erdoğan hatte die Ausrichtung des Gipfels in Ankara jahrelang angestrebt. Seine Kalkulation, einen guten Draht zu Trump zu nutzen, scheint aufgegangen zu sein.

Das ist auch eine stille Botschaft an die anderen Verbündeten: Wer Trump nützlich ist, bekommt Zugeständnisse. Wer sich querstellt, riskiert Konsequenzen, ob Handelsdrohungen oder Truppenabzug. NATO-Generalsekretär Mark Rutte versuchte zu vermitteln und nannte Trumps Forderung nach höheren Verteidigungsausgaben "vollkommen fair". Was er über den Streit um die Iran-Kriegsbeteiligung sagte, ist bislang nicht bekannt.

Das Bilateral mit Selenskyj und der Anruf bei Putin

Am Mittwochnachmittag trifft Trump Wolodymyr Selenskyj bilateral. Selenskyj reist mit zwei konkreten Wünschen an: mehr Patriot-Abfangraketen aus NATO-Lagerbeständen und US-Produktionslizenzen, damit die Ukraine diese Raketen selbst herstellen kann. Auf die Forderung reagierte Trump bisher ausweichend positiv: "Wir schauen uns das an." Das Gipfeldokument hält fest, die Mitglieder seien "bereit zu prüfen", inwieweit solche Lizenzen vergeben werden können. Konkreter wird es vorerst nicht.

Nach dem Selenskyj-Treffen plant Trump einen Anruf bei Wladimir Putin. Es wäre der jüngste in einer Serie von Gesprächen seit April, aus denen keine konkreten Ergebnisse hervorgegangen sind. Das Schlachtfeld ist seit Monaten eingefroren; beide Seiten kommen nicht voran. Ob Trump Putin in dem Telefonat einen neuen Vorschlag macht oder nur Druck ausübt, ist offen. Was Ankara hinterlässt, ist für Europa zuerst eine andere Frage: Welche Konflikte muss man künftig unterstützen, um im Bündnis als verlässlicher Partner zu gelten.

Update 8. Juli, 17:00 Uhr: Im bilateralen Treffen mit Selenskyj am Mittwochnachmittag bewilligte Trump die Herstellung von Patriot-Abfangraketen auf ukrainischem Boden. „Wir geben ihnen das Recht, Patriots zu bauen. Wir zeigen ihnen wie es geht“, sagte Trump; die zuständigen Unternehmen Lockheed Martin und RTX seien noch nicht informiert worden. Laut Trump könnte die Produktion in der Ukraine innerhalb von zwei bis drei Monaten anlaufen. Beim Abflug aus Ankara bezeichnete Trump die Gipfelatmosphäre als „geeint“ und nannte die laufenden Friedensgespräche mit Russland ausdrücklich einen „Fortschritt“.

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