WM 2026: Kap Verdes Märchen und Schottlands ewiges Warten
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WM 2026: Kap Verdes Märchen und Schottlands ewiges Warten

Nach 17 Tagen Gruppenphase steht das Tableau des ersten 48-Mannschaften-Turniers. Kap Verde qualifiziert sich bei seinem ersten WM-Turnier mit drei Unentschieden für die K.o.-Runde und trifft auf Messi. Schottland scheitert nach 28-jähriger Wartezeit zum neunten Mal in der Gruppenphase.

28. Juni 2026, 10:50 Uhr 858 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Mit einem torlosen Remis gegen Saudi-Arabien schrieb Kap Verde am Samstag Fußballgeschichte: Die Inselkette mit rund 500.000 Einwohnern steht bei ihrer ersten WM-Teilnahme überhaupt erstmals in einer K.o.-Runde. Am heutigen Sonntag beginnt das Sechzehntelfinale und das Turnier hat nach 17 Tagen Gruppenphase reichlich Überraschungen geliefert. Die Verlierer sind dabei so bezeichnend wie die Gewinner: Schottland, nach 28-jähriger Abwesenheit zurück auf der großen Bühne, scheitert wieder in der Gruppenphase. Zum neunten Mal insgesamt.

Das neue Format und seine erste Bewährungsprobe

Die FIFA hatte das Turnier auf 48 Mannschaften erweitert, aufgeteilt in zwölf Vierergruppen. Zum ersten Mal in der WM-Geschichte gibt es ein Sechzehntelfinale: Die Erstplatzierten und Zweitplatzierten jeder Gruppe sowie die acht besten Gruppendritten ziehen in die K.o.-Phase ein, insgesamt 32 Teams. Dieses Format war umstritten. Kritiker warfen der FIFA vor, kommerzielle Interessen über sportliche Qualität zu stellen und die Gruppenphase durch die vielen Weiterkommenden zu entwerten.

Die Vorrunde hat diese Kritik nicht vollständig widerlegt, aber deutlich relativiert. Das neue Format hat nicht mehr Bedeutungslosigkeit in die Gruppenspiele gebracht, sondern mehr Spannung: Weil acht Gruppendritte weiterkommen, kämpfen schwächere Teams bis zum letzten Spieltag. Und weil 48 statt 32 Mannschaften am Start sind, stehen Teams im Turnier, die bei einer 32er-WM nie dabei gewesen wären. Kap Verde ist das eindringlichste Beispiel.

Kap Verde: Drei Remis, ein Märchen, ein Messi

Die Blauen Haie aus dem Atlantik gewannen in der Gruppenphase kein einziges Spiel. Drei Partien, drei Unentschieden, drei Punkte. In der Gruppe H belegten sie hinter Spanien den zweiten Platz: ein 0:0 gegen Spanien, ein 2:2 gegen Uruguay, ein 0:0 gegen Saudi-Arabien. Kevin Pina erzielte dabei das erste Tor in der Weltmeisterschaftsgeschichte Kap Verdes, in der 21. Minute beim Remis gegen Uruguay. Die Sportschau schreibt von einer WM-Sensation: Kap Verde trifft auf Messi. Eurosport zitiert internationale Pressestimmen: „Die Blauen Haie können argentinisches Blut schon riechen.”

Kap Verde ist nach Recherchen des US-Portals Texarkana Gazette das kleinste Land nach Fläche, das je eine WM-K.o.-Runde erreicht hat. Die Landfläche beträgt 4.033 Quadratkilometer, größer als Mallorca. Das Archipel vor der westafrikanischen Küste hat keine Profiliga; viele Spieler erlernen ihr Handwerk in der portugiesischen Liga oder in der Diaspora. Nun wartet Argentinien mit Lionel Messi im Sechzehntelfinale. Es ist die Paarung, die das neue Format produzieren kann und die das alte nie hergegeben hätte.

Schottland: 28 Jahre gewartet, wieder gescheitert

Schottland war 1998 in Frankreich zuletzt bei einer WM dabei, scheiterte damals in der Gruppenphase und qualifizierte sich danach für kein einziges Weltturnier mehr. Bis 2026. Die Rückkehr kostete eine dramatische Qualifikation, unter anderem ein 4:2 gegen Dänemark. Der Kicker fragte vor dem Turnier: „Gelingt erstmals der Schritt über die Vorrunde hinaus?” Die Antwort lautet: nein.

Schottland verlor gegen Marokko 0:1. Im entscheidenden dritten Gruppenspiel gegen Brasilien unterlag das Team 0:3. Die n-tv bezeichnete die Partie als „Jahrhundertspiel”, ein Spiel, das für Schottland alles hätte werden können. Es wurde eine weitere Niederlage in einer langen Reihe von Niederlagen. In ihrer gesamten WM-Geschichte, neun Teilnahmen, hat die schottische Nationalmannschaft nie die Gruppenphase überstanden. Das ist ein Rekord eigener Art. 2026 ändert daran nichts.

Zum Vergleich: Wales und Nordirland erreichten 1958 jeweils das Viertelfinale, Irland 1990. England gewann 1966 den Titel. Schottland ist die einzige britische Nation, die in allen neun WM-Teilnahmen bereits in der Gruppenphase ausschied.

Die deutlichen Enttäuschungen: Türkei und Tunesien

Schottland war nicht die einzige Mannschaft, die unter ihren Erwartungen blieb. Die Türkei war mit breiter Brust ins Turnier gegangen. Bei der EURO 2024 hatte das Team das Viertelfinale erreicht. Bei der WM 2026 blieben die Türken nach zwei Spielen ohne Tor und ohne Punkt, scheiterten an Paraguay und Australien und verließen das Turnier als eines seiner größten Enttäuschungen. Ähnlich erging es Tunesien: Ein 1:5 gegen Schweden im Auftaktspiel, gefolgt von einem 0:4 gegen Japan, bedeutete das frühzeitige Ende.

Überraschend anders verlief es für Ägypten: Die Mannschaft qualifizierte sich hinter Belgien aus der Gruppe und erreichte damit zum ersten Mal überhaupt in ihrer WM-Geschichte die K.o.-Phase. Bei den drei vorherigen Teilnahmen (1934, 1990, 2018) schied Ägypten stets in der ersten Runde aus. Mohamed Salah traf gegen Neuseeland und bereitete ebenfalls Tore vor. Südafrika schlug Südkorea 1:0 und zog ebenfalls weiter. Bosnien-Herzegowina ist dabei. Mexikos Torwart Guillermo Ochoa, der bei einem Sieg seiner Mannschaft gegen Tschechien (3:0) in Tränen ausbrach, erlebte das emotionalste WM-Gruppenfinale seiner Karriere.

Das Sechzehntelfinale: 32 Teams, sieben Tage

Von heute Sonntag bis zum 4. Juli werden alle 16 Partien des Sechzehntelfinales gespielt. Die Paarungen ergeben sich aus den Gruppenabschlüssen. Deutschland, Gruppensieger der Gruppe E trotz der 1:2-Niederlage gegen Ecuador im letzten Spiel, trifft am Montag in Boston auf Paraguay. Kap Verde gegen Argentinien ist das Traumlos der ersten Runde. Brasilien trifft auf Ghana.

Das Sechzehntelfinale ist eine Neuerung, für die es keine historische Referenz gibt. Wie konzentriert spielen Teams in einer K.o.-Runde, die bis vor wenigen Wochen noch nicht existierte? Wird Argentinien gegen Kap Verde professionell oder unterschätzt antreten? Und schafft es ein Team wie Südafrika oder Bosnien, einen der etablierten Favoriten in der neuen Runde zu bezwingen? Die Gruppenphase hat gezeigt, dass die WM 2026 für Überraschungen gut ist. Das Sechzehntelfinale beginnt heute. Der Fahrplan bis zum Finale in New York am 19. Juli ist offen wie selten.

Quellen (16)

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