10,5 Millionen für Wasserversorgung der Navajo
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10,5 Millionen für Wasserversorgung der Navajo

Navajo-Präsident Buu Nygren hat am 16. Juni sieben Wasserinfrastrukturprojekte besiegelt, die 10,5 Millionen US-Dollar ins größte indigene Reservat der USA bringen. In dem Territorium mit 169.000 Einwohnern fehlt bis zu 40 Prozent der Haushalte bis heute fließendes Wasser.

1. Juli 2026, 9:04 Uhr 735 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Auf den 70.000 Quadratkilometern der Navajo Nation, dem größten indigenen Territorium der USA, fehlt zwischen 30 und 40 Prozent der Haushalte bis heute fließendes Wasser. Sieben Infrastrukturprojekte sollen gegensteuern: Navajo-Präsident Buu Nygren unterzeichnete am 16. Juni 2026 Rahmenvereinbarungen, die 10,5 Millionen US-Dollar in Wasserleitungen, Abwassersysteme und Sanitäranlagen lenken.

Wasserknappheit in einem Territorium so groß wie Irland

Die Navajo Nation liegt auf über 70.000 Quadratkilometern in Arizona, New Mexico und Utah. 169.000 Menschen leben dort, viele von ihnen in abgelegenen Gemeinden ohne Leitungswasser. Eine 2025 veröffentlichte Erhebung der Johns-Hopkins-Universität zur Gemeinde Fort Defiance ergab, dass 27 Prozent der dortigen Haushalte keinen Rohrleitungsanschluss haben. Für das gesamte Territorium schätzen die Navajo Nation selbst und das Natural Resources Defense Council den Anteil auf 30 bis 40 Prozent, was bei 169.000 Einwohnern hochgerechnet rund 51.000 bis 68.000 Menschen ohne fließendes Wasser bedeutet.

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Besonders eindrücklich ist ein weiterer Befund der Johns-Hopkins-Erhebung: 41 Prozent der Navajo-Haushalte transportieren ihr Wasser in Containern selbst zur Wohnstätte. Diese als Water Hauling bekannte Praxis ist körperlich aufwendig und kostspielig, der größte Teil dieser Arbeit fällt laut der Studie auf Bewohner über 55 Jahre. Das Grundwasser ist in weiten Teilen des Territoriums fluorid- oder arsenbelastet, Oberflächengewässer sind selten. In der Coronapandemie 2020 zeigte sich das strukturelle Defizit besonders deutlich: Haushalte ohne fließendes Wasser konnten die empfohlene Händehygiene nicht einhalten, was die Navajo Nation zu einer der am stärksten von Covid-19 betroffenen Regionen in den USA machte.

Sieben Projekte, vier Institutionen

Die unterzeichneten Rahmenvereinbarungen bringen vier Institutionen zusammen: die Navajo Nation, den Indian Health Service (IHS), die Navajo Engineering and Construction Authority (NECA) und die Navajo Tribal Utility Authority (NTUA). Finanziert werden sie mit 10,5 Millionen Dollar aus föderalen Bundesmitteln, bereitgestellt über den IHS. Sieben konkrete Projekte adressieren damit unterschiedliche Versorgungslücken im Territorium:

  • Burnham Northwest Waterline Extension: Verlängerung einer Trinkwasserleitung in die entlegene Burnham-Gemeinde im Nordwesten
  • Winslow Distribution and Sewer Facility Replacement: Erneuerung des Verteil- und Abwassersystems in Winslow, Arizona
  • Shiprock District Housing Projects: Neue Wasserversorgungsanschlüsse für Wohneinheiten im Shiprock-Bezirk beiderseits der Grenze Arizona-Utah
  • Tuba City Service Unit Housing: Anschlüsse für Wohneinheiten in Tuba City
  • Winslow Scattered Cisterns: Zisternenlösungen für dünn besiedelte Gebiete rund um Winslow
  • Shiprock Failed Drainfield Systems: Reparatur ausgefallener Entwässerungssysteme im Shiprock-Gebiet
  • Chilchinbeto-White Mesa Booster Upgrade: Druckverstärkerstation zur Verbesserung des Wasserdrucks im Versorgungsnetz

In einer Anhörung vor dem US-Senatsausschuss für Angelegenheiten indigener Völker hatte Nygren auf die Bedeutung des Safe Drinking Water Act von 1974 für die Versorgungssicherheit der Bewohner des Territoriums verwiesen. Das Natural Resources Defense Council hat kritisiert, dass das derzeitige Tempo föderaler Investitionen gemessen am Gesamtbedarf unzureichend sei und strukturelle Benachteiligungen indigener Gemeinschaften bei Wasserrechten und Infrastrukturfinanzierung fortbestünden.

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Im Vergleich: Was andere Reservationen zeigen

Andere Stämme belegen, was gelingt, wenn Investitionen konsequent über Jahre fließen. Der Crow-Stamm in Montana hat mehr als 20 Millionen Dollar aus Bundes-, Landes- und Stammesmitteln gebündelt und damit wesentliche Teile seiner Wasser- und Abwasserinfrastruktur grundlegend saniert. Die Hopi Nation hat ihr tribales Versorgungssystem auf eigenverantwortlichen Betrieb umgestellt, versorgt die Gemeinden seither mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser und hat die Grundwasserplanung auf 50 Jahre gesichert, wie das US-Innenministerium berichtet.

Das föderale Gesamtvolumen ist beachtlich, aber verteilt auf Hunderte von Stammesgebieten: Die US-Umweltbehörde EPA hat für die Fiskaljahre 2022 bis 2026 mehr als 614 Millionen Dollar in Trinkwasserinfrastruktur für sämtliche Stammesgebiete der USA investiert und weitere 254 Millionen Dollar in Abwasserinfrastruktur. Separat davon begannen 2025 auf dem Navajo-Territorium die Bauarbeiten für eine 267 Millionen Dollar teure Wasseraufbereitungsanlage, nach Angaben von Native News Online eines der größten Infrastrukturvorhaben für die Reservation seit Jahrzehnten.

Der Colorado-Vergleich als nächste Hürde

Für die langfristige Wasserversorgung des Territoriums ist ein Verfahren entscheidend, das weit über die aktuellen Bauprojekte hinausgeht. Mehrere Stämme, darunter die Navajo Nation, haben ihre Wasserrechte am Colorado River in einem gemeinsamen Vergleich gebündelt, der für Jahrzehnte Rechtssicherheit über Wassermengen und -zugang schaffen würde. Laut dem Radiosender KJZZ verzögern derzeit vier US-Bundesstaaten die Ratifizierung dieses Abkommens. Ohne Klärung dieser Rechte bleibt die langfristige Wasserplanung des größten indigenen Territoriums der USA auf unsicherem Grund.

Die 10,5 Millionen Dollar des aktuellen Pakets sind gemessen am Gesamtbedarf ein Anfang. Nygren hat den Gesamtbedarf an Infrastrukturinvestitionen auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt. Wie schnell dieser Bedarf gedeckt wird, hängt maßgeblich davon ab, ob der politische Wille in Washington, der unter der Biden-Administration deutlich stärker ausgeprägt war, weiter Bestand hat.

Quellen (8)

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