
Nasca-Linien: 13 Tote, zwei Deutsche unter Opfern
Quellen (8)
- Al Jazeeraaljazeera.com
- NBC Newsnbcnews.com
- Washington Postwashingtonpost.com
- Süddeutsche Zeitungsueddeutsche.de
- Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
- ZEIT Onlinezeit.de
- t-onlinet-online.de
- AOL UK / Aerodianaaol.co.uk
Am Samstag, dem 1. August, stürzte eine Cessna Caravan C-208 der peruanischen Fluglinie Aerodiana nahe der Stadt Nazca ab. Das Flugzeug war um 12:10 Uhr Ortszeit vom Flughafen Pisco gestartet und transportierte elf zahlende Passagiere sowie zwei Crew-Mitglieder. Gegen 13 Uhr meldete die Besatzung einen Notfall beim Kontrolltower des Flughafens Nazca. Kurz darauf brach der Funkkontakt ab. Das Wrack wurde rund sechs Kilometer von Nazca entfernt im Gebiet Pueblo Viejo gefunden. Das Flugzeug hatte Feuer gefangen. Alle 13 Insassen kamen ums Leben.
Unter den Toten sind sieben italienische Staatsangehörige im Alter zwischen 18 und 54 Jahren, zwei Spanier, zwei Deutsche (77 und 78 Jahre alt) sowie Pilot Américo Salazar und Copilot Irenka Guanilo del Carpio. Peruanische Behörden bestätigten die Identitäten am Samstagnachmittag. Die Unfallursache ist noch unbekannt, die Behörde für Zivilluftfahrt (DGAC) hat Ermittlungen eingeleitet.
UNESCO-Erbe als Touristenziel mit Risiko
Die Nasca-Linien sind eines der faszinierendsten archäologischen Denkmäler Südamerikas. Über 700 Geoglyphen, darunter Linien, geometrische Figuren, Tiere und Pflanzen, wurden zwischen 500 vor und 500 nach Christus von vorinkaisischen Kulturen in die Wüste eingezeichnet, indem dunkle Kieselsteine zur Seite geräumt und der hellere Untergrund freigelegt wurde. Die Figuren, darunter Kolibri, Spinne, Astronaut und Zickzack-Linien von bis zu acht Kilometern Länge, sind vom Boden aus kaum zu erkennen. Seit 1994 stehen sie unter dem Schutz der UNESCO. Ihre genaue Bedeutung ist bis heute nicht abschließend geklärt; wahrscheinlich dienten sie rituellen oder astronomischen Zwecken.
Genau diese Unsichtbarkeit vom Boden macht Kleinflugrundflüge zum bevorzugten Besuchsprogramm. Wer die Linien verstehen will, muss sie aus der Luft sehen. Aerodiana ist eine der bekanntesten Anbieter solcher Touren. Das Unternehmen teilte nach dem Absturz mit, man werde mit den Behörden kooperieren und äußerte Beileid gegenüber den Angehörigen.
Eine Strecke mit langer Unfall-Geschichte
Der Absturz ist kein Einzelfall. Touristenflüge über den Nasca-Linien haben eine erschreckend lange Unfallchronologie. Im Februar 2022 stürzte eine Cessna 207 der Firma Aerosantos nach dem Start ab; fünf Touristen und zwei Crew-Mitglieder starben. Im Jahr 2010 kamen vier britische Touristen und zwei peruanische Crewmitglieder bei einem Absturz ums Leben. Im April 2008 starben fünf französische Touristen; der Pilot überlebte als Einziger. Insgesamt zählen Luftfahrtdatenbanken seit 1990 mehr als ein Dutzend tödliche Abstürze bei Nasca-Rundflügen.
Internationale Luftfahrtexperten und peruanische Verkehrsrechtler werfen den zuständigen Behörden seit Jahren mangelnde Aufsicht vor. Die Flotte der meisten Anbieter besteht aus kleinen Propellermaschinen, die im kommerziellen Luftverkehr anderer Länder nicht mehr zugelassen wären. Peruanische Gerichte haben nach früheren Abstürzen mehrfach Reformen der Zulassungs- und Wartungsstandards gefordert. Die Umsetzung blieb lückenhaft.
Ermittlungen und Konsequenzen
Die peruanische Behörde für zivile Luftfahrt hat angekündigt, die Unfallursache systematisch zu untersuchen. Neben technischem Versagen prüfen die Ermittler auch menschliches Versagen und Wetterbedingungen. Die Spurenlage am Absturzort wird durch den Brand des Wracks erschwert. Erste Ergebnisse werden in zwei bis vier Wochen erwartet.
Nach früheren Abstürzen wurden alle Anbieter von Nasca-Rundflügen vorübergehend gesperrt, bis die Maschinen erneut zugelassen wurden. Eine solche Sperrung gilt als wahrscheinlich. Ob das zu strukturellen Verbesserungen führt, ist weniger klar: Nach dem Absturz von 2022 wurde der Betrieb nach wenigen Wochen wieder aufgenommen, ohne dass öffentlich dokumentierte Regulierungsänderungen bekannt wurden.
Für die Angehörigen der deutschen Opfer hat die Botschaft in Lima konsularische Unterstützung zugesagt. Die Bundesregierung hat sich bislang nicht öffentlich geäußert.
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