
200 Millionen Dollar für 100 bedrohte Arten
Quellen (10)
- Bezos Earth Fund: Phoenix Species Project Launchbezosearthfund.org
- Phoenix Species Project Officialphoenixspeciesproject.org
- IUCN: Phoenix Species Project Launchiucn.org
- Fortune: DiCaprio teams with Bezosfortune.com
- Variety: DiCaprio and Bezos endangered species projectvariety.com
- Quartz: Bezos Earth Fund and Re:wild launchqz.com
- IUCN: Iberian Lynx recoveryiucn.org
- US Fish & Wildlife: 2024 California Condor Population Statusfws.gov
- Futurism: Greenwashing criticismfuturism.com
- CBC News: Bezos species project greenwashing scrutinycbc.ca
Hundert Arten, die ohne gezielte Eingriffe mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgestorben wären, sollen eine echte zweite Chance bekommen. Re:wild und der Bezos Earth Fund haben im August 2026 das Phönix Species Project gestartet und stellen dafür gemeinsam 200 Millionen Dollar bereit, verteilt auf 100 kritisch bedrohte Arten in 30 Ländern. Es ist die bislang größte einzelne philanthropische Initiative zum Schutz bedrohter Arten, begleitet von einer Debatte über die Glaubwürdigkeit der Geldgeber.
Was das Phönix Species Project konkret plant
Das Grundproblem beim Artenschutz sind kurze Förderphasen: Finanzierungszyklen von einem oder zwei Jahren zwingen Schutzprogramme immer wieder zu Unterbrechungen, gerade wenn messbare Ergebnisse noch ausstehen. Das Phönix Species Project strukturiert seine Mittel auf fünf Jahre pro Art, durchschnittlich je zwei Millionen Dollar. Die Organisatoren nennen das Prinzip Conservation Sprints: intensive, finanzierte Phasen mit klaren Zielen.
Die Strategien variieren je nach Art: Nachzuchtprogramme, Umsiedlungen, Krankheitsmanagement, Kontrolle invasiver Arten und Habitatrestaurierung sind die Hauptwerkzeuge. Zu den Arten im Portfolio gehören der Goldene Kronensifaka, ein Lemur aus Madagaskar, der Hickory Nut Gorge Grüne Salamander aus einem einzigen Tal in North Carolina, das Visayan-Warzenschwein von den Philippinen und die Cozumel-Ernte-Maus aus Mexiko. Die IUCN, die Weltnaturschutzunion, fungiert als wissenschaftlicher Wissenspartner des Projekts und soll die wissenschaftliche Strenge über alle 100 Arten hinweg sicherstellen.
Gegründet wurde Re:wild vom Biologen Wes Sechrest und Leonardo DiCaprio. Der Bezos Earth Fund ist die Klimaphilanthropie von Jeff Bezos, mit einem Gesamtrahmen von 10 Milliarden Dollar seit 2020. Weitere Unterstützer des Phönix Species Project sind Lauren Sánchez Bezos, die Age of Union und die Todd Graves Family Foundation.
Im Vergleich: Wenn Schutz tatsächlich funktioniert
Die Geschichte des Artenschutzes zeigt, dass scheinbar aussichtslose Fälle sich umkehren lassen. Der Iberische Luchs ist das eindrücklichste Beispiel der jüngeren Vergangenheit: Noch 2001 gab es in Spanien und Portugal nur noch 62 ausgewachsene Tiere. Ein jahrzehntelanges Schutzprogramm mit Nachzucht und Habitatrestaurierung brachte die Zahl auf 2.401 Exemplare im Jahr 2024, erhoben im spanisch-portugiesischen Jahreszensus. Die IUCN stufte den Iberischen Luchs im Juni 2024 auf Grundlage der Zahlen von 2023 von gefährdet auf anfällig herunter, ein seltener positiver Wechsel auf der Roten Liste.
Der Kalifornische Kondor folgt einem ähnlichen Muster. 1982 lebten weltweit noch 22 Exemplare. Das US Fish and Wildlife Service begann daraufhin ein intensives Nachzucht- und Auswilderungsprogramm. 2024 zählte die Art erstmals mehr als 600 Tiere insgesamt, davon 373 in freier Wildbahn. Das Phönix Species Project orientiert sich an solchen Erfolgen, mit dem Unterschied, dass es Arten angeht, die sich in einer noch früheren Phase befinden: am Tiefpunkt, kurz vor dem möglichen Umschwung.
Worauf Kritiker hinweisen
Die Greenwashing-Vorwürfe folgten unmittelbar auf die Ankündigung. Futurism und CBC News thematisierten das zentrale Argument: Der Bezos Earth Fund, der 100 Millionen Dollar beisteuert, wurde von Jeff Bezos gegründet, dem Gründer von Amazon und Eigentümer des Raumfahrtunternehmens Blue Origin, das erhebliche CO2-Emissionen erzeugt. Amazon selbst verursacht als eines der größten Logistikunternehmen der Welt einen beträchtlichen Kohlenstoff-Fußabdruck. DiCaprio wurde für Flugreisen mit Privatjets kritisiert, die im Widerspruch zu seinem öffentlichen Umweltengagement stehen.
Die Kritik trifft die Geldgeber, nicht die Naturschutzorganisation. Re:wild ist eine anerkannte gemeinnützige Organisation; die IUCN, die strenge wissenschaftliche Standards anlegt, hat das Projekt als Wissenspartner akzeptiert. Ob der Schaden, den die Kerngeschäfte der Geldgeber anrichten, durch das Artenschutzprojekt ausgeglichen wird, ist eine andere Frage. Die Tiere, um die es geht, haben diese Debatte nicht verursacht.
Drei Bedingungen für den Erfolg
Das Projekt erstreckt sich über 30 Länder mit sehr unterschiedlichen politischen Stabilitäten und Naturschutzgesetzen. Erstens: Die Arbeit vor Ort erfordert stabile Partnerschaften mit lokalen Behörden, die über Regierungswechsel hinaus halten. Zweitens: Indigene und lokale Gemeinschaften müssen echte Partner sein; sie sind oft die einzigen, die Lebensräume der Zielarten über Jahrzehnte kennen und aktiv schützen können. Drittens: Fünf Jahre pro Art sind ein Sprint, keine Garantie. Welche Mechanismen nach Ablauf der Förderdauer greifen, um Rückschritte zu verhindern, hat das Projekt noch nicht öffentlich kommuniziert. Diese Frage wird die Glaubwürdigkeit des Ansatzes mitbestimmen.
Aktualisierungen
Korrektur 17. September, 19:43 Uhr: Eine Angabe eingeordnet. Die 2.401 Luchse stammen aus dem Jahreszensus 2024, der erst 2025 veröffentlicht wurde; die Herabstufung durch die IUCN im Juni 2024 beruhte noch auf den Zahlen von 2023.
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