
Erstes IL-23-Mittel für Kinder mit Schuppenflechte
Quellen (11)
- AbbVie News — SKYRIZI FDA Approved for Pediatric Use in Psoriatic Disease (26. Juni 2026)news.abbvie.com
- AbbVie News — European Commission Approval of SKYRIZI for Pediatric Patients (23. Juni 2026)news.abbvie.com
- Medical Daily — FDA Approved a Powerful Biologic for Children with Severe Psoriasismedicaldaily.com
- HCPLive — FDA Approves Risankizumab for Pediatric Plaque Psoriasis, Psoriatic Arthritishcplive.com
- Dermatology Advisor — Skyrizi Earns FDA Pediatric Approval for Psoriatic Diseasedermatologyadvisor.com
- Dermatology Digest — Risankizumab Maintains Response in Pediatric Psoriasis for Up to 1 Yearthedermdigest.com
- PRNewswire — SKYRIZI FDA Approved for Pediatric Useprnewswire.com
- AJMC — FDA Expands Risankizumab Approval to Pediatric Plaque Psoriasisajmc.com
- Epocrates — FDA approves Skyrizi for pediatric psoriatic diseaseepocrates.com
- ScienceDirect — Epidemiology and comorbidity of paediatric psoriasis in Germanysciencedirect.com
- ACCP — FDA Approves SKYRIZI for Adults with Plaque Psoriasis (2019)accp1.org
Kinder mit schwerer Schuppenflechte hatten bisher nur wenige systemische Behandlungsoptionen. Seit dem 26. Juni 2026 ist das breiter geworden: Die FDA hat Risankizumab (Skyrizi) für Kinder ab sechs Jahren mit moderater bis schwerer Plaque-Psoriasis und Psoriasis-Arthritis zugelassen. Es ist der erste IL-23-Inhibitor weltweit, der für Patienten in dieser Altersgruppe verfügbar ist.
Was Schuppenflechte im Kindesalter bedeutet
Schuppenflechte ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die weit mehr als die Haut betrifft. Betroffene Kinder entwickeln schuppende, rötliche und oft schmerzhafte Plaques auf Kopfhaut, Ellbogen und Knien, die zu sozialer Stigmatisierung und psychischer Belastung führen können. Studien zeigen, dass pädiatrische Psoriasis die Lebensqualität der betroffenen Kinder und ihrer Familien erheblich beeinträchtigt.

Etwa jeder dritte Psoriasis-Fall beginnt im Kindesalter. In Deutschland sind schätzungsweise 0,71 Prozent der Kinder und Jugendlichen betroffen, wobei die Prävalenz mit dem Alter linear ansteigt. Das entspricht mehreren zehntausend betroffenen Kindern allein in Deutschland. Bei einem Teil der Betroffenen entwickelt sich zusätzlich eine Psoriasis-Arthritis, die Gelenke angreift und ohne frühzeitige Behandlung zu dauerhaften Schäden führen kann.
Was die Studiendaten zeigen
Die FDA-Zulassung basiert auf dem OptIMMize-Studienprogramm. In der Kohorte der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren erreichten in Woche 16 der Behandlung laut Studiendaten 40,7 Prozent der Risankizumab-Patienten eine vollständige Hautklärung, gemessen am PASI-100-Kriterium. Bei Ustekinumab, einem bisher verbreiteten Standard, waren es 17,9 Prozent. Das entspricht mehr als einer Verdopplung der Rate vollständiger Abheilung.
Bei der PASI-75-Rate, dem Standardmaß für ausreichende Verbesserung, war das Ergebnis dagegen vergleichbar: 85,2 Prozent bei Risankizumab gegenüber 85,7 Prozent bei Ustekinumab. Das entscheidende Differenzierungsmerkmal ist also nicht das Ansprechen auf die Therapie generell, sondern die Rate vollständiger Remission.
Bei Kindern zwischen 6 und 11 Jahren, in einer offenen Kohorte ohne direkten Vergleichsarm untersucht, erreichten laut Studiendaten 86,7 Prozent eine PASI-75-Antwort, 76,7 Prozent PASI 90 und 43,3 Prozent PASI 100 in Woche 16. Diese Ergebnisse verbesserten sich bis Woche 52 weiter oder blieben stabil. Patienten, die nach einer Behandlungspause einen Schub erlitten, sprachen nach Wiederaufnahme der Therapie erneut an.
Neu zugelassen wurde auch eine 55-mg-Fertigspritze speziell für Patienten unter 40 Kilogramm, um die gewichtsbasierte Dosierung für kleinere Kinder zu erleichtern. Drei Tage vor der FDA-Entscheidung, am 23. Juni 2026, hatte bereits die Europäische Kommission Risankizumab für dieselbe pädiatrische Indikation genehmigt.

Im Vergleich: Was bisher für Kinder mit Psoriasis zugelassen war
Risankizumab ist kein erster Wirkstoff für Kinder mit Schuppenflechte, aber der erste seiner Klasse. Etanercept war das erste Biologikum, das für Kinder mit Psoriasis zugelassen wurde, Adalimumab und Secukinumab folgten für ältere Kinder und Jugendliche. Ustekinumab erhielt eine Zulassung für Jugendliche ab 12 Jahren. Secukinumab ist als IL-17-Inhibitor für pädiatrische Psoriasis ab 6 Jahren verfügbar.
Diese Mittel wirken über unterschiedliche Mechanismen. IL-23-Inhibitoren wie Risankizumab gelten bei Erwachsenen inzwischen vielerorts als bevorzugte Therapie bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis, weil sie gezielt an der p19-Untereinheit von IL-23 ansetzen und damit spezifischer in die Entzündungskaskade eingreifen als ältere Substanzen. Für Kinder war diese Substanzklasse bis zur Zulassung von Risankizumab nicht verfügbar.
Das Sicherheitsprofil von Risankizumab in den Kinderstudien war konsistent mit dem aus den Erwachsenenstudien bekannten Profil. Die FDA-Dokumentation verzeichnet kein erhöhtes Risiko bei pädiatrischen Patienten.
Von 2019 bis heute: Sieben Jahre von der Erwachsenen- zur Kinderzulassung
Risankizumab wurde am 23. April 2019 für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis in den USA zugelassen. Seitdem vergingen sieben Jahre bis zur pädiatrischen Indikation, ein in der Dermatologie durchaus typischer Zeitraum. Zum Vergleich: Bei Ustekinumab (Stelara) dauerte es von der ersten Erwachsenenzulassung (2009) bis zur Zulassung für Jugendliche ebenfalls mehrere Jahre. Secukinumab erhielt 2015 die Erwachsenen-Zulassung für Psoriasis.
Für Krebstherapien gelten gesetzliche Verpflichtungen, neue Substanzen auch pädiatrisch zu testen. In der Dermatologie sind diese Anforderungen weniger strikt, was erklärt, warum Kinder oft erst Jahre nach der Erwachsenen-Zulassung von neuen Wirkstoffen profitieren.
Die zeitlich nahgelegene FDA- und EU-Zulassung im Juni 2026 zeigt, dass Hersteller zunehmend parallele pädiatrische Studienprogramme anlegen und Behörden koordiniert informieren. Das beschleunigt den Weg von der Erwachsenen- zur Kinderzulassung. Für die mehreren zehntausend Kinder mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis in Deutschland und die hunderttausende in Europa und den USA ist das ein konkreter Fortschritt.
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