Saudi-Arabien, Türkei und Pakistan bilden Militärpakt
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Saudi-Arabien, Türkei und Pakistan bilden Militärpakt

Im Schatten des Irankriegs schließen Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan heute in Dschidda ein gemeinsames Verteidigungsabkommen mit Beistandsklausel. Der Pakt nach NATO-Vorbild ist der deutlichste Beleg, wie stark sechs Monate Krieg die Sicherheitsarchitektur des Nahen Ostens verändert haben.

Quellen (9)
  1. Euronewseuronews.com
  2. Manila Timesmanilatimes.net
  3. Daily Sabahdailysabah.com
  4. Times of Israeltimesofisrael.com
  5. Middle East Eyemiddleeasteye.net
  6. t-onlinet-online.de
  7. Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
  8. Wikipedia Hormuz-Kriseen.wikipedia.org
  9. TBS Newstbsnews.net
7. August 2026, 13:12 Uhr842 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Am Freitag treffen sich Mohammed bin Salman, Recep Tayyip Erdoğan und Premierminister Shehbaz Sharif in Dschidda. Was sie unterzeichnen, ist mehr als ein Handschlag unter Verbündeten: ein Beistandspakt nach NATO-Vorbild, der jeden Angriff auf einen der drei Staaten als Angriff auf alle drei wertet. Ausgerechnet Saudi-Arabien und die Türkei, die sich jahrelang um die Führungsrolle in der islamischen Welt stritten, stehen dabei Seite an Seite. Möglich gemacht hat das der Irankrieg.

Wie sechs Monate Krieg drei Rivalen zusammenbrachten

Der Pakt baut auf einem saudisch-pakistanischen Beistandsvertrag vom September 2025 auf, den Riad ursprünglich als Absicherung gegen interne Destabilisierung konzipiert hatte. Seit dem Beginn des Irankriegs am 28. Februar 2026 hat sich die strategische Ausgangslage grundlegend verändert. Huthi-Milizen aus dem Jemen greifen saudische Flughäfen an; bei bisherigen Anschlägen wurden elf Zivilisten verletzt, darunter sieben Saudis. Ein saudischer Regierungsbeamter warnte am Donnerstag gegenüber CNN vor koordinierten Angriffen irakischer Milizen zusammen mit Huthi-Rebellen in naher Zukunft, geplant und gesteuert von iranischen Revolutionsgarden.

Pakistan bringt geografisches Gewicht ein: Das Land liegt an der östlichen Flanke Irans, hat atomar aufgerüstete Streitkräfte und wurde von Washington in den vergangenen Jahren sicherheitspolitisch vernachlässigt. Islamabad will in einer möglichen Nachkriegsordnung eine Rolle spielen. Die Türkei wiederum nutzt den Moment: Ankara hat jahrelang versucht, als regionaler Ordnungsmacht-Makler anerkannt zu werden und sieht in einem handfesten Sicherheitsabkommen mit zwei Schwergewichten des Golf und Südasien einen strategischen Aufstieg.

Was das Abkommen enthält und was es von früheren unterscheidet

Die Kernklausel des Dschidda-Pakts ist dem Artikel 5 des NATO-Vertrags nachgebildet: Aggression gegen ein Mitglied löst Beistandspflicht der anderen aus. Das unterscheidet ihn fundamental von bisherigen arabischen Sicherheitsrahmen, die meist unverbindlich blieben. Die Arabische Liga hat seit Jahrzehnten keine gemeinsame militärische Reaktion auf einen Angriff zustande gebracht. Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit ist politisch fragmentiert.

Technisch sieht das Abkommen engere Geheimdienstkoordination, abgestimmte Patrouillen im Roten Meer und im Golf von Oman sowie interoperablere Luftraumsicherungssysteme vor. Konkrete Truppenstationierungen sind zum Start nicht geplant, könnten aber in Folgeabkommen folgen. Für Saudi-Arabien ist das ausdrücklich eine Ergänzung zum Schutzverhältnis mit Washington, nicht dessen Ersatz. Riad will den amerikanischen Sicherheitsschirm behalten, aber unabhängiger werden.

Teheran, Hormuz und ein schrumpfender Spielraum

Das Timing ist kein Zufall. Die Verhandlungen über eine Öffnung der Straße von Hormus stagnieren. In der Woche vom 3. bis 6. August passierten nur 33 Schiffe die Meerenge, in der gleichen Woche vor dem Kriegsbeginn waren es regelmäßig 130 bis 140. Am Donnerstag fuhren noch vier Schiffe durch, darunter ein Supertanker mit zwei Millionen Barrel irakischem Rohöl. Iran fordert Transitgebühren von 5 bis 7 Prozent des Frachtwertes; Oman, das als Vermittler in Verhandlungen auftritt, plädiert für rund 3 Prozent. Keine der großen Reedereien hat signalisiert, solche Gebühren akzeptieren zu wollen, solange die Rechtslage unklar ist.

Für Teheran sendet der Dschidda-Pakt eine klare Botschaft: Je länger der Krieg andauert, desto stärker wächst der Block regionaler Mächte, die Iran einzuhegen suchen. Saudi-Arabien war bisher auf den amerikanischen Militärschirm angewiesen, der Pakt verringert diese Abhängigkeit. Pakistan hat als Atommacht ein eigenes Gewicht. Die Türkei hält trotz des Bündnisses weiterhin Handels- und Gesprächskanäle nach Teheran offen, was Ankara zu einem schwer kalkulierbaren Partner macht.

Washingtons Zurückhaltung und das größere Bild

Das US-Außenministerium hat den Pakt am Donnerstag mit einem einzeiligen Statement zur Kenntnis genommen. Das ist für eine sicherheitspolitische Entwicklung dieser Tragweite ungewöhnlich wortkarg. Hinter den Kulissen sind amerikanische Planer gespalten: Der neue Block stärkt zwar die Gegner Irans, aber er reduziert auch Washingtons Einfluss auf die Sicherheitsarchitektur einer Region, in der die USA seit Jahrzehnten die Parameter gesetzt haben. Saudi-Arabien und die Türkei bauen damit eigene Entscheidungsstrukturen auf.

Trump hatte am Donnerstag geäußert, er glaube, der Krieg werde "ziemlich bald vorbei sein." Pakistan dagegen plant erkennbar für einen längeren Horizont. Die Unterzeichnung in Dschidda findet statt, ob der Krieg in Wochen oder in Monaten endet. Die neue Allianz wird auch danach bestehen bleiben, mit allem, was das für die regionale Machtbalance bedeutet: Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan haben begonnen, eine Sicherheitsordnung jenseits der amerikanischen Garantien zu bauen.

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