Erste Schnabeltiergeburt im Royal National Park seit 50 Jahren
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Erste Schnabeltiergeburt im Royal National Park seit 50 Jahren

Drei Jahre nach ihrer Wiederansiedlung bringen Schnabeltiere im Royal National Park bei Sydney erstmals Nachwuchs zur Welt. Wissenschaftler der UNSW zählten im Mai 2026 zwanzig Tiere, darunter zwei im Park geborene Jungtiere. Eine Erfolgsgeschichte mit vorsichtiger Prognose.

7. Juli 2026, 17:03 Uhr 720 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Ein Schnabeltier namens Prometheus kam 2023 als eines der ersten zehn Tiere in den Royal National Park bei Sydney. Inzwischen ist er Vater. Sein Jungtier Gili wurde als erstes Schnabeltier seit mehr als fünfzig Jahren im Park geboren. Für Forscher der Universität New South Wales (UNSW) ist das der Beweis, den sie brauchten: Die wiederangesiedelte Population pflanzt sich fort. Sie ist keine Umsiedlungsmaßnahme mehr, sondern eine sich erholende Tiergemeinschaft.

Was das Schnabeltier zur verletzlichsten Tierart Australiens macht

Schnabeltiere (Ornithorhynchus anatinus) gelten gemäß der Roten Liste der IUCN als "potenziell gefährdet" (Near Threatened). In den vergangenen dreißig Jahren ist ihr Lebensraum in Australien um mindestens 22 Prozent geschrumpft, eine Fläche, die etwa dreimal so groß ist wie Tasmanien. Auf rund 40 Prozent ihres ehemaligen Verbreitungsgebietes sind lokale Populationen bereits verschwunden.

schnabeltier

Als semiaquatische Tierart ist das Schnabeltier auf saubere Fließgewässer mit natürlichen Ufern angewiesen, in denen es seine Baue gräbt. Regulierung durch Dämme, Wasserentnahme für Landwirtschaft und Dürreperioden durch den Klimawandel setzen der Art zu. Im Royal National Park, dem ältesten Nationalpark Australiens südlich von Sydney, gab es vor der Wiederansiedlung seit mehr als fünfzig Jahren keine Schnabeltiere mehr. Veränderte Wasserführung im Hacking River hatte den Lebensraum unbrauchbar gemacht.

Drei Jahre Geduld, ein Jungtier namens Gili

Im Mai 2023 brachte das Team um Assoziierter Professor Gilad Bino vom Centre for Ecosystem Science der UNSW die ersten zehn Schnabeltiere in den Park. Die Tiere stammten aus robusten Populationen in anderen Teilen New South Wales und wurden im Rahmen der Platypus Conservation Initiative ausgewählt. Es war die erste erfolgreiche Schnabeltier-Translokation in der Geschichte des Bundesstaates.

Im Mai 2025 folgten drei weitere Tiere. Im Mai 2026 kamen vier Nachzügler dazu, darunter Absinthe, Duckie, Dawn und Hydra und erhöhten den Anfangsbestand auf siebzehn transloziierte Tiere insgesamt. Die Zählung im Frühjahr 2026 ergab jedoch zwanzig bekannte Individuen, also mehr als je eingesetzt wurden. Der Unterschied erklärt sich durch Nachwuchs.

Das erste dokumentierte Jungtier trägt den Namen Gili. Sein Vater ist Prometheus, eines der zehn Gründertiere aus dem Jahr 2023. Zusätzlich haben Forscher einen weiteren jungen Rüden entdeckt, der im jüngsten Brutzyklus im Park geboren wurde. "Ein Jungtier, das hier im Park schlüpfte, zeigt uns: Das ist keine Wiederansiedlung mehr, das ist eine sich erholende Population", sagte Bino gegenüber der UNSW.

Der Wildtierexperte Josh Griffiths, der das Projekt von außen begleitet, bremste Überoptimismus: Die Population sei "sehr klein und isoliert", entwickle sich aber "in die richtige Richtung".

Im Vergleich: Tierarten die zurückgekehrt sind

Das Muster, das sich im Royal National Park abzeichnet, kennt die Naturschutzgeschichte in größerem Maßstab. Der Kākāpō, Neuseelands schwerer flugunfähiger Papagei, stand 2002 mit rund 86 Exemplaren vor dem Aussterben. Durch ein intensives Brutprogramm mit individueller Datenerfassung und Nestüberwachung wuchs die Population bis 2026 auf über 330 bekannte Tiere. Der Kākāpō ist nicht gerettet, aber er ist nicht mehr unmittelbar vom Aussterben bedroht.

australien

Noch drastischer verlief die Geschichte des Kalifornischen Kondors. 1987 gab es weltweit noch 27 dieser Vögel. Biologen sammelten alle lebenden Tiere ein und führten ein Nachzuchtprogramm in menschlicher Obhut durch. Heute fliegen wieder über 600 Kondore, mehr als die Hälfte davon in freier Wildbahn. Die Rückkehr kostete mehr als 35 Jahre und hunderte Millionen Dollar.

Diese Vergleiche machen deutlich, was zwanzig Schnabeltiere im Hacking River bedeuten und was nicht. Sie sind ein Beweis, dass Wiederansiedlung funktioniert. Sie sind kein Argument zur Entwarnung für eine Art, die auf 40 Prozent ihres ehemaligen Verbreitungsgebietes bereits verschwunden ist.

Drei offene Risiken für den Hacking River

Die Forscher um Bino und Co-Leiterin Dr. Tahneal Hawke nennen drei strukturelle Risiken, die bestimmen ob die Population langfristig überlebt.

Erstens bleibt das genetische Problem. Mit zwanzig Individuen ist die Population eng genug, um Inzuchtdruck aufzubauen. Die Forscher lösen das im Moment durch aktives Einbringen neuer Tiere aus genetisch distinkten Populationen, was dauerhaftes Monitoring und Ressourcen erfordert.

Zweitens bleibt der Klimawandel eine reale Bedrohung. Der Royal National Park liegt in einer Region, die häufiger von Buschfeuern und Dürreperioden betroffen ist. Extreme Trockenheit kann die Wasserführung des Hacking River so weit absenken, dass Schnabeltier-Baue trockenfallen und Nahrungsquellen zusammenbrechen.

Drittens ist die räumliche Isolation ein Problem. Der Park ist eingebettet in Siedlungsflächen. Für Schnabeltiere gibt es kaum Möglichkeiten, in neue Gewässer zu wandern, wenn das lokale System kollabiert. Anders als Wölfe in Deutschland oder Wisente in Polen, die potenziell in angrenzende Regionen expandieren können, ist die Hacking-River-Population auf dieses eine Gewässersystem beschränkt.

Ob das Programm ausgeweitet wird, hängt laut UNSW von der Mittelbereitstellung durch öffentliche und private Förderer ab. Die nächste Bestandserfassung ist für 2027 geplant.

Quellen (8)

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